Entwicklung Kochbuch — Klassifizierung der Kochkunst — Weiterführendes
| Überblick Kochbuch-Autorinnen |
geb. Koblanck
geb. ca. 1750; gest. vor 1829
Sie war Tochter eines Amtschirurgen (Chirurg = nichtakademischer Arzt!).
Sie war mit dem Berliner Kaufmann B. W. Scheibler verheiratet. Sie hatten 9 Kinder, die nicht alle das Erwachsenenalter erreichten.
Mehr Biografisches in einem eigenen Artikel → Anna Sophia Wilhelmina (Wilhelmine) Scheibler persönlich

Vom Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen zum Kochbuch für alle Stände
Das „Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen.“ nahm eine rasante Entwicklung. Nach der Erstausgabe von 1815 erschien bereits 1819 die 3., stark vermehrte und verbesserte Auflage. 1828 folgte ein zweiter Teil, der zunächst eine eigene Auflagenzählung erhielt. Der erste Teil war zu diesem Zeitpunkt bereits bei der 7. Auflage.
Nach der 12. Auflage des ersten Teils und der 5. Auflage des zweiten Teils wurden beide Teile ab 1853 zusammen als ein Werk herausgegeben.
Die Auflagenzählung des ersten Teils wurde dabei fortgeführt. Aus der 12. Auflage wurde somit die 13. Auflage. Gleichzeitig änderte sich der Titel zu „Allgemeines deutsches Kochbuch für alle Stände“.
Der genaue Titel dieser Auflage von 1853:
„Allgemeines deutsches Kochbuch für alle Stände oder gründliche Anweisung, alle Arten Speisen und Backwerk auf die wohlfeilste und schmackhafteste Art zuzubereiten. Ein unentbehrliches Handbuch für angehende Hausmütter, Haushälterinnen und Köchinnen.“
Die Verallgemeinerung der Zielgruppe ist mehr als eine simple s,prachliche Änderung! Der ursprüngliche Titel richtete sich ausdrücklich an „bürgerliche Haushaltungen“. In der 4. Auflage 1845 erklärt Frau Scheibler das Drei-Klassen-System der Kochkunst und wo sie die bürgerliche Kochkunst verortet. Die „unbemittelte Volksklasse“ steht ausdrücklich außerhalb dieser drei Klassen.(siehe Abschnitt unten)
Die Angabe „Für alle Stände“ der 13. Ausgabe bedeutete aber offenbar nicht, dass das Kochbuch gleichermaßen für alle sozialen Schichten gedacht war. Eher erweiterte sich der Anspruch über die bürgerliche Haushaltung hinaus auf unterschiedliche Formen und Niveaus der häuslichen und herrschaftlichen Küche.
Auch der Name Scheibler wurde im Laufe der Zeit selbst zum Markenzeichen. Ab der 28. Auflage von 1883 verwendete der Amelang Verlag auf dem Titel häufig die Bezeichnung „Scheibler’s Kochbuch“ oder schlicht „Scheibler“. 1927 erschien beim Amelang Verlag die 47. Auflage. Danach blieb das Werk zunächst ein halbes Jahrhundert ohne Neuauflage; 1977 erschien wieder ein Nachdruck.
Was man also sagen kann: Scheiblers Kochbuch war im Brandenburger Raum ein ähnlich prägenden Kochbuch, wie es 30 Jahre später Henriette Davidis‘ „Praktisches Kochbuch“ für die westdeutsche Region wurde. Schon 1819 lag Scheiblers Werk in einer stark vermehrten dritten Auflage vor; bis 1927 folgten insgesamt 47 Auflagen. (Raub-Nachdrucke nicht mit gezählt!)
Henriette Davidis begann 1845 dagegen mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren; spätere Auflagen wurden mit bis zu 40.000 Exemplaren gedruckt. Beide Werke entwickelten sich damit zu ausgesprochen langlebigen und erfolgreichen Kochbuchklassikern.
→ Henriette Davidis
Titel: „Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen oder gründliche Anweisung, wie man ohne Vorkenntnisse alle Arten Speisen und Backwerk auf die wohlfeilste und schmackhafteste Art zubereiten kann.
Ein unentbehrliches Handbuch für angehende Hausmütter, Haushälterinnen und Köchinnen.“
Im Vorwort wird breit ausgeführt: Das Wichtigste sind Sauberkeit, Ordnung, Geduld.
KLASSIFIZIERUNG der KOCHKUNST in Scheiblers „Vorerinnerungen und Bemerkungen“ (in der 4. Auflage 1845) – in Auszügen, mit meiner Großschreibung:
„Die KOCHKUNST lässt sich in DREI KLASSEN einteilen.
Die erste derselben bildet die KÜNSTLICHE = HERRSCHAFTLICHE: d.h. Zubereitung aller feinen Sachen, Flügelwerks und aller schwierigen Zusammensetzungen … Sache der dazu angestellten KÖCHE
Die zweite Klasse für den HÖHEREN WOHLSTAND: auch herrschaftlich, doch in einem minder hohen Grade … Eine gute KÖCHIN sieht schon mehr auf Ökonomie …
Die dritte Klasse bildet die BÜRGERLICHE KOCHKUNST … Hier sieht man hauptsächlich auf den GESCHMACK … Gleichzeitig begreift diese Klasse die der MITTELSTÄNDE und die der GUTEN HAUSMANNSTISCHE … Anordnung der klugen HAUSFRAU .., die nach dem Geschmacke und den Verhältnissen des HAUSHERRN sich einzurichten natürlich für Pflicht hält.
In Betreff der unbemittelten Volksklasse, welche sich einer strengen Ökonomie unterwerfen und nur dieser nachleben muss, lässt sich, in Hinsicht der Kochkunst, weiter nichts sagen.“

Weiterführendes
🔍 Literatur, Digitalisate und weiterführende Links zu Sophie Wilhelmine Scheibler
Sophie Wilhelmine Scheibler
- Wikipedia: Sophie Wilhelmine Scheibler
Das Scheiblersche Kochbuch – Ausgaben und Digitalisate
-
1815:
Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen – Erstausgabe, Berlin, Carl Friedrich Amelang.
Ein frei zugängliches Digitalisat der Erstausgabe von 1815 konnte bislang nicht ermittelt werden. Die Erstausgabe ist bibliografisch belegt.
Bibliografischer Nachweis und Beschreibung einer frühen Ausgabe – Antiquariat Haufe & Lutz -
1819:
Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen …,
3., stark vermehrte und verbesserte Auflage, Berlin, Amelang.
Mit gestochenem Frontispiz einer Küchenszene. Die Ausgabe enthält 726 Rezepte.
Bibliografischer Nachweis und Beschreibung – Antiquariat Haufe & Lutz -
1828:
Allgemeines Deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen …
Digitalisat der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main -
1835:
Allgemeines Deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen …,
9. Auflage.
Digitalisat und Download – Universitätsbibliothek Frankfurt am Main -
1845:
Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen …,
11. Auflage.
Digitalisat und Download – Google Books -
1848:
Allgemeines Deutsches Kochbuch für alle Stände …
Digitalisat/Quelle noch ergänzen. -
1859:
Allgemeines Deutsches Kochbuch für alle Stände …
Digitalisat – Münchener Digitalisierungszentrum / Bayerische Staatsbibliothek -
1887:
Allgemeines deutsches Kochbuch für alle Stände – Ein unentbehrliches Handbuch für Hausfrauen, Haushälterinnen und Köchinnen
Digitalisat und Download – Internet Archive -
1927:
47. Auflage beim Amelang Verlag.
Damit lässt sich die außerordentlich lange Editionsgeschichte des Werkes bis ins 20. Jahrhundert nachvollziehen.
Zur Entwicklung des Werkes
Das Kochbuch erschien 1815 zunächst unter dem Titel Allgemeines deutsches Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen. Bereits 1819 lag die 3., stark vermehrte und verbesserte Auflage vor. 1828 erschien ein zweiter Teil mit eigener Auflagenzählung. Nach der 12. Auflage des ersten und der 5. Auflage des zweiten Teils wurden beide Teile ab 1853 als ein Werk mit der Auflagenzählung des ersten Teils – nun als 13. Auflage – unter dem Titel Allgemeines deutsches Kochbuch für alle Stände herausgegeben.
Ab der 28. Auflage von 1883 verwendete der Amelang Verlag auf dem Titel häufig die Bezeichnung „Scheibler’s Kochbuch“ oder schlicht „Scheibler“. 1927 erschien die 47. Auflage. Nach einer längeren Pause folgte 1977 wieder ein Nachdruck.
Weitere Informationen zu Scheibler
- Virtuelles Kochbuchmuseum: Sophie Wilhelmine Scheibler
- Ahnentafel: Sophie Wilhelmine Scheibler – Ahnentafel
- Frag-Mutti: „Uralte Kochrezepte sind nicht zeitgemäß“
„Das häusliche Glück“ – Kochbuch für Arbeiterfrauen
Ein interessanter Vergleich zur bürgerlichen Kochbuchliteratur ist Das häusliche Glück, ein Haushaltungs- und Kochbuch, das sich ausdrücklich an Arbeiterfrauen und Frauen mit geringeren finanziellen Mitteln richtete. Die Erstausgabe erschien 1881; herausgegeben wurde das Buch von einer Kommission des Verbandes „Arbeiterwohl“.
Stand: 12.2023








































