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Sophia von Weiß

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Nicht weit entfernt von der „Grube Minna“ war die „Grube Sophie“. Beide Gruben sind heute Teil des „GeoPfad Steinkohle“ im GeoPark Schieferland“ (Föritztal)

Auf der Seite des GeoPfads steht: „Am 15. Februar 1840 wurde Christian von Weiß ein weiteres Grubenfeld durch den Sachsen-Meininger Hof verliehen. Er gab ihm den Namen seiner Frau ‚Sophie‘.“

Offensichtlich handelt es sich um den erfolgreichen Textilunternehmer (1779 – 1850) und seine Frau Sophia, geb. Polex, geb. 1790 in Langensalza.

1824 errichtete Christian v. W. die erste mechanische Spinnerei Schweinas (OT von Bad Liebenstein) und setzte ab 1827 eine Dampfmaschine ein, die erste der Stadt. Weiß wurde 1836 als Ritter des Ernestinischen Hausordens geadelt. Die Steinkohlen-Grube kaufte er im Jahr der Hochzeit ihres gemeinsamen Sohnes.

Damit erschöpft sich das öffentliche Wissen über Sophia von Weiß und den Kauf der Grube.

Augenscheinlich interessierte sich weder damals noch heute jemand für Sophia von Weiß: Was war Sophias familiärer Hintergrund? Welche Bildung hatte sie? Was waren ihre Interessen? Interessierte sie sich für die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen in den Spinnereien? Welchen Anteil hatte sie am unternehmerischen Erfolg ihres Mannes? …

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Stand: 02.2024

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Hermine „Minna“ Meyer

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geb. Grobe, 1804 – 1874

Die „Minnastraße“ führt zur ehemaligen „Grube Minna“.

Wer erinnert sich in wikipedia-Zeiten noch an den Verlag „Bibliographische Institut“ (gegr. 1.08.1826 in Gotha), desse n bis in jüngster Zeit bekannteste Veröffentlichung „Meyers Lexikon“ war?

Joseph Meyer war zeitlebens ein „Unruhegeist“ mit vielen guten, (politisch und wirtschaftlich) fortschrittlichen Ideen und Aktivitäten. Wir würden ihn heute vielleicht als hochbegabt mit Hang zum Hochrisiko bezeichnen.

Durch sein Versagen bei Spekulationsgeschäften in London brachte er 1820 sich und seinen Arbeitgeber Herzog August von Sachsen-Gotha in finanzielle Schwierigkeiten. Der Herzog konfiszierte deshalb das Vermögen von Meyers Vater.

1820 begann Meyer mit dem Unterrichten von neuen Sprachen in Weilar/Thüringen. Er verliebte und verlobte sich mit HERMINE „MINNA“ GROBE (1804–1874). Meyer legte bis 1825 – wieder wegen fehlgeschlagener Spekulationsprojekten – eine erneute Pleite hin.

Im Mai 1825 heirateten die Beiden. Sie bekamen zwei Kinder.

1826 gründete er das „Bibliographische Institut“. Seine allgemeine Absicht: dem Volke eine universelle Bildung zu ermöglichen und damit der Demokratie und dem Kapitalismus gegenüber dem Feudalismus zum Sieg zu verhelfen. Gewarnt durch seine Pleiten, wird seine Frau MINNA MEYER Besitzerin des Verlags, er „nur“ Geschäftsführer. Der Verlag wird sehr erfolgreich, spielt offensichtlich auch für die 1848er Revolution eine Rolle, erlebt als erster Verlag einen Druckerstreik.

Es ist anzunehmen, dass Minna M. im Hintergrund zumindest strukturell entscheidend war. Aber die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen waren so, dass nur Joseph M. in der Öffentlichkeit präsent war, natürlich auch wegen seiner eigenen provokanten politischen Schriften. Deshalb gilt ER bis heute als genialer Verleger – IHR Anteil? muss noch entdeckt werden!

Ab 1837 stürzt er sich auf das Ziel, im Hinblick auf die deutsche Einheit das Eisenbahnwesen durchzusetzen. Für Bahnstrecken braucht es Eisenerze, Stahlwerke etc. Laut Gemeinde FÖRITZTAL kaufte Meyer 1843 ein Kohle-Grubenfeld und benannte es nach seiner Frau Hermine: „GRUBE MINNA“ (wurde 1908 geschlossen).

IHRE Meinung zu seinem wirtschaftlichen und folgenreichen politischen Engagement? Öffentlich unbekannt!

Weiterführende Links:

Stand: 01.2024

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GLASHÜTTE HENRIETTENTHAL

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Es fasziniert mich immer wieder von Neuem, wie viele Informationen ich als Ortsfremde zu Geologie, Pflanzen, Tiere, geschichtlichen, politischen, sozialen und städtebaulichen Verhältnissen erhalte – allein durch das Beschäftigen mit den Benennungen von Orten, Straßen, Sehenswürdigkeiten …
Wenig überraschend, wie viele Benennungen im Laufe der Zeit, trotz ständigen Gebrauchs, für die Benutzer*innen an inhaltlicher Bedeutung verlieren – und damit auch die Erinnerungen an die Namengeber …

Zusammengesetzte Ortsnamen mit „Hütte“ oder „Grub“ oder „Erzgebirge“, „Thüringisches Schiefergebirge“ u.a. zeigen im Oberfränkisch-Südthüringschen das Vorkommen einer Vielfalt an Bodenschätzen. Besonders bekannt und politisch, wirtschaftlich wichtig Uran, Schiefer, Eisenerz, Sand.

Franken ist „berüchtigt“ für seine politische Kleinstaaterei in früheren Jahrhunderten. Offensichtlich wurde hier Besitz meist an alle Söhne gleichmäßig verteilt und nicht auf einen Erben konzentriert. Einwohner kannten deshalb die „Herrschaften“ dieser Miniterritorien oft persönlich und hatten z.T. eine Beziehung zu einzelnen Mitgliedern des Hauses.


HENRIETTENTHAL ist ein ehemals selbstständiges Anwesen um eine ehemalige GLASHÜTTE in einem Seitental des Lauschatals (Hüttenprivileg vom 22.07.1720). Die Hütte wurde nach einer Prinzessin HENRIETTE des Hauses Sachsen-Saalfeld benannt.
Warum? War es eine Formalie? War die Prinzessin besonders „volkstümlich“? Kümmerte sie sich um Hilfsbedürftige, um Bergarbeiterfamilien? War sie, wie wir heute sagen würden, eine Influencerin? – Wer war sie überhaupt?
Ich fand keine Antworten.

Bergbau war und ist ein hartes und gefährliches Geschäft. Häufig bekamen deshalb Gruben, und Hütten Heiligennamen als Wunsch nach himmlischem Schutz. Es gibt heute auch Arbeiten mit Hintergründen dazu. Ich fand interessant, dass die meisten Bergwerksnamen aus der Zeit des 15. bis 19. Jahrhunderts stammen sollen.
Im Landkreis Sonneberg wurden Gruben und Hütten aber auch nach realen Frauen benannt.


Ich möchte diese Gruben und Hütten neben ihrem wirtschaftlichen Nutzen auch als Denkmäler für diese Frauen betrachten. Als eine andere Art von „Denkmal“ als wir es heute allgemein definieren.

Weiterführende Links:
Henriettenthal (wikipedia)
Sachsen-Coburg-Saalfeld (wikipedia)
Ernestinische Herzogtümer (wikipedia)
Glasbläserstadt Lauscha im Thüringer Wald (home)

Stand: 2.2024