als Karmelitin: Schwester Theresa Benedicta a Cruce
geb. 12.10.1891; in Auschwitz ermordet am 09.08.1942
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Am 1.05.1987 spricht Papst Johannes Paul II. Edith Stein selig. Am 11.10.1998 folgte die Heiligsprechung.
Ab Oktober 1998 steht auch an einem der Pfeiler des Chor-Umgangs der Nürnberger Frauenkirche ihre überlebensgroße Plastik als Karmelitin (von Prof. Wilhelm Uhlig).
Z.Zt. läuft ein Antrag, sie zur „Kirchenlehrerin“ zu erheben.
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Viele Kirchen, Orden, Schulen, Straßen usw. erinnern an diese Pädagogin, Philosophin, Wissenschaftlerin – der man 1918/19 an insgesamt vier Universitäten die Habilitation verwehrte, allein weil sie Frau war!
Am 1.01.1922 konvertierte die in eine jüdisch-orthodoxe Familie Hineingeborene zum römisch-katholischen Glauben.
Am 24.4.1930 hielt sie in Nürnberg bei der 16. Hauptversammlung der kath. bayerischen Lehrerinnen das Referat: „Die theoretischen Grundlagen der sozialen Bildungsarbeit“.
Der Tag begann mit einem Pontifikalamt in der Nürnberger Frauenkirche am Hauptmarkt.Diese – gestiftet 1355 – steht an Stelle einer bei einem schrecklichen Pogrom im Dez. 1349 zerstörten Synagoge – mit mindestens 562 getöteten und weiteren radikal vertriebenen Juden. Ob sie diese Geschichte kannte?
Schon Ostern 1933 erbat sie, vergeblich!, bei Papst Pius XI. eine Privataudienz, »um eine Enzyklika gegen den Antisemitismus anzuregen«.
Am 14.10.1933 trat sie in den deutschen Orden der Karmelitinnen ein.
1938 floh sie in den niederländischen Orden der Karmelitinnen in Echt.
Am 2.08.1942 wurde sie in Echt, zusammen mit ihrer ebenfalls konvertierten Schwester Rosa, von den Nazis verhaftet. Am 9.08.1942 kamen die Schwestern in Auschwitz-Birkenau in der Gaskammer um.
WAS VERÄNDERT HEUTE FÜR UNS SELBST
– ihr klarer Anspruch an un‑begrenzter Teilhabe an Bildung und Beruf – ihr klarer Anspruch an Loyalität und Schutz – ihr Mut, lieber in den sicheren Tod zu gehen als ihre Schwester in Stich zu lassen – was fügen Sie dieser Liste zu ?
als Karmelitin: Schwester Theresa Benedicta a Cruce geb. 12.10.1891; in Auschwitz ermordet am 09.08.1942
Diskussion und Kritik am des 1962 gestarteten Prozesses ihrer Seligsprechung I. E. Steins Satz in ihrem Testament, sie gebe ihr Leben „für den Unglauben des jüdischen Volkes“ führte zum Vorwurf (christlich- und jüdischerseits), dass sie dem Antisemitismus der katholischen Kirche aufgesessen sei. Ihre Seligsprechung torpediere dadurch den christlich-jüdischen Dialog.
Andere sagen dagegen, dass viele andere positive Äußerungen zum Judentum, u.a. auch zum Glauben ihrer Mutter, dagegen sprechen. Auch, dass sie schon 1933 von Papst Pius XI. eine Enzyklika gegen den Antisemitismus gefordert hat.
Deshalb sei dieser Satz, und ein paar ähnliche Aussagen, mehr auf Jesus als auf die jüd. Religion bezogen. Sie dürfe deshalb nicht als Vertreterin einer antijüdischen Tradition gesehen werden.
II. Wesentlich länger und schärfer sind die Vorwürfe gegenüber der römisch-katholischen Kirche im Laufe der jahrelangen Diskussionen:
Sie missbrauche E. Stein, um sich durch deren Erklären zur Märtyrerin „reinzuwaschen“, um ihr Schweigen zu überdecken (nicht nur des Papstes, sondern auch anderer Amtsträger*innen) zu den Gräuel der Nazis oder gar der teilweisen Zustimmung zur NS-Ideologie.
Die Kirche tue so, als ob E. Stein als Katholikin verfolgt und ermordet worden sei.
Die Kirche verfälsche E. Steins und ihre eigene geschichtliche Rolle bei der Verhaftung. Zumindest anfangs hieß es z.B., dass E. Stein selbst im Kölner Kloster ihre jüdische Herkunft verraten hätte – in Wirklichkeit war es die Priorin des Klosters.
Einige Artikel der letzten Jahre zeigen eine (nur teilweise öffentliche) Aufarbeitung innerhalb der röm.-kath. Kirche. Wie ehrlich, radikal und umfassend – nicht zuletzt im Wandel der konkreten Heiligenverehrung – kann ich zumindest auf den von mir besuchten „gläubig / kirchlich geprägten“ Internetseiten nicht erkennen.
Ich kann Dr. Edith Stein nur wünschen, dass es trotzdem geschah und geschieht. Dann kann sie auch eine „Heilige“, im säkularen Sinn ein „Vorbild“ sein:
mit ihrem klaren Anspruch an un begrenzter Teilhabe an Bildung und Beruf
mit ihrem klaren Anspruch an Loyalität und Schutz
mit ihrem Mut, lieber in den sicheren Tod zu gehen als ihre Schwester in Stich zu lassen
Sie schrieb: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ (1922)
Sie wird in der Kleinstadt Zamość im russisch besetzten Polen als Tochter eines jüdischen Holzhändlers geboren. – Allein dieser eine Satz reicht für ein Buch!
Die Familie zieht nach Warschau. R.L. besucht und beendet dort ein Gymnasium, eigentlich nur für russische Beamtentöchter gedacht, mit Bestnoten. Schon während der Schulzeit engagiert sie sich (im Untergrund) bei der marxistischen Partei „Proletariat“. Sie fliegen auf und Rosa flieht in die Schweiz.
Sie studiert ab 1889 an der Uni Zürich, an der Frauen gleichberechtigten Zugang haben: breit von Botanik bis hin zu Volkswirtschaft. 1897 Promotion „Polens industrielle Entwicklung“.
1893 gründet sie mit Freunden die Pariser Exilzeitung „Arbeitersache“. Ihr Ziel: der internationale Klassenkampf aller Arbeiter, gemeinsam und unabhängig von nationaler Zugehörigkeit. Kein polnischer Nationalstaat!
Sie möchte sich auch im deutsch besetzten Teil Polens engagieren. U.a. deshalb geht sie eine Scheinehe ein (19.04.1898), um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen.
Sie engagiert sich sofort in der SPD. Sie erringt große Erfolge. Es gibt aber auch harte Auseinandersetzungen innerhalb der Partei mit Leuten, die den „Marsch durch die Institutionen“ der „proletarischen Revolution“ vorziehen.
Mit ihrem jahrelangen, vielfältigen Engagement ist sie erfolgreich, bekannt, verhasst. So ist sie oft massiven Vorwürfen ausgesetzt, Angriffe gegen sie als Frau und Jüdin inbegriffen.
1907 lehrt sie als Dozentin für Wirtschaftsgeschichte und Nationalökonomie an der SPD‑Parteischule in Berlin.
1913 organisiert sie Demonstrationen und ruft zu Kriegsdienst- und Befehlsverweigerung auf.
Als 1914 die SPD‑Reichstagsfraktion einstimmig für die Aufnahme der ersten Kriegskredite stimmt, führt das letztlich 1916 zur Gründung der reichsweiten „Spartakusgruppe“.
31.12. 1918/1.01.1919 Gründung der KPD durch Spartakisten und Gleichgesinnten.
Die „Antibolschewistische Liga“ rief zur Ermordung der Spartakisten auf, speziell R. L. und K. Liebknecht. Die „Wilmersdorfer Bürgerwehr“ (Berlin) ermordete sie brutal – öffentlich deklariert als Lynchmord einer anonymen Menge.
Juli 1857 in Wiederau (Sachsen) – 20. Juni 1933 in Archangelskoje (UdSSR)
Es ist ein persönlicher Gewinn, Straßennamen bewusst zu lesen und als Aufforderung zu verstehen, sich mit den NamengeberVielfaltinnen zu beschäftigen! Straßenschilder selbst erinnern unaufdringlich an Menschen und Ereignisse, die die Gemeinschaft in der Vergangenheit geprägt haben und auf deren Einfluss die Werte der heutigen Gemeinschaft beruhen. Z. B. Clara-Zetkin-Straße in Sonneberg.
Clara-Zetkin-Straßen in über 400 deutschen Städten
Clara Zetkin war Lehrerin, Exilantin, Parteigründerin. Sie war enge Freundin von Dr. Rosa Luxemburg – und ruft wie diese starke Emotionen hervor: von Bewunderung bis hin zu hasserfüllter Ablehnung.
Ihre Mutter war in der bürgerlichen Frauenbewegung aktiv. Clara kannte dadurch die führenden Frauen dieser Bewegung wie z.B. Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt, Gründerinnen des „Allgemeinen Deutschen Frauenverein“ (ADF).
1878 machte Clara in Leipzig am „Steyberschen Lehrerinnenseminar“ ihren Abschluss als Fachlehrerin für moderne Sprachen. Leiterin dieses Seminars: Auguste Schmidt.
Trotz dieser starken Prägung distanzierte sie sich radikal davon und trat 1878 in die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD)* ein. Leipzig war zur Zeit von Claras Ausbildung eines der wichtigsten Zentren der Frauen- und der Arbeiterbewegung. So hörte Clara im Arbeiterbildungsvereinu.a. Vorträge von August Bebel und Wilhelm Liebknecht (SDAP). Dort lernte sie auch ihren späteren Lebenspartner, den Ukrainer Ossip Zetkin kennen.
Ihre politische Haltung und ihre Beziehung zu Ossip führte zum Bruch mit ihren Eltern, mit Auguste Schmidt und deren Mitstreiterinnen.
Zwischenbemerkung: Schade, zu diesem spannenden Forschungsbereich gibt es öffentlich zugänglich so gut wie nichts: Welche Eigenschaften haben Mutter und Tochter gemeinsam ? Was genau trennt sie? – unabhängig aller unterschiedlichen politischen Meinung? oder allgemein: Die Spannung zwischen bürgerlicher Frauenbewegung (Mutter) und proletarischer Frauenbewegung (Tochter) in der persönlichen Auseinandersetzung.. Offensichtlich hat bisher nur PD Dr. Astrid Franzke dieses Thema aufgegriffen mit einer Arbeit über die Mutter Josephine. (Link dazu siehe unten) Leider sprengt eine Forschung zu diesen spannenden Themen meinen Rahmen.
*Als sich 1890 die SAPD in SPD umbenannte, war sie im Exil in Paris und kein Mitglied der Partei.
Ihr Weg zur einflussreichen Frauenpolitikerin
Im Oktober 1878 trat das Bismarcks Sozialistengesetz in Kraft mit dem Verbot aller sozialdemokratischen Aktivitäten. Clara konnte deshalb nur noch als Hauslehrerin arbeiten und zog nach Österreich und in die Schweiz. 1882 folgte sie Ossip Zetkin ins Pariser Exil. Sie nahm Zetkins Namen an, heiratete ihn aber nicht. Sie bekamen zwei Söhne. Um den Familienunterhalt zu sichern, arbeitete sie als Journalistin und Übersetzerin Ossip starb 1889 an Tbc, Krankheit der Armut – Clara überstand ihre eigene Krankheit.
1891 wurde das Bismarcksche Sozialistengesetz aufgehoben. Sie kehrte nach Deutschland zurück.
Der Aufstieg von Clara Zetkin zur einflussreichen Frauenpolitikerin Europas begann 1891 mit der Übernahme der Parteizeitung Die Gleichheit. Doch was wie ein geradliniger Weg wirkt, war in Wirklichkeit von Konflikten, Rückschlägen und persönlichen Angriffen geprägt.
Privat entschied sie sich, 1899 den 18 Jahre jüngeren Georg Friedrich Zundel zu heiraten, behielt aber ihren Namen „Zetkin“. 1928 wurde die Ehe geschieden.
Frauenbewegung
1910 brachte sie auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen den Antrag ein, einen jährlichen Internationalen Frauentag für das Frauenwahlrecht einzuführen – inspiriert auch von Vorbildern aus den USA. Die Konferenz stimmte zu. Damit entstand ein politisches Instrument, das bis heute wirkt und z.T. mit Zusatzprogrammen rund um den Tag ergänzt wird.
Schon 1911 wurde der Internationale Frauentag erstmals begangen – am 19. März in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz, mit klaren Forderungen nach dem Frauenwahlrecht
In der Sowjetunion wurde 1921 der 8. März festgelegt – in Erinnerung an den Streik der Petersburger Arbeiterinnen von 1917, einem Auslöser der Februarrevolution.
Erst 1975 – im „Internationalen Jahr der Frau“ – begingen die Vereinten Nationen den 8. März offiziell. 1977 folgte die formale Anerkennung durch eine UN-Resolution.
Leben in Deutschland und in der UdSSR
Eine ihrer besten Freundinnen ab 1899 war Dr. Rosa Luxemburg. Aus Ärger über die Bewilligung von Kriegskrediten (1914) schloss sich Clara Zetkin ihr und Karl Liebknecht an. Sie war dabei: 1916 bei der Gründung des Spartakusbunds, 1917 bei der Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und 31.12. 1918/1.01.1919 bei der Gründung der KPD.
Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 zwang Clara Zetkin, selbst in Gefahr, zum Untertauchen in Tübingen. In den folgenden Jahren pendelte sie zwischen Deutschland und der Sowjetunion.
In Moskau, wo sie immer mehr Schutz und auch ihre politische Heimat fand, knüpfte Clara Zetkin ab 1920 enge Kontakte zur sowjetischen Führung und freundete sich mit Wladimir Iljitsch Lenin sowie Nadeschda Krupskaja an. Sie unterstützte das sich immer stärker repressiv entwickelnde System grundsätzlich, sah einzelne Entwicklungen aber durchaus kritisch.
Am 30.08.1932 eröffnete sie 75-jährig als Alterspräsidentin den neugewählten Reichstag in Berlin und warnte vor dem drohenden Faschismus und kommenden Krieg. Nach dem Ausschluss der KPD aus dem Reichstag flüchtete Clara Zetkin in die UdSSR.
Clara Zetkin starb am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau – wenige Monate nach ihrer letzten großen Rede. Sie blieb bis zu ihrem Tod eine der prägenden Stimmen der sozialistischen Frauenbewegung.
In der Stadt Sonneberg erinnert die Käthe-Kollwitz-Straße an die international bekannte Künstlerin, die nach ihrem Tod – nur zwei Wochen vor Kriegsende des Zweiten Weltkriegs – politisch von unterschiedlichen Seiten vereinnahmt wurde und wird.
Der folgende Text soll Ihnen vor allem die Frau selbst, Käthe persönlich, näherbringen mit ein paar der wichtigsten sie prägenden Lebensstationen.
„Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind“, Käthe Kollwitz, Tagebücher (4.12.1922, TB 542/ Nachlass (überliefert)*.
zur Blog-Serie „Sonneberg“ – Start mit der Kochbuchautorin „Hedwig Kost„
Es ist ein persönlicher Gewinn, Straßennamen bewusst zu lesen und als Aufforderung zu verstehen, sich mit den Namengeber*innen zu beschäftigen! Straßenschilder selbst erinnern unaufdringlich an Menschen und Ereignisse, die die Gemeinschaft in der Vergangenheit geprägt haben und auf deren Einfluss die Werte der heutigen Gemeinschaft beruhen.
Käthe Kollwitz zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Kunst ist international bekannt. Aber dadurch verschwindet, aus meiner Sicht zu Unrecht, ihr persönliches Leben und die persönlichen Beweggründe für ihre Kunst aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit.
Ihr Leben ist geprägt von den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen und Brüchen des letzten Jahrhunderts – mit seinen insgesamt fünf verschiedenen politischen Systemen, mit zwei Weltkriegen und zwei konkurrierenden gesellschaftlichen Systemen.
Ihr eigenes Leben, ihre eigenen Meinungen und Einsichten, ihre Motive für künstlerische Entscheidungen spiegeln diese Vielfalt ebenfalls wider. Und so ist es kein Wunder, dass sie von Zeitgenossen wie Nachfolgegenerationen vor allem in politischer Hinsicht unterschiedlich eingeordnet, beurteilt und vereinnahmt wird – je nach Perspektive und politischem Standpunkt.
Biografisches
Sie wuchs in einer nichtakademischen, aktiven christlichen Familie auf. Ihr Vater, Jurist, Maurer/Bauunternehmer, und Laienprediger einer „Freien evangelischen Gemeinde“, förderte ihr zeichnerisches Talent.
Sie heiratete Dr. Karl Kollwitz, ebenfalls der Freien evangelischen Gemeinde nahe stehend. Er praktizierte als Berliner „Armenarzt“ im Prenzlauer Berg, engagierte sich als SPD-Stadtverordneter. Soziales Engagement war also selbstverständlicher Teil der Familie.
1892 wird ihr Sohn Hans geboren, 1896 Sohn Peter
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war sie überzeugte Patriotin. Als ihr 18-jähriger Sohn Peter sich freiwillig zum Kriegsdienst melden wollte, war es ausgerechnet Käthe, die den anfangs strikt ablehnenden Vater zur Einwilligung bewegte. Erst Peters Tod im Oktober 1914 in Flandern – kaum zwei Wochen nach seinem Einsatzbeginn – machte sie zur lebenslangen Pazifistin.
Hans benannte seinen ersten Sohn nach seinem Bruder. Dieser Enkel Peter starb 1942 im 2. Weltkrieg an der Ostfront. Für Käthe doppelt bitter: Enkel Peter war Anhänger der Nationalsozialisten und weigerte sich, „der Enkel von Käthe Kollwitz“ zu sein.
Künstlerisches
Käthe erhält eine künstlerische Ausbildung bei verschiedenen Künstlern und Institutionen in verschiedenen Städten. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Künstlern und Stilrichtungen. München wird in vieler Hinsicht prägend: sie setzt sich dort mit der „naturalistischen Freilichtmalerei“ auseinander. Max Liebermann wird zu ihrem Vorbild. Sie beginnt, sich intensiv mit dem Arbeiterleben in seinen charakteristischen Situationen zu beschäftigen. Sie beginnt, sich mit der Geschlechterproblematik auseinander zu setzen.
Kollwitz erstellt Radierungen, Lithografien, Holzschnitte, Zeichnungen und Plastiken. Sie bekommt künstlerische Anerkennung, auch international. Sie erlebt aber auch Ablehnung – wegen ihrer Themen: Trauer und Tod, Armut und Arbeit, Liebe und Mutterschaft, Protest und Widerstand – weil sie eine Frau ist. Bekanntestes Beispiel: der Kaiser verweigert ihr mit dieser Begründung den „Preußischen Staatspreis für Kunst“ im Jahr 1919.
Sie engagiert sich in Kunstverbänden. 1913 ist Käthe Kollwitz Mitbegründerin und bis 1923 erste Vorsitzende des Frauenkunstverbandes.
1919 wird sie als erste Frau ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und gleichzeitig zur Professorin ernannt.
Ihr allgemein bekanntestes Werk ist das Plakat „Nie wieder Krieg!“ (1924), das nach dem 2. Weltkrieg zu einem wichtigen Symbol der Friedensbewegung wurde.
1929 wird ihr als erster Frau am 29. Mai 1929 der Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste verliehen.
Seit 1960 erinnert der Käthe-Kollwitz-Preis der „Akademie der Künste, Berlin“ an Mitgliedschaft und Wirken von Käthe Kollwitz in der Institution sowie an ihren von den Nationalsozialisten erzwungenen Austritt 1933.
Politisches
1919 wird sie Mitglied im Hauptausschuss des Bundes Neues Vaterland (ab 1922 Deutsche Liga für Menschenrechte)
1927 reist sie, zusammen mit ihrem Mann, als Mitglied der Gesellschaft der Freunde des Neuen Russland zu den Feierlichkeiten des 10. Jahrestages der Oktober-Revolution in Moskau und zum Weltkongress der Freunde der Sowjetunion.
Käthe Kollwitz war nie Mitglied einer Partei, empfand sich aber als Sozialistin. 1932 initiierte sie gemeinsam mit Heinrich Mann und Albert Einstein einen Aufruf zur Zusammenarbeit von SPD und KPD – Mitunterzeichner neben Karl Kollwitz: u.a. Erich Kästner, Ernst Toller und Arnold Zweig.
Dazu unterschrieb sie 1933 den „Dringenden Appell zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront gegen den Nationalsozialismus“.
1937 werden im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ Arbeiten von K. Kollwitz aus mindestens elf deutschen Museen beschlagnahmt.
Erinnerung und politische Vereinnahmung nach ihrem Tod
In Westdeutschland geehrt als: Trösterin, aufopfernde Mutter, christlich-bürgerliches Idol . In der DDR geehrt als: Anti-Faschistin und Verfechterin des Proletariats.
Viele Straßen, Museen, Schulen … sind nach ihr benannt. Der Asteroid „Kollwitz (8827)“ trägt ihren Namen.
Was bleibt?
Was bleibt, wenn man die Lebensstationen dieser Frau anschaut? Eine Frau, die von Kindheit an für ihre Kunst brannte. „In mir war Zielrichtung.“ sagte sie 1941 in Rückschau. Eine Frau, die ihr Leben lang gegen frauenfeindlicheVorurteile und Diskriminierungen ankämpfte. Eine Mutter, die 1914 selbst dafür eintrat, dass ihr 18-jähriger Sohn Peter in den Krieg ziehen durfte – und ihn wenige Wochen später verlor. Eine Künstlerin, die 18 Jahre an einem einzigen Mahnmal arbeitete, um diesen Verlust in Stein zu hauen. Eine Großmutter, die erlebte, wie ihr 21-jähriger Enkel – nach dem toten Sohn benannt – als Nationalsozialist starb und sich weigerte, „ihr Enkel zu sein“. Und die das alles aushielt, ohne zu schweigen. Vielleicht erklärt das, warum uns ihre Kunst bis heute nicht gleichgültig läßt.
Häuslers beruflicher Werdegang und ihr Lebenswerk ist beeindruckend.
Sie lernte Haushaltsführung – studierte an der Kunstgewerbeschule Kassel (Textil) – wurde am Fröbel-Seminar Kassel Kindergärtnerin (Abschluss 1924) – hörte in Hamburg Vorlesungen in Kunstgeschichte– arbeitete nebenbei für ihren Lebensunterhalt.
Sie studierte an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in München (Buch- und Gebrauchsgraphik). Parallel arbeitete sie dreidimensional und stellte Krippenfiguren und Puppen her.
1927 beginnt sie in Sonneberg in der Puppenfabrik von M. Eichhorn.1928 wechselt sie zur Spielzeug-Fabrik von C. & O. Dressel. 1931 kommt die von ihr entworfene Puppe „Heinerle“ auf den Markt, eine Puppe aus Stoff mit weichem Füllmaterial – nicht zu verwechseln mit Käthe Kruses Puppe.
1932 macht sich H. Haeusler selbständig. Sie bekommt (unverheiratet) eine Tochter.
Ihre Puppenproduktion bleibt wirtschaftlich erfolglos. So verdient sie ihren Lebensunterhalt bis 1954 mit Gelegenheitsarbeiten, als Haushälterin und Kinderfrau in Oberbayern.
Ab 1954 unterrichtet sie in Sonneberg als Lehrerin für Spielzeugdesign an der dortigen Fachschule für angewandte Kunst. Eine ihrer Schülerinnen war die später erfolgreiche Spielzeug-Designerin Renate Müller. Diese beschreibt H. Haeusler als eine vom Bauhaus beeinflusste Künstlerin, die einfache Formgebung und Naturmaterialien bevorzugte. So waren ihre gestopften Rupfentiere für alle Plüsch-Überzeugte eine Provokation.
Mit 61 Jahren Ruhestand (1965) – nur um mit ehemaligen Schülerinnen neu als Selbständige durchzustarten, eine Werkstatt zur Produktion therapeutischen Spielzeugs in Jena („Jenaspiel“) aufzubauen. Die Bürokratie verhinderte aber ihren Plan! Eine Sonneberger Firma produzierte schließlich ihr Spielzeug – es wird ein Verkaufs- und Exportschlager!
Mit 73 Jahren (1977) gründete H. Haeusler in Sonneberg eine Förderwerkstatt, in der geistig behinderte Menschen Puppen nähten und anderes Spielzeug anfertigten. Ein Vorbild für weitere Förderwerkstätten.
1298/1300, geb. Jutta von Brandenburg † 1.02.1353, Coburg
Jutta, Gräfin von Henneberg-Schleusingen – Erbin der „Neuen Herrschaft“ („Neue Pflege“) Coburg-Schmalkalden
Sie heiratete 1314 ihren Vetter Heinrich VIII. von Henneberg-Schleusingen.
Von ihrer gleichnamigen Großmutter erbte sie die „Neue Herrschaft“ Coburg-Schmalkalden.
Nach dem Tod ihre Mannes 1347 teilte sie sich das gesamte Erbe mit ihrem Schwager Johann I. Sie regierte weiter als Eigentümerin der „Neuen Herrschaft“, mit welcher sie 1350 von Kaiser Karl IV. beliehen wurde.
Sie verlieh Sonneberg am 5.01.1349 das Stadtrecht.
1317 erwarb die „Grafschaft Henneberg“ die Burg Sonneberg der inzwischen ausgestorbenen Herren von Sonneberg. Gräfin Jutta verpfändete die Burg Sonneberg 1350 an ihren Schwiegersohn, den Burggrafen Albrecht den Schönen von Nürnberg. Als Teil der Pflege Coburg fiel die Burg Sonneberg 1353 an das Haus Wettin und wurde zum militärischen Stützpunkt. Heute ist die Burg eine Ruine.
Gräfin Jutta hatte keinen Sohn. Deshalb erbten ihre Töchter ihre Besitzungen. Dadurch wurde die „Neue Herrschaft“ aufgeteilt.
Töchter – Aufteilung des Erbes: 1. Elisabeth von Henneberg-Schleusingen, Erbin von Irmelshausen ∞ Graf Eberhard von Württemberg 2. Katharina von Henneberg, Erbin von Coburg ∞ Friedrich der Strenge von Meißen 3. Sophie von Henneberg, Erbin von Hildburghausen und Schmalkalden († 1372) ∞ Albrecht der Schöne († 1361), Burggraf von Nürnberg 4. Anna von Henneberg, Äbtissin im Kloster Sonnefeld. Sie führte das Zisterzienserinnenkloster Sonnefeld zu einer unverhofften Blüte.
Nicht weit entfernt von der „Grube Minna“ war die „Grube Sophie“. Beide Gruben sind heute Teil des „GeoPfad Steinkohle“ im GeoPark Schieferland“ (Föritztal)
Auf der Seite des GeoPfads steht: „Am 15. Februar 1840 wurde Christian von Weiß ein weiteres Grubenfeld durch den Sachsen-Meininger Hof verliehen. Er gab ihm den Namen seiner Frau ‚Sophie‘.“
Offensichtlich handelt es sich um den erfolgreichen Textilunternehmer (1779 – 1850) und seine Frau Sophia, geb. Polex, geb. 1790 in Langensalza.
1824 errichtete Christian v. W. die erste mechanische Spinnerei Schweinas (OT von Bad Liebenstein) und setzte ab 1827 eine Dampfmaschine ein, die erste der Stadt. Weiß wurde 1836 als Ritter des Ernestinischen Hausordens geadelt. Die Steinkohlen-Grube kaufte er im Jahr der Hochzeit ihres gemeinsamen Sohnes.
Damit erschöpft sich das öffentliche Wissen über Sophia von Weiß und den Kauf der Grube.
Augenscheinlich interessierte sich weder damals noch heute jemand für Sophia von Weiß: Was war Sophias familiärer Hintergrund? Welche Bildung hatte sie? Was waren ihre Interessen? Interessierte sie sich für die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen in den Spinnereien? Welchen Anteil hatte sie am unternehmerischen Erfolg ihres Mannes? …
Die „Minnastraße“ führt zur ehemaligen „Grube Minna“.
Wer erinnert sich in wikipedia-Zeiten noch an den Verlag „Bibliographische Institut“ (gegr. 1.08.1826 in Gotha), desse n bis in jüngster Zeit bekannteste Veröffentlichung „Meyers Lexikon“ war?
Joseph Meyer war zeitlebens ein „Unruhegeist“ mit vielen guten, (politisch und wirtschaftlich) fortschrittlichen Ideen und Aktivitäten. Wir würden ihn heute vielleicht als hochbegabt mit Hang zum Hochrisiko bezeichnen.
Durch sein Versagen bei Spekulationsgeschäften in London brachte er 1820 sich und seinen Arbeitgeber Herzog August von Sachsen-Gotha in finanzielle Schwierigkeiten. Der Herzog konfiszierte deshalb das Vermögen von Meyers Vater.
1820 begann Meyer mit dem Unterrichten von neuen Sprachen in Weilar/Thüringen. Er verliebte und verlobte sich mit HERMINE „MINNA“ GROBE (1804–1874). Meyer legte bis 1825 – wieder wegen fehlgeschlagener Spekulationsprojekten – eine erneute Pleite hin.
Im Mai 1825 heirateten die Beiden. Sie bekamen zwei Kinder.
1826 gründete er das „Bibliographische Institut“. Seine allgemeine Absicht: dem Volke eine universelle Bildung zu ermöglichen und damit der Demokratie und dem Kapitalismus gegenüber dem Feudalismus zum Sieg zu verhelfen. Gewarnt durch seine Pleiten, wird seine Frau MINNA MEYER Besitzerin des Verlags, er „nur“ Geschäftsführer. Der Verlag wird sehr erfolgreich, spielt offensichtlich auch für die 1848er Revolution eine Rolle, erlebt als erster Verlag einen Druckerstreik.
Es ist anzunehmen, dass Minna M. im Hintergrund zumindest strukturell entscheidend war. Aber die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen waren so, dass nur Joseph M. in der Öffentlichkeit präsent war, natürlich auch wegen seiner eigenen provokanten politischen Schriften. Deshalb gilt ER bis heute als genialer Verleger – IHR Anteil? muss noch entdeckt werden!
Ab 1837 stürzt er sich auf das Ziel, im Hinblick auf die deutsche Einheit das Eisenbahnwesen durchzusetzen. Für Bahnstrecken braucht es Eisenerze, Stahlwerke etc. Laut Gemeinde FÖRITZTAL kaufte Meyer 1843 ein Kohle-Grubenfeld und benannte es nach seiner Frau Hermine: „GRUBE MINNA“ (wurde 1908 geschlossen).
IHRE Meinung zu seinem wirtschaftlichen und folgenreichen politischen Engagement?
Es fasziniert mich immer wieder von Neuem, wie viele Informationen ich als Ortsfremde zu Geologie, Pflanzen, Tiere, geschichtlichen, politischen, sozialen und städtebaulichen Verhältnissen erhalte – allein durch das Beschäftigen mit den Benennungen von Orten, Straßen, Sehenswürdigkeiten … Wenig überraschend, wie viele Benennungen im Laufe der Zeit, trotz ständigen Gebrauchs, für die Benutzer*innen an inhaltlicher Bedeutung verlieren – und damit auch die Erinnerungen an die Namengeber …
Zusammengesetzte Ortsnamen mit „Hütte“ oder „Grub“ oder „Erzgebirge“, „Thüringisches Schiefergebirge“ u.a. zeigen im Oberfränkisch-Südthüringschen das Vorkommen einer Vielfalt an Bodenschätzen. Besonders bekannt und politisch, wirtschaftlich wichtig Uran, Schiefer, Eisenerz, Sand.
Franken ist „berüchtigt“ für seine politische Kleinstaaterei in früheren Jahrhunderten. Offensichtlich wurde hier Besitz meist an alle Söhne gleichmäßig verteilt und nicht auf einen Erben konzentriert. Einwohner kannten deshalb die „Herrschaften“ dieser Miniterritorien oft persönlich und hatten z.T. eine Beziehung zu einzelnen Mitgliedern des Hauses.
HENRIETTENTHAL ist ein ehemals selbstständiges Anwesen um eine ehemalige GLASHÜTTE in einem Seitental des Lauschatals (Hüttenprivileg vom 22.07.1720). Die Hütte wurde nach einer Prinzessin HENRIETTE des Hauses Sachsen-Saalfeld benannt. Warum? War es eine Formalie? War die Prinzessin besonders „volkstümlich“? Kümmerte sie sich um Hilfsbedürftige, um Bergarbeiterfamilien? War sie, wie wir heute sagen würden, eine Influencerin? – Wer war sie überhaupt? Ich fand keine Antworten.
Bergbau war und ist ein hartes und gefährliches Geschäft. Häufig bekamen deshalb Gruben, und Hütten Heiligennamen als Wunsch nach himmlischem Schutz. Es gibt heute auch Arbeiten mit Hintergründen dazu. Ich fand interessant, dass die meisten Bergwerksnamen aus der Zeit des 15. bis 19. Jahrhunderts stammen sollen. Im Landkreis Sonneberg wurden Gruben und Hütten aber auch nach realen Frauen benannt.
Ich möchte diese Gruben und Hütten neben ihrem wirtschaftlichen Nutzen auch als Denkmäler für diese Frauen betrachten. Als eine andere Art von „Denkmal“ als wir es heute allgemein definieren.