Wie ich ein Foto suchte und bei Königgrätz landete

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Also los: ein Artikel über Jakob Karlin und dazu Suche nach einem gemeinfreien FotoDer sogenannte Deutsche Krieg von 1866Almas Vater: Versuch der Rekonstruktion seiner militärischen LaufbahnDie nächste Tür mit dem unromantischen Namen ‚Qualifikationsliste‘Fazit der dreitägigen Suche: ein WörterbuchKameraden Die KI-Oma sucht weiterweiterführende Links

Ich wollte ein Bild. Ein gemeinfreies Foto von Jakob Karlin, Almas Vater, pensionierter Major, geboren 1829; gestorben 1898. Alma schreibt sinngemäß, dass sie und ihr Vater ein Herz und eine Seele waren. In allen Texten zu Alma findet sich aber nichts zu seiner Biografie als seine dürren Lebensdaten und dass er lungenkrank war.

Also los: ein Artikel über Jakob Karlin und dazu Suche nach einem gemeinfreien Foto

Nach drei Tagen Recherche kenne ich den Unterschied zwischen k.k. und k.u.k., weiß, was ein Militär-Schematismus ist, und habe mich tatsächlich gezielt mit einem Krieg beschäftigt, der für mich bisher nur eine Zeile wert war: dem preußisch-österreichischen Krieg 1866. Das gemeinfreie Foto habe ich immer noch nicht.

Angefangen hat alles ganz harmlos mit der simplen Feststellung, dass Almas Vater nicht erst mit 60 Jahren als Ruheständler mit der Geburt Almas sein Leben begann. Und mit dem allgemeinen Wissen, dass es digitalisierte Einzelfotos bzw. Gruppenfotos von militärischen Einheiten gibt.

Der sogenannte Deutsche Krieg von 1866

Es war der Krieg zwischen Österreich und Preußen um die politische Vorherrschaft im Deutschen Bund. Die Entscheidung fiel am 3. Juli 1866 bei Königgrätz in Böhmen
Preußen gewann. Österreich verlor.

k.k. steht für kaiserlich-königlich und bezeichnet die österreichische Reichshälfte.
k.u.k. steht für kaiserlich und königlich und bezeichnet die gemeinsamen Institutionen der österreichisch-ungarischen Monarchie nach dem Ausgleich von 1867.

Almas Vater: Versuch der Rekonstruktion seiner militärischen Laufbahn und die Suche nach seinen gleichrangigen Kameraden

Also Start mit ‚Militär-Schematismen‘, den jährlich erscheinenden amtlichen Verzeichnissen mit der Angabe von Regimentern und den dazugehörigen Angehörigen mit ihrem Dienstrang. Hervorragend digitalisiert, und dazu gedruckt und nicht handschriftlich. Plötzlich nicht mehr langweilig, wenn man die Nadel im Heuhaufen sucht.

Und fand nach langer Suche: „Karlin, Jacob, O. IR. 47.“ 1868 Oberleutnant, Infanterie-Regiment Nummer 47, Jahr 1868. ein Jahr später wird er als Hauptmann geführt. Aus Almas Vater war plötzlich eine militärische Person geworden, mit Dienstgrad und Verband.

Nicht nur KIs können nach einer klaren Antwort nicht aufhören! Auch Menschen nicht, wenn sie eine Fährte aufgenommen haben. Denn nun stellte ich folgende Frage: Was war das eigentlich, dieses „IR 47“?

Die Antwort führte mich, ohne Umwege, direkt nach „Königgrätz“. Das „47. Infanterie-Regiment“ war 1866 im Krieg zwischen Österreich und Preußen im Einsatz. Bei genau jener Schlacht, die entschied, dass Preußen fortan die führende Macht in Deutschland war und Österreich nicht.
Zwischen der Suche nach einem Foto und einer der folgenreichsten Schlachten Mitteleuropas liegen offenbar nur zwei, drei Klicks.

Tja, und war nun Jakob Karlin bei dieser Schlacht beteiligt, egal in welchem Rang?

Klare Antwort: das ist online nicht herauszufinden. Und warum nicht?

Ein Regiment bestand aus mehreren Bataillonen und Kompanien und war Teil einer größeren militärischen Gliederung. Zu welchem Bataillon oder zu welcher Kompanie Karlin gehörte, ist nicht aufgeführt. Auch nicht, welches dieser Einheiten an welchem Tag und an welcher Stelle gekämpft hat. Der Eintrag ist also kein Beleg, dass er 1866 persönlich dort mitgekämpft hat.

Bei einer weiteren allgemeinen Suche findet sich ein Denkmal für die gefallenen Offiziere der damaligen Schlacht, in der auch der Name eines Offiziers erscheint, der mehrere Jahre mit Karlin in einer „gemeinsamen Gruppe“ genannt wird.

Allerdings: Alma erwähnt viele Jahre später, 1944/45, in ihren Erinnerungen „Dann geh’ ich in den grünen Wald. Meine Reise zu den Partisanen“, sie habe zur Verteidigung gegen ihre drohende Verhaftung einen Säbel ergriffen, den ihr Vater Jakob Karlin angeblich 1866 in der Schlacht bei Königgrätz benutzt hatte.

Die nächste Tür mit dem unromantischen Namen ‚Qualifikationsliste‘

Sie ist so etwas wie die Langfassung eines Offizierslebens: Geburtsdaten, militärische Laufbahn, Feldzüge, Auszeichnungen, Gesundheitszustand und Beurteilung der militärischen Eignung. Unglücklicherweise fällt Karlins Zeit 1868/69 genau in den Übergang zu einem neuen System der militärischen Personalbeurteilung. Ab 1869 wurden die neuen Qualifikationslisten eingeführt; die eigentliche Anordnung zu ihrer Anlage erfolgte mit einer Circular-Verordnung vom 15. März 1870.

Fazit der dreitägigen Suche: ein Wörterbuch

In den online recherchierbaren Beständen – Schematismen, Conduitelisten, Qualifikationslisten und Pensionsunterlagen – ließ sich kein zusätzlicher personenbezogener Nachweis für Jakob Karlin finden. Damit bleibt für eine weitere Klärung nur eine gezielte Anfrage an das Österreichische Staatsarchiv/Kriegsarchiv.

Nebenbei eignete ich mir ein kleines Wörterbuch an, das ich ursprünglich nicht bestellt habe: Oberleutnant, Hauptmann, Bataillon, Kompanie, Regiment. Und den feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen k.k., der österreichischen Reichshälfte, und k.u.k., den gemeinsamen Institutionen der Doppelmonarchie nach dem Ausgleich von 1867.

Mein Pech: Jakob Karlin gehört genau in diese Übergangszeit: 1866 der Krieg, 1867 die Doppelmonarchie, 1868 Oberleutnant, 1869 Hauptmann.

Kameraden

Natürlich blieb es nicht bei einer Person. Wer ein Regiment gefunden hat, fragt sich zwangsläufig nach den Kollegen, nach Gruppenfotos, Offiziersporträts, Nachlässen, in denen Jakob vielleicht in der zweiten Reihe steht und so ernst blickt, wie Menschen im 19. Jahrhundert das eben taten. Die Namen lassen sich finden und verfolgen. Aber Fotos? Fehlanzeige.

Die KI-Oma sucht weiter

Meine Internetreise führte von einer Person zum Netzwerk, vom Netzwerk zum Regiment, vom Regiment zu einem Krieg. Und vom Krieg gab es einen Sprung fast 80 Jahre weiter in der europäischen Geschichte: zu Alma M. Karlin. Und aus mir wurde bei dieser Reise eine Art Amateur-Militärhistorikerin.

Almas Vater: Jakob Karlin

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Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.

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Quellen, Museen und Forschungsstand

Weiterführendes

🔍 Weiterführende Links und Quellen „Jakob Karlin – KI-Oma“

Militärische Quellen

Infanterie-Regiment Nr. 47

Kirchenbücher zu Jakob Karlin

Zum persönlichen Blick auf Jakob Karlin

Zum Forschungsweg:
Die Suche nach einem Foto führte von der Familiengeschichte über die Militär-Schematismen und die Entscheidungsschlacht von 1866 bis zu den Personalbeständen des Österreichischen Staatsarchivs. Das Foto selbst wurde nicht gefunden – Jakob Karlin wurde durch die Recherche dennoch als historische Person deutlich sichtbarer.

🔍 Weiterführende Links und Quellen „Artikel: Jakob Karlin“

Militärische Quellen

Infanterie-Regiment Nr. 47

Belege der Kirchenbücher zu Jakob Karlin

  • Geburtsbuch Jacobus Karlin, Pfarre Rogaška Slatina, 1813–1830, Blatt 206 — Matricula
  • Trauungsbuch Vilibalda Miheljak und Jakob Karlin, Pfarre Celje – Sv. Danijel, 1883–1897, Blatt 100 — Matricula
  • Sterbeindex Jakob Karlin, Pfarre Celje – Sv. Danijel, 1895–1899, Seite 235 — Matricula

Ergänzende Quellen zu Vilibalda

  • Trauungsbuch Helena und Martin Miheljak, Pfarre Prevalje, 1841–1859, Blatt 71 — Matricula
  • Taufbuch Vilibalda Miheljak, geb. Kovatsch, Pfarre Celje – Sv. Danijel, 1841–1849, Blatt 74 — Matricula

Alma Karlin und die Sichtbarkeit des Vaters

  • Sprache und Stil im Werk von Alma M. Karlin
    Hrsg. Horst Ehrhardt und Vida Jesenšek. Der frei zugängliche wissenschaftliche Sammelband enthält unter anderem die Analysen von Melanija Larisa Fabčič und Vida Jesenšek, über die die im Artikel verwendeten Passagen aus Karlins Autobiographie zugänglich sind.

Hinweis zur Quellenlage

Die online zugänglichen Quellen erlauben eine zunehmend genauere Rekonstruktion von Jakob Karlins Leben und militärischer Laufbahn. Für weiterführende personenbezogene Angaben – insbesondere zur Beförderung zum Major und zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst – wäre eine Recherche in den Beständen des Österreichischen Staatsarchivs bzw. Kriegsarchivs der nächste Schritt.

Denkmäler für Frauen