Lehrerin im Habsburgerreich I: Vilibalda Miheljak

Die Artikelreihe: Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

Taufname: Willibalde Otilie Helena
*27. Mai 1844, Cilli/Celje; † 26.09.1928, Celje

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Ein neuer Frauenberuf: Lehrerin in Cilli/CeljeAusbildung Lehrerinnen„Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen in Österreich“ALMA, Tochter Vilibaldas

Ein neuer Frauenberuf: Lehrerin in Cilli/Celje

Alma M. Karlins Mutter Vilibalda unterrichtete nachweislich rund 36 Jahre lang (1870 – 1906) an der ‚Deutschen Mädchenschule‘ in Cilli/Celje. Familiensprache der Familie Miheljak-Karlin war ebenfalls durchgängig Deutsch.

In einem Artikel der wissenschaftlichen Arbeit „Sprache und Stil im Werk von Alma M. Karlin“, hrsg. von Horst Ehrhardt und Vida Jesenšek, 2023, zitiert Vida Jesenšek aus Almas Buch „Ein Mensch wird“ das folgende Urteil über ihre Mutter „Als Lehrerin war sie unübertrefflich – nachsichtig, gütig, den richtigen Ton treffend und stets darauf achtend, daß sich die Kleinen nicht erkälteten, nicht übermüdeten, dass Arbeit und Spiel abwechselten.“
Es folgt die Aussage über sich: „Obwohl ich – wie alle anderen Menschen – auch einmal klein war, war ich im eigentlichsten und besten Sinne doch nie Kind, und darin mag der Grund liegen, dem unser Nichtverstehen entsprang.“ (Zitat nach Beleg 9)*

* Almas Originalmanuskript: → Karlin, Alma M. (1931), „Ein Mensch wird : Aus Kindheit und Jugend“ (pdf, deutsch, kostenlos). Die Auswertung steht noch aus.

Mit der Bezeichnung „Deutsche Mädchenschule“ war zunächst die Unterrichtssprache gemeint. Daraus lässt sich nicht zwangsläufig auf die nationale oder ethnische Zugehörigkeit der Schülerinnen oder Lehrkräfte schließen.

Was bedeutete „deutsche Schule“ ursprünglich? Die Bezeichnung „deutsche Schule“ ist deutlich älter als die Nationalbewegungen des 19. Jahrhunderts. Bereits im Mittelalter unterschied man zwischen den Lateinschulen, die auf Universität und geistliche Laufbahnen vorbereiteten, und den „deutschen Schulen“, in denen in der Volkssprache unterrichtet wurde. Der Begriff war ursprünglich somit eine Bezeichnung für die **Unterrichtssprache** und nicht für eine nationale oder ethnische Zugehörigkeit. Erst im 19. Jahrhundert erhielt die Sprache im Zuge der nationalen Bewegungen zunehmend auch eine politische Bedeutung. Für die „Deutsche Mädchenschule“ in Cilli/Celje bedeutet das: Die Bezeichnung verweist zunächst auf die deutsche Unterrichtssprache. Daraus lässt sich nicht automatisch auf die nationale oder ethnische Zugehörigkeit aller Schülerinnen oder Lehrkräfte schließen.

Schulen in Cilli waren meist deutschsprachig und damit für viele slowenischsprachige Kinder nur eingeschränkt erreichbar. Vilibaldas Tochter Alma Karlin hatte den Vorteil, dass in ihrer Familie durchgängig deutsch gesprochen wurde. Dass ihre Mutter dazu Almas gesundheitlich bedingte Fehlzeiten in der Schule kompensieren konnte, war Almas doppeltes Glück.
Anders als ihre Mutter spezialisierte sich Alma aber nicht auf die deutsche Sprache, sondern legte staatliche Lehramtsprüfungen für Französisch und Englisch ab.

Ausbildung Lehrerinnen

Für Vilibalda und die Frauen ihres Jahrgangs befand sich die Ausbildungssituation gerade im Übergang. Während nach den Reformen von 1869 Lehrerinnenbildungsanstalten zunehmend den Ausbildungsweg bestimmten, waren für die Generation Vilibaldas andere Wege über Vorbereitung und Lehrbefähigungsprüfungen nötig.

Vilibalda Miheljak: Jahrgang 1844, vor den großen Schulreformen, Ausbildung wahrscheinlich in den 1860er Jahren, Dienstbeginn 1870.

Online ist nicht feststellbar, welche Ausbildung Vilibalda durchlief, um Lehrerin zu werden. Dies scheint nur über Archivarbeit vor Ort eruierbar zu sein. Auch eine zweite spannende Frage ist online nicht klärbar: war Vilibalda die erste slowenische Volksschullehrerin Cillis?

Deshalb allgemein gefragt: Wie wurden die Frauen ihrer Generation Lehrerinnen im Elementarschulbereich, bevor der Beruf durch staatliche Lehrerinnenbildungsanstalten geregelt wurde?
Elementarschulwesen und Lehrerbildung im Habsburgerreich: eine Einordnung
Lehrerinnenausbildung bei den Ursulinen im 19. Jahrhundert

Welche Art von Lehrerin war direkt nach der maria-theresianischen Schulreform 1774 möglich? Welche Ausbildung hatten sie?
Industrieschulen: Das vergessene Sozialprojekt für Mädchen

„Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen in Österreich“

Gründung 11.11.1870, Auflösung 1938

Für Lehrerinnen war der 1870 gegründete „Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen in Österreich“ wichtig. Er setzte sich für die Professionalisierung des Berufs, die Gleichstellung mit männlichen Kollegen, bessere Dienstrechte und die Abschaffung des Lehrerinnenzölibats ein.

Ein eigenständiger steirischer Lehrerinnenverband konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Aber die reichsweiten Forderungen und Diskussionen wurden reichsweite aufgegriffen.

Das sogenannte. „Lehrerinnenzölibat“ wurde je nach Kronland unterschiedlich früh als Praxis oder Recht verfestigt. Es bedeutete in vielen Regionen, dass Lehrerinnen nach einer Eheschließung ihre Stelle verloren oder nicht weiter ausüben durften. Als formelles Verbot setzte es sich vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert durch.

In der Steiermark galt für Lehrerinnen von 1874 bis 1899 Ehefreiheit. 1899 wurde das Eheverbot wieder eingeführt und bestand bis zum Ende der Monarchie 1918. Erst mit den Reformen nach dem Ersten Weltkrieg 1919 wurde diese Klausel wieder abgeschafft.

Vilibalda heiratete 1878, also in einer Phase der steirischen Ehefreiheit für Lehrerinnen. Sie blieb bis 1906 Lehrerin in Cilli.

ALMA, Tochter Vilibaldas

Eine andere Form der Lehrbefähigung zeigt rund 50 Jahre später Alma Karlin: Sie legte in Görz staatliche Prüfungen aus den lebenden Sprachen ab und erwarb damit die Befähigung zum selbständigen Unterricht in Französisch und Englisch.

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Lehrerin im Habsburgerreich II: Alma M. Karlin

Zwischen Sprache und Nation: Identitäten in der Habsburgermonarchie
Die Entwicklung der elementaren Schulbildung in Cilli/Celje 1777 bis 1918
Cillier Schulstreit 1895

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Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Alma Maximiliane Karlin: Kurzbiografie der Reiseschriftstellerin, Weltreisende und Grenzgängerin; Sichtbarkeit im Stadtraum

Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.

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🔍 Weiterführende Links und Originalquellen „Lehrerin im Habsburgerreich I“

Die folgenden Quellen dokumentieren die Entwicklung des Schulwesens, der Lehrerinnenbildung und des Lehrerinnenberufs im Habsburgerreich mit besonderem Blick auf die Steiermark und Cilli/Celje.

Vilibalda Miheljak als Lehrerin in Cilli/Celje
    „`
  • Janko Orožen (1974): Zgodovina Celja in okolice, Teil 2 (1849–1941) Digital Library of Slovenia (dLib)
    Dokumentiert Vilibalda Miheljak, später Karlin, als Lehrerin an der Mädchenschule in Celje von 1870 bis 1906. Orožen führt sie außerdem in einer Aufzählung von Lehrkräften an, deren Herkunft er zur Darstellung der nichtdeutschen Zusammensetzung des Celjer Schulpersonals heranzieht.
  • „`
Sekundärliteratur
    „`
  • GeschichteWiki Wien – Lehrerbildung
    Überblick zur Entwicklung der Lehrerbildung in Österreich.
  • Anton Adalbert Klein (1969): Das niedere Schulwesen der Steiermark von den ersten Anfängen bis zur Schulgesetzgebung 1962 Historischer Verein für Steiermark (Digitalisat)
    Grundlegende Darstellung zur Entwicklung des Schulwesens und der Lehrerbildung in der Steiermark.
  • Horst Ehrhardt; Vida Jesenšek (Hrsg.) (2023): Sprache und Stil im Werk von Alma M. Karlin OAPEN Library (Open Access)
    Enthält Beiträge zu Alma M. Karlin, ihrer Bildungsbiografie sowie zum historischen Bildungsumfeld ihrer Familie.
  • Mineke van Essen / Rebecca Rogers: Zur Geschichte der Lehrerinnen: Historiographische Herausforderungen und internationale Perspektiven peDOCS
    Überblick über die Entwicklung des Lehrerinnenberufs im internationalen Vergleich.
  • Caroline Sölls: Das Dienstrecht der Volksschullehrer in der Steiermark vom Reichsvolksschulgesetz 1869 bis zum Ende der Monarchie 1918 Universität Graz
    Zur rechtlichen Stellung von Lehrerinnen und Lehrern sowie zu den Folgen des Reichsvolksschulgesetzes. Besonders relevant für das Lehrerinnenzölibat: S. 60 – Ehefreiheit für Lehrerinnen in der Steiermark 1874–1899, anschließend erneutes Eheverbot bis 1918.
  • Austria-Forum – Reichsvolksschulgesetz 1869
  • „`
Originalquellen zum Schulwesen Lehrerinnen, Professionalisierung und Berufsrecht Weiterführende Recherche zu Vilibaldas Ausbildung

Hinweis: Die Frage, welche Ausbildung Vilibalda Miheljak persönlich durchlief, ist online bislang nicht abschließend geklärt. Die genannten Quellen zeigen die zeitgenössischen Ausbildungswege und rechtlichen Rahmenbedingungen, ersetzen aber keinen Nachweis ihrer individuellen Ausbildung.

Denkmäler für Frauen