Thea Schreiber-Gammelin

Die Artikelreihe: Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

Dorothea Hedwig Kaethe Karlotta Schreiber

geboren: 25. März 1906, Brunshaupten (heute: Ostseebad Kühlungsborn), Mecklenburg
gestorben: 26. Mai 1988, Pečovnik Celje, Slowenien

Seiteninhalt
Theas Weg nach Stockholm + LinksAdolf Körber und Nürnberg: eine weitere offene Spur + LinksTheas Lebensunterhalt nach Almas Tod + LinksDas Haus in Pečovnik Celje, Slowenien + LinksTheas Engagement für die Befreiungsbewegung + LinksTerezija Dobravc: eine bislang unsichtbare Person in Theas Leben + LinksBernarda Kumer und Helena Slapšak: Theas spätere Erbinnen + LinksTheas Konfession + LinksÜbertritt von der protestantischen in die römisch-katholische Kirche + Links Zdenka Serajnik – eine Verbindung, die erst im Nachlass sichtbar wird + Links Thea Schreiber-Gammelin: Erinnerung heute

Theas Weg nach Stockholm

Thea begann ihre künstlerische Ausbildung in Berlin.
Ihre erste Lehrerin war die Malerin Henriette (Henny) Deppermann.

Nach eigener späterer Angabe* studierte Thea von 1928 bis 1932 Malerei in Stockholm. Passstempel belegen ihre Reisen nach Schweden, darunter die erste Reise im späten Frühjahr 1928.
Nach der überlieferten Darstellung wurde sie von der schwedischen Baronin Dagmar Sparre nach Stockholm eingeladen, die sie zuvor während eines Aufenthalts in Brunshaupten kennengelernt hatte.
Wer Dagmar Sparre genau war, und wie ihre Verbindung zu Theas Familie zustande kam, bleibt offen.

Thea wohnte zunächst bei Dagmar Sparre. Sie bekam dadurch wahrscheinlich Zugang zum Künstlerkreis der Künstlerin, Bildhauerin und Komponistin Ellen Roosval von Hallwyl. Diese unterstützte Thea bei ihrem weiteren künstlerischen Weg. Die genaue Art der Beziehung zu Dagmar Sparre ist online nicht klärbar.
1932 besuchte Ellen Roosval Thea in Brunshaupten und hielt sich einige Zeit im Pfarrhaus der Familie Schreiber auf. Davon berichten die Pfarrchronik und überlieferte Fotografien (online nicht zugänglich).

* Theas eigene autobiografische Darstellung „Dvoje življenj – en cilj“ ist als Manuskript im Stadtarchiv bzw. in der Stadtbibliothek Celje überliefert. (online nicht verfügbar)

Auch, dass Almas Theas auch „aus dem Baltikum“ titulierte, ist bislang online genealogisch nicht klärbar.

📚 Literaturliste: Die Suche nach Theas Familie; und ihre digitalen Grenzen

Die Suche nach Thea Schreiber-Gammelins familiärer Herkunft führt über ihren Vater, den Pastor Heinrich Schreiber, nach Mecklenburg und weiter in das schwedische Adels- und Künstlerumfeld. Einige Zusammenhänge lassen sich digital nachvollziehen, andere bleiben vorerst offen. Besonders die genaue Identität der Baronin Dagmar Sparre und ihre verwandtschaftliche Verbindung zu Theas Familie konnten bislang nicht abschließend geklärt werden.

Biografische und wissenschaftliche Quellen

Quellen zu Heinrich Schreiber

Quellen zur schwedischen Adels- und Kunstwelt

Offene Fragen: Wer war die bei Thea genannte Baronin Dagmar Sparre? Wie genau war sie mit Theas Familie väterlicherseits verbunden? Und lässt sich Almas Bezeichnung Theas als „aus dem Baltikum“ genealogisch erklären? Die bisher zugänglichen digitalen Quellen beantworten diese Fragen nicht abschließend. Die Recherche kann bei neu zugänglichen Quellen jederzeit fortgesetzt werden.

Adolf Körber und Nürnberg: eine weitere offene Spur

Sie führt zu Alma und in die Kriegsjahre.
Davor Mlinarič dokumentiert, dass Thea Schreiber-Gammelin 1943 zwei Depeschen nach Nürnberg an „Adolf Körber“ schickte, nachdem NS-Leute in Pečovnik eingedrungen waren. Nürnberg war zu diesem Zeitpunkt für Alma und Thea ein Zufluchtsort: Die Forschung zu Almas autobiografischem Schreiben bestätigt, dass beide 1943 nach Nürnberg zu Freunden flohen. Thea kehrte später nach Celje zurück, während Alma sich weiter versteckte.

Im Alma-Karlin-Nachlass in der slowenischen Nationalbibliothek findet sich außerdem ein Brief von „Elisabet Körber“ aus dem Jahr 1934. Der Bestand Ms 1872 stammt aus Theas Besitz und enthält neben Almas autobiografischen Zeugnissen umfangreiche Korrespondenz. Ob diese Elisabet Körber mit Adolf Körber verwandt war, ist bislang nicht geklärt. Ebenso konnte in den digital zugänglichen Alma-Texten bisher keine eindeutige Passage gefunden werden, in der Alma Adolf Körber selbst erwähnt.

Damit bleibt eine spannende, aber noch offene Verbindung: Ob dahinter ein länger bestehendes persönliches Netzwerk stand, lässt sich aus den bisher digital zugänglichen Quellen nicht beantworten.

🔍 Weiterführende Links und Quellen: Körber-Spur

Davor Mlinarič:
„»Vzemi Almin žolč!« – Alma M. Karlin in njeni domovi v Celju skozi arhivsko gradivo“.
Eine zentrale Quelle für die archivalische Überlieferung zu Alma Karlin, darunter die Hinweise auf Adolf Körber, Theas Depeschen nach Nürnberg 1943 sowie die Plünderung von Pečovnik und die daran anschließenden Gerichts- und Verwaltungsakten.

→ Artikel als PDF

Alma-Karlin-Nachlass Ms 1872 – NUK:
Der in der Narodni in univerzitetni knjižnici erschlossene Nachlass stammt aus dem Besitz von Thea Schreiber-Gammelin. In der Bestandsbeschreibung findet sich unter anderem ein Brief von Elisabet Körber aus dem Jahr 1934.

→ NUK: Alma-Karlin-Nachlass Ms 1872

Alma Karlin – NUK / Provenienz:
Die Nachlassbeschreibung dokumentiert die Herkunft des Bestandes aus Thea Schreiber-Gamelins Besitz in Pečovnik.

→ NUK: Alma Karlin – Nachlass und Provenienz

Silvija Borovnik: „Avtobiografija, potopis, avtobiografska potopisna in fiktivna proza Alme Karlin“:
Die literaturwissenschaftliche Untersuchung behandelt Almas autobiografische Texte und insbesondere Moji zgubljeni topoli, Almas autobiografische Darstellung des Zweiten Weltkriegs. Der Aufsatz bietet damit einen wissenschaftlichen Kontext für die Überlieferung von Almas und Theas Fluchtgeschichte.

→ Slavia Centralis: Artikel von Silvija Borovnik
→ dLib.si: dauerhafter bibliografischer Nachweis und PDF

Weitere Hinweise zu Almas autobiografischen Kriegstexten:
Die Österreichische Nationalbibliothek dokumentiert die Überlieferung der autobiografischen Texte Im Schatten der Gestapo, Der Transport, Bei den Partisanen und Der Kampf mit dem Ortsgruppenführer Ewald Wrentschur.

→ Österreichische Nationalbibliothek / Ariadne

Forschungsstand zur Körber-Spur:
Die Verbindung zwischen Elisabet Körber, die 1934 in einem Brief im Alma-Karlin-Nachlass erscheint, und Adolf Körber in Nürnberg, der im Zusammenhang mit den Ereignissen von 1943 genannt wird, ist bislang nicht geklärt. Beide Personen werden daher bewusst nicht miteinander gleichgesetzt.

Theas Lebensunterhalt nach Almas Tod

Nach Almas Tod 1950 geriet Thea Schreiber-Gammelin in eine existenzielle Notlage. Sie war noch keine jugoslawische Staatsbürgerin, und sie hatte kein gesichertes Einkommen. Um zu überleben, leerte sie Nachttöpfe im Krankenhaus von Celje und putzte Kirchen. Erst 1953 erhielt sie eine Invalidenleistung, die man ihr, trotz fehlender jugoslawischer Staatsbürgerschaft, wegen ihrer Verwundung während ihrer Tätigkeit als Kurierin für die Befreiungsbewegung zugestand.

Das Haus in Pečovnik Celje, Slowenien

Thea hatte das Haus mit dem Erbe ihres Vaters bereits 1936 von Alma gekauft. Sie wurde jedoch nicht als Besitzerin ins Grundbuch eingetragen, weil ihr die jugoslawische Staatsbürgerschaft fehlte. Deshalb vermachte Alma ihr das Haus zusätzlich in ihrem Testament. Trotzdem erhielt Thea das Haus nach Almas Tod zunächst nicht.

Thea Schreiber-Gammelins Haus in Pečovnik, Celje. Heute Museum zur Erinnerung an Alma M. Karlin.

Hintergrund war ein von Alma über einen Immobilienmakler arrangierter Scheinverkauf an eine Angestellte des Maklers, bei dem kein Geld floss. Nach Almas Tod sollte das Haus an Thea ohne weitere Bedingungen übergeben werden. Der Makler und seine Angestellte hielten sich jedoch nicht an diese Vereinbarung. Es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit, den Thea schließlich gewann. Etwa zur selben Zeit erhielt sie auch die jugoslawische Staatsbürgerschaft.

🔍 Quelle: Theas Lebensunterhalt nach Almas Tod

Špela Kuralt:
„Dekle, ki je verjelo, da je sestrična angleške kraljice.html“, Delo, 9. März 2017.

→ Zum Artikel in Delo

Theas Engagement für die Befreiungsbewegung

Theas Unterstützung der jugoslawischen Befreiungsbewegung war konkret und aktiv. Gemeinsam mit Alma stand sie dem slowenischen Widerstand nahe. Thea übernahm dabei nach den vorliegenden Quellen insbesondere Aufgaben als Kurierin und Informantin. Kurz vor Kriegsende, am 8. Mai 1945, wurde Thea dabei von einem sich zurückziehenden Ustaša angegriffen und schwer verletzt. Die Verletzung hatte langfristige Folgen: Nach den von Davor Mlinarič ausgewerteten Verwaltungsakten wurde bei ihr eine 30-prozentige dauernde Erwerbsunfähigkeit festgestellt.

Auch Alma schloss sich 1944 den Partisanen an und verbrachte die letzten Kriegsmonate in deren Einflussbereich.

Bemerkenswert ist, dass dieses Engagement gegen die deutsche Besatzung in der späteren Erinnerung an Thea vergleichsweise wenig sichtbar ist.

🔍 Quellen: Theas Engagement für die Befreiungsbewegung

Davor Mlinarič:
„»Vzemi Almin žolč!« – Alma M. Karlin in njeni domovi v Celju skozi arhivsko gradivo“.

→ Artikel als PDF

Špela Kuralt:
„Dekle, ki je verjelo, da je sestrična angleške kraljice“, Delo, 2017.

→ Zum Artikel in Delo

Tonček Kregar:
„Alma M. Karlin in Thea Schreiber Gammelin – dve življenji, en cilj“. Kregar beschreibt darin unter anderem Theas Tätigkeit als Kurierin und Informantin für die Befreiungsbewegung sowie ihre Verwundung gegen Ende des Krieges. Als wichtige Grundlage verweist er auf Theas eigenen Erinnerungsbericht Dvoje življenj – en cilj (1973) und auf Matthias Burkhardt.

→ Artikel als PDF

Terezija Dobravc: eine bislang unsichtbare Person in Theas Leben

In Davor Mlinaričs Auswertung der Gerichts-, Verwaltungs- und Grundbuchakten tritt sie bereits während des Eigentumskonflikts um Pečovnik als Zeugin auf. Sie gehörte damit schon in den frühen 1950er Jahren zu Theas Umfeld.

Ende November 1961 übertrug Thea Schreiber-Gammelin an Terezija Dobravc mit einem Schenkungsvertrag ihr gesamtes Vermögen, insbesondere die Hofstelle Pečovnik 46. Thea behielt sich dabei den lebenslangen Nießbrauch sowie das Recht auf Bewirtschaftung des übertragenen Besitzes vor. Am 10. Februar 1962 wurde Terezija Dobravc als Eigentümerin eingetragen.

Die zeitliche Nähe ist auffällig: 1961 erfolgte die Schenkung, 1962 begann Thea ihr Theologiestudium in Ljubljana. Aber ob diese beiden Ereignisse tatsächlich ursächlich zusammengehören, ist online nicht feststellbar.

Im Januar 1970 wurde die Schenkung an Terezija Dobravc wieder aufgehoben. Anscheinend hatte sich die Beziehung der Beiden so verändert, dass die Schenkung für Beide keine Bedeutung mehr hatte. Was der Grund der Schenkung war, ist bislang ungeklärt: ob Beide zusammenwohnten, ob Terezija Thea versorgte oder ihr Theologiestudium finanzierte, oder …
Anschließend wurde Thea wieder als Eigentümerin eingetragen.

Bemerkenswert ist, dass Terezija Dobravc in der digitalen Dokumentation der Ausstellung „Se spomnite Thee?“ von 2016 nicht erscheint, auch nicht in den mündlichen Erinnerungen.
Damit entsteht ein auffälliger Gegensatz: In den juristischen Quellen wird sie sichtbar, in der öffentlichen Erinnerung an Thea bleibt sie unsichtbar.

🔍 Quellen zu Terezija Dobravc

Davor Mlinarič:
„»Vzemi Almin žolč!« – Alma M. Karlin in njeni domovi v Celju skozi arhivsko gradivo“, Zgodovina za vse, 2025.

Besonders relevant sind die Passagen zum Eigentum Pečovnik, zu den Gerichtsakten der frühen 1950er Jahre, zur Schenkung an Terezija Dobravc 1961 und zur Aufhebung dieser Schenkung 1970.

Špela Kuralt:
„Dekle, ki je verjelo, da je sestrična angleške kraljice“, Delo, 2017.

Relevant für Theas Lebenssituation nach Almas Tod, insbesondere ihre materielle Notlage, Reinigungsarbeiten, Invalidenleistung und ihren späteren Lebensweg.

Barbara Trnovec / Kamra:
Digitale Dokumentation der Ausstellung „Se spomnite Thee?“, 2016.

Relevant als Gegenquelle für die öffentliche Erinnerung an Thea: Terezija Dobravc wird in der digitalen Ausstellung nicht erwähnt.

Hinweis:
Die zentrale Belegquelle für Terezija Dobravc ist derzeit Mlinarič. Die weiteren Quellen dienen vor allem zur Einordnung von Theas Lebenssituation und der unterschiedlichen Sichtbarkeit ihrer Nachkriegsgeschichte.

Bernarda Kumer und Helena Slapšak: Theas spätere Erbinnen

Im Juli 1969 schloss Thea mit Bernarda Kumer (18) und der damals 13-jährigen Helena Slapšak einen Übergabevertrag, in dem sie ihnen ihr Vermögen zu gleichen Teilen überließ. Die Eigentumsübertragung wurde im März 1970 ins Grundbuch eingetragen.Thea behielt dabei weiterhin das Recht auf Nutzung und Bewirtschaftung ihres Besitzes.

Die Vereinbarung regelte zugleich Theas Versorgung: Die beiden Mädchen/Frauen verpflichteten sich unter anderem, (mit Hilfe ihrer Mütter) Thea bei der Bewirtschaftung zu unterstützen, für sie zu kochen und die Hausarbeiten zu übernehmen sowie für ihre Versorgung bis zu ihrem Tod zu sorgen. Auch die Kosten ihrer Beerdigung wurden vertraglich geregelt.

🔍 Quelle: Bernarda Kumer und Helena Slapšak – Theas spätere Erbinnen

Davor Mlinarič:
„»Vzemi Almin žolč!« – Alma M. Karlin in njeni domovi v Celju skozi arhivsko gradivo“.

→ Artikel als PDF

Theas Konfession

Thea stammte aus einer evangelisch-lutherischen Pfarrfamilie in Mecklenburg-Schwerin. Ihr Taufbucheintrag von 1906 in den Kirchbüchern von Brunshaupten ist in einer slowenischen Dokumentation überliefert, das entsprechende Original ist online derzeit nicht einsehbar.

Übertritt von der protestantischen in die römisch-katholische Kirche

Nach einer von Thea überlieferten Darstellung wude sie am 5. April 1950 „unter Vorbehalt getauft“ und „nach eigener, reiflicher Überlegung, völlig frei und aus reinem Entschluss aus der evangelischen Kirche in die römisch-katholische Kirche aufgenommen“.
Eine überraschende und neue Forschungsfrage tut sich auf:
Warum wurde eine evangelisch-lutherische Pfarrerstochter 1950 in Slowenien bei ihrem Übertritt zur katholischen Kirche „unter Vorbehalt“ getauft, obwohl eine evangelische Taufe nicht grundsätzlich als ungültig galt.
Eine mögliche Erklärung wäre, dass Thea 1950 keinen ausreichenden Nachweis ihrer Taufe vorlegen konnte. Ob dies tatsächlich der Grund für die bedingte Taufe war, ließ sich in den bislang zugänglichen Quellen jedoch nicht nachweisen.

🔍 Weiterführende Links und Literatur – Thea Schreiber-Gammelin: Herkunft, Glaube und Konversion

Online-Quellen

Theas eigene Erinnerungen

  • Thea Schreiber Gammelin: Zwei Leben – Ein Ziel. Unveröffentlichtes Typoskript, Celje, 1972/1973. Nachweis im bibliografischen Verzeichnis von Sistory: Sistory – bibliografischer Nachweis .
  • Thea Schreiber Gamelin: Dvoje življenj – en cilj. Celjska Mohorjeva družba, Celje 2016. Übersetzung aus dem Deutschen von Zdenka Serajnik, ISBN 978-961-278-301-3. Bibliografische Angaben bei Bukla .

Weiterführende Forschungsliteratur

  • Matthias Burkhardt: Malerin – Partisanin – Mystikerin: Eine persönliche Annäherung an die Biographie der Mecklenburgischen Pastorentochter Thea Schreiber-Gammelin (1906–1988). Rostock: BS-Verlag, 2010. ISBN 978-3-86785-106-0.
  • Davor Mlinarič: „»Vzemi Almin žolč!« – Alma M. Karlin in njeni domovi v Celju skozi arhivsko gradivo“. Zgodovina za vse, 2025. Der Aufsatz ist insbesondere für Theas Verhältnis zu Alma und die Besitzgeschichte des Hauses in Pečovnik relevant. Online-Ausgabe .
  • Barbara Trnovec: Kolumbova hči: življenje in delo Alme M. Karlin. Celje, 2011 / Ljubljana–Celje, 2017. Relevant für den biografischen und erinnerungsgeschichtlichen Kontext von Alma und Thea.

Hinweis zur Quellenlage: Die Angabe zur Aufnahme Theas in die römisch-katholische Kirche am 5. April 1950 und die Formulierung „pogojno krščena“ („unter Vorbehalt getauft“) finden sich in der KAMRA-Darstellung „Der Herr ist mein Licht …“ von Barbara Trnovec. Die KAMRA-Seite gehört zur digitalen Sammlung des Pokrajinski muzej Celje. Sie ist daher für diesen konkreten Nachweis die wichtigste Online-Quelle.

Zdenka Serajnik – eine Verbindung, die erst im Nachlass sichtbar wird

Eine wichtige Spur zu Theas Leben nach Almas Tod führt zu Zdenka Serajnik (1911–2003). Serajnik war Lehrerin, Übersetzerin und Schriftstellerin und zugleich eine überzeugte Katholikin und Mitglied des Franziskanischen Säkularordens. Sie lebte und arbeitete in Slovenske Konjic, eine Stadt im Nordosten Sloweniens, und blieb auch unter den gesellschaftlichen Bedingungen des sozialistischen Jugoslawiens ihrem religiösen Leben verbunden.

Thea Schreiber-Gamelin und Zdenka Serajnik kannten sich persönlich. Nach den vorliegenden Quellen erzählte Thea Serajnik von Alma Karlin, ihrem Leben, ihren Reisen und ihrem literarischen Werk. Sie ermöglichte ihr dadurch auch den Zugang zu Texten aus Almas noch unveröffentlichtem Nachlass. Serajnik begann daraufhin, Texte Almas aus dem Deutschen zu übersetzen.

Thea und Serajnik gehörten beide dem „Dritten Orden des heiligen Franziskus“ an. Der Franziskanische Säkularorden ist eine Gemeinschaft von Menschen, die außerhalb eines Klosters leben, aber ihren Alltag nach den Idealen des heiligen Franziskus gestalten: bescheiden, naturverbunden, mit religiösen Ritualen und im Dienst am Mitmenschen

Ob Serajnik für Theas eigene religiöse Entwicklung eine besondere Rolle spielte, lässt sich nach dem derzeitigen Quellenstand allerdings nicht feststellen. Auch nicht, wann und unter welchen Umständen die beiden Frauen einander kennenlernten.

Besonders aufschlussreich ist der Weg ihrer Nachlässe. Thea bewahrte über Jahrzehnte einen umfangreichen Teil von Almas literarischem Nachlass in Pečovnik auf. Serajnik wiederum hinterließ selbst einen umfangreichen schriftlichen Nachlass. Darin wurde das Original ihrer Übersetzung von Theas autobiografischer Erzählung „Dvoje življenj – en cilj“ („Zwei Leben – ein Ziel“) gefunden. Das Buch wurde erst nach Serajniks Tod veröffentlicht.

Und so machen erst die Nachlässe beider Frauen eine Verbindung sichtbar, die zu Lebzeiten kaum öffentlich wahrgenommen wurde: Thea erzählte Serajnik von Alma, Serajnik übersetzte Teile von Almas Werken und Theas eigene Lebensgeschichte.

Für die weitere Erforschung von Theas (religiösem) Leben ist Serajnik deshalb eine besonders wichtige Spur. Ihr Nachlass könnte möglicherweise noch Briefe, persönliche Notizen oder andere Zeugnisse der Beziehung zu Thea enthalten. Aber diese Quellen müssen noch gefunden und ausgewertet werden.
Der schriftliche Nachlass umfasst zwölf Bände und befindet sich im Eigentum der Gemeinde Slovenske Konjice; derzeit wird er in Prihova verwahrt. Die wissenschaftliche Erschließung erfolgte insbesondere durch Slavko Krajnc.

🔍 Weiterführende Links und Quellen „Zdenka Serajnik und Thea Schreiber-Gamelin“

Digitale Quellen

Print / Bücher

  • Thea Schreiber-Gamelin: Dvoje življenj – en cilj („Zwei Leben – ein Ziel“)
    Autobiografisch-literarisches Werk, begonnen 1969. Für die Recherche zu Theas Leben nach Alma besonders interessant, da der spätere Teil als wesentlich näher an ihrer tatsächlichen Lebensgeschichte gilt. Die slowenische Übersetzung stammt von Zdenka Serajnik.
  • „`
  • Mateja Pevec Rozman: Beitrag über Zdenka Serajnik
    Erschienen in Edinost in dialog, 77 (2022). Wissenschaftliche Sekundärquelle zur Person Serajniks, ihrer religiösen Tätigkeit, ihrer Übersetzungsarbeit und ihrer Verbindung zu Thea und Alma.
  • „`

Für die weitere Recherche besonders wichtige offene Quellen

  • Nachlass von Zdenka Serajnik: insbesondere Briefe, persönliche Aufzeichnungen und mögliche Dokumente über Thea Schreiber-Gamelin.
  • Provenienz und Katalog des von Thea in Pečovnik verwahrten Alma-Nachlasses in der NUK.
  • Franziskanischer Säkularorden (OFS): mögliche Unterlagen zur Mitgliedschaft und zum religiösen Umfeld von Thea und Serajnik.

Hinweis: Die Quellen zu Serajnik sind für diesen Artikel nicht nur wegen ihrer Verbindung zu Alma Karlin relevant. Sie ermöglichen erstmals einen Blick auf Theas eigenes religiöses und geistiges Umfeld nach 1950.

Thea Schreiber-Gammelin: Erinnerung heute

Buch von M. Burkhardt: „Malerin – Partisanin – Mystikerin“, 2010

2016 widmete das Regionalmuseum Celje Thea Schreiber-Gammelin erstmals eine große Einzelausstellung: „Se spomnite Thee?“ („Do You Remember Thea?“), kuratiert von Barbara Trnovec.
Die Ausstellung stellte Theas Leben und künstlerisches Werk mit knapp fünfzig Originalwerken, Dokumenten und Fotografien aus dem Museumsbestand vor. Im Zusammenhang mit der Ausstellung entstand auch ein Dokumentarfilm, in dem zwölf Zeitzeugen über Thea und Alma berichteten: Erinnern Sie sich an Alma und Thea? („Se spomnite Alme in Thee?“

Silva Pozar (geb.1929), Verwandte* von Alma M. Karlin, die auch Thea Schreiber-Gammelin kannte, erzählt (Originalsprache slowenisch, Untertitel englisch, meine Übersetzung deutsch):
Alma Karlin ist sozusagen meine Großtante. Sie ist die Cousine meiner Großmutter Kamila Mohoric, geb. Baš. Ihre Mutter Ida und Alma Karlins Mutter waren Schwestern. („Alama Karlin is my great-aunt, on coul,d say, She ist he cousin of my grandmother Kamila Mohoric, née Bas. Her mother Ida and Alma Karlin’s mother were sisters.“)
* Generationenlinie: Ida Miheljak-Baš; Tochter Idas: Kamila Baš-Mohoric; Tochter Kamilas: Vera Ivana Ida KumeljMohorič; Tocter Veras: Silva Kumelj-Pozar

🔍 Weiterführende Links und Quellen „Thea Schreiber-Gammelin“

Thea Schreiber-Gammelin heute

Museums.EU – „Se spomnite Thee?“
„` → TAK Kolektiv – „Do You Remember Thea?“ – Dokumentation der Ausstellung
YouTube – „Se spomnite Alme in Thee?“ / „Kennen Sie Alma und Thea?“
KAMRA – Thea Schreiber Gammelin: slikarka, pastorjeva hči, dušna sestra Alme M. Karlin
KAMRA – „Der Herr ist mein Licht …“
Südstädterin – Thea Schreiber-Gammelin: Malerin, Mystikerin, Partisanin
Delo – Špela Kuralt: „Dekle, ki je verjelo, da je sestrična angleške kraljice“ (2017)
Delo – Brane Piano: „Almina sestra po duši“ (2016) „`

Literatur

Matthias Burkhardt: Malerin – Partisanin – Mystikerin. Eine persönliche Annäherung an die Biographie der Mecklenburgischen Pastorentochter Thea Schreiber-Gammelin (1906–1988). Rostock: BS-Verlag-Rostock, 2010. ISBN 978-3-86785-106-0.

Buchnachweis – Matthias Burkhardt

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Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Alma Maximiliane Karlin: Kurzbiografie der Reiseschriftstellerin, Weltreisende und Grenzgängerin; Sichtbarkeit im Stadtraum

Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.

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