Geografische Heimat
Die Künstlerin Elisabeth Bala verbindet in ihrem Artikel „Im Haus des Vaters und der Mutter“ 1 „Heimat“ mit zwei Fixpunkten ihres Geburtslands Österreich: den Berg Traunstein im Salzkammergut, der sich im Traunsee spiegelt, und einem Grab, das vollständig von Efeu überwachsen ist. Ihren Lebensweg vergleicht sie nicht, wie so oft üblich, mit einem linearen Weitergehen, sondern mit Bahnen, die um diese Fixpunkte kreisen, ohne diese notwendigerweise zu berühren.

„Heimat“, verallgemeinert sie, ist ein Ort oder Zustand, gerne „als Himmel oder Paradies“ idealisiert. Aber in Realität schließt diese „Himmel und Hölle“, „Paradies und Alptraum“ mit ein. Dazu ist sie nur Teil eines größeren Ganzen.


Sie findet vor Jahren eine Entsprechung ihrer Gedanken in einem Text des befreundeten Schriftstellers Fritz Gruber, der sie zu einem Aquarel-Zyklus inspiriert, der sie bis heute begleitet: „Im Haus des Vaters und der Mutter, da wenn wirklich Heimat wäre, das gäb ein Abschiednehmen, ein leises, leises bei der Nacht […] wenn wir schlafen gehn keine Reue den Traum trübt und wir das Fremde erst erfahren mit den Kräften des Erwachens.“
Künstlerische Heimaten2
Elisabeth Bala ist in Wien geboren. Ihre künstlerische Ausbildung begann ebenfalls in Wien, wo sie Grafik-Design studierte. In Nürnberg folgte ein zusätzliches Studium der Malerei.

Die beiden Regionen – Nürnberg in Deutschland und die Steiermark in Österreich – wurden als Erwachsene zu ihren zentralen geografischen Bezugspunkten, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen:
Österreich: ihr Rückzugsort, ein Ort der Reflexion, des künstlerischen Arbeitens und der Wiederbegegnung mit früheren Bildern. In der Steiermark liegt ihr Atelier.
Deutschland: steht für Öffentlichkeit und Netzwerken. In der Region Nürnberg ist sie seit Jahrzehnten in vielfältige kulturelle Zusammenhänge eingebunden – die durchaus überregionales und länderübergreifendes Engagement erfordern können.3
Künstlerisches Engagement4
Neben ihrem Beruf, eigenen Werken und Ausstellungen engagiert sich Elisabeth Bala seit über 35 Jahren im interkulturellen Verein „Frauen in der Einen Welt – Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung und internationalen Austausch e.V.“. Ihre künstlerische Expertise und Arbeit ist eine entscheidende Säule für die Publikationen und Ausstellungen des Vereins – in den letzten 20 Jahren insbesondere im „Museum Frauenkultur regional – international“ (kurz: „Frauenmuseum Fürth“).

In einem Interviewzyklus 20205 beschreibt sie die Zusammenarbeit im Verein als wichtige Ergänzung zum oft einsamen Prozess künstlerischen Arbeitens. Die gemeinsame Projektarbeit, das Zusammenwirken verschiedener Perspektiven und Talente sieht sie als wertvolle Ressource, die ihre eigene Praxis bereichert.

Auch die inhaltliche Ausrichtung des Museums auf Frauen und Frauenkultur bejaht sie als konsequent und notwendig.

Schon in den 1980er-Jahren war Elisabeth Bala an Ausstellungen beteiligt, die sich gezielt mit weiblicher Kunst auseinandersetzten – als Reaktion auf die bis dahin männlich dominierte Kunstwelt. Parallel dazu wuchs in Museen und kulturellen Einrichtungen das Bewusstsein für die strukturelle Unsichtbarkeit von Frauen in Geschichte, Wissenschaft und Kultur.
So ist es nicht verwunderlich, dass E. Bala 1989 in Nürnberg zu den multikulturellen Gründerinnen des Vereins „Frauen in der Einen Welt“ (FidEW) gehörte – ein Verein mit seinem vom Start an interkulturellen und frauenpolitischen Schwerpunkt.

Ihre fortlaufende Auseinandersetzung mit weiblicher Identität und der Entwicklung ihrer Kunst macht sie im Interview auch fest an ihrer Fotomontagen-Serie „Ich Du Es – selbdritt“ („selbtritt“ = „zu Dritt“) 6.
E. Bala begann damit 2004 und entwickelte sie über Jahre weiter. 2019 zeigte sie den Zyklus in der Museumsausstellung „Rück Blick Nach Vorne 1989 2019 2030“7.
Der ursprüngliche Arbeitstitel lautete „Was ist individuell und was ist kollektiv?“, heute trägt der Zyklus den Titel: „Das Selbst finden – im Hier und in der Ferne“.
Eines ihrer Werke „Meine Beine lernen – Gehen“ verdichtet aus meiner Sicht ihren künstlerischen wie biografischen Weg. Das Werk besteht aus zwei Bildern und war 2018 Teil der Museumsausstellung „Wie weiblich ist die Stadt? Fürth und die Partnerstädte“.8
Ich bedanke mich herzlich bei Elisabeth Bala, dass ich dieses Werk in meinem Artikel veröffentlichen darf!

Ihrem Fazit am Ende ihres Artikels9 zum Thema „Heimat“ kann ich nur zustimmen – und nicht nur in deren Lebenskontext:
„Es leben die Lebendigen. Die Toten sollen vorerst bleiben, wo sie sind.“
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Sie möchten mehr über Elisabeth Bala und ihre Werke erfahren?
Besuchen Sie doch ihre neue Ausstellung „GESONDERTE MOMENTE – CAFÉ DIALOGE“, in der sie mit ihren Werken in Dialog tritt mit mehreren Künstlerinnen, schwerpunktmäßig mit der Künstlerin und Fotografin Cristina Kahlo (Großnichte von Frida Kahlo)!
Sie finden die Ausstellung in den neuen Räumen des Frauenmuseums in: 90762 Fürth, Hirschenstraße 16 (https://www.frauenindereinenwelt.de/)

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🔍 Hinweise auf die Quellen
1 FidEW-Zeitschrift 2003-2 „Heimaten“, S. 22, 23
2 blog „ Elisabeth Bala I – III“
3 Vieles davon dokumentiert auf den Ausstellungsseiten der Vereinswebseite
4 blog „ Elisabeth Bala I – III“
5 blog „ Elisabeth Bala I – III“
6 In der christlichen Ikonografie bedeutet „selbtritt“: Großmutter Anna, Mutter Maria und Jesus.
7 2019: „Rück Blick Nach Vorne 1989 2019 2030“ im Museum Frauenkultur Regional-International.
8 2018: „Wie weiblich ist die Stadt? – Fürth und die Partnerstädte“ im Museum Frauenkultur Regional-International.
9 FidEW-Zeitschrift 2003-2 „Heimaten“ S. 22, 23
(Web-Adressen siehe unter „weiterführende externe Links“)
🔍 weiterführende externe Links:
- FidEW-Zeitschrift 2003-2 »Heimaten«
Im Haus des Vaters und der Mutter von Elisabeth Bala
PDF online
Der Aufsatz von Seite 22/23 der Zeitschrift ist vollständig als PDF zugänglich. Für vertiefende Informationen zu Elisabeth Bala finden sich zudem Interviews und Blogbeiträge sowie Eindrücke aus den Ausstellungen von 2018 und 2019 online auf der FidEW-Vereinsseite
Blog „Portraits und Interviews“
- Interview I online unter: PorträtsInterviews/bala1
- Interview II online unter: PorträtsInterviews/bala2
- Interview III online unter: PorträtsInterviews/bala3
Ausstellungen
- Ausstellung 2019 online unter: Rückblick
- Ausstellung 2018 online unter: Weibliche Stadt
Blog „Rück Blick Nach Vorne“
- „Meine Beine lernen – Gehen“ online unter: blick/gehenlernen
Webseite von Elisabeth Bala
weitere Ausstellungen, z.B.
- Reihe „unsere Heiligen“ Kunstprojekt online unter unsere heiligen
🔍 blog Serie „Heimaten“
- HEIMATEN: Orte der Vielfalt – vielfältige Orte – wo Vielfalt zu Hause ist!?
- Ruth Weisss
- Nadia Murad
(blog 06/2025: Serie „Friedensnobelpreisträgerinnen“) - Amal Clooney
- Nadja Bennewitz
- Heimat im MA und früher Neuzeit
- Elisabeth Bala

Stand 01.2026

