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Elisabeth Bala

Geografische Heimat

Die Künstlerin Elisabeth Bala verbindet in ihrem Artikel „Im Haus des Vaters und der Mutter“ 1 „Heimat“ mit zwei Fixpunkten ihres Geburtslands Österreich: den Berg Traunstein im Salzkammergut, der sich im Traunsee spiegelt, und einem Grab, das vollständig von Efeu überwachsen ist. Ihren Lebensweg vergleicht sie nicht, wie so oft üblich, mit einem linearen Weitergehen, sondern mit Bahnen, die um diese Fixpunkte kreisen, ohne diese notwendigerweise zu berühren.

„Heimat“, verallgemeinert sie, ist ein Ort oder Zustand, gerne „als Himmel oder Paradies“ idealisiert. Aber in Realität schließt diese „Himmel und Hölle“, „Paradies und Alptraum“ mit ein. Dazu ist sie nur Teil eines größeren Ganzen.

Sie findet vor Jahren eine Entsprechung ihrer Gedanken in einem Text des befreundeten Schriftstellers Fritz Gruber, der sie zu einem Aquarel-Zyklus inspiriert, der sie bis heute begleitet: „Im Haus des Vaters und der Mutter, da wenn wirklich Heimat wäre, das gäb ein Abschiednehmen, ein leises, leises bei der Nacht […] wenn wir schlafen gehn keine Reue den Traum trübt und wir das Fremde erst erfahren mit den Kräften des Erwachens.“

Künstlerische Heimaten2

Elisabeth Bala ist in Wien geboren. Ihre künstlerische Ausbildung begann ebenfalls in Wien, wo sie Grafik-Design studierte. In Nürnberg folgte ein zusätzliches Studium der Malerei.

Die beiden Regionen – Nürnberg in Deutschland und die Steiermark in Österreich – wurden als Erwachsene zu ihren zentralen geografischen Bezugspunkten, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen:
Österreich: ihr Rückzugsort, ein Ort der Reflexion, des künstlerischen Arbeitens und der Wiederbegegnung mit früheren Bildern. In der Steiermark liegt ihr Atelier.
Deutschland: steht für Öffentlichkeit und Netzwerken. In der Region Nürnberg ist sie seit Jahrzehnten in vielfältige kulturelle Zusammenhänge eingebunden – die durchaus überregionales und länderübergreifendes Engagement erfordern können.3

Künstlerisches Engagement4

Neben ihrem Beruf, eigenen Werken und Ausstellungen engagiert sich Elisabeth Bala seit über 35 Jahren im interkulturellen Verein „Frauen in der Einen Welt – Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung und internationalen Austausch e.V.“. Ihre künstlerische Expertise und Arbeit ist eine entscheidende Säule für die Publikationen und Ausstellungen des Vereins – in den letzten 20 Jahren insbesondere im „Museum Frauenkultur regional – international“ (kurz: „Frauenmuseum Fürth“).

In einem Interviewzyklus 20205 beschreibt sie die Zusammenarbeit im Verein als wichtige Ergänzung zum oft einsamen Prozess künstlerischen Arbeitens. Die gemeinsame Projektarbeit, das Zusammenwirken verschiedener Perspektiven und Talente sieht sie als wertvolle Ressource, die ihre eigene Praxis bereichert.

Auch die inhaltliche Ausrichtung des Museums auf Frauen und Frauenkultur bejaht sie als konsequent und notwendig.

Schon in den 1980er-Jahren war Elisabeth Bala an Ausstellungen beteiligt, die sich gezielt mit weiblicher Kunst auseinandersetzten – als Reaktion auf die bis dahin männlich dominierte Kunstwelt. Parallel dazu wuchs in Museen und kulturellen Einrichtungen das Bewusstsein für die strukturelle Unsichtbarkeit von Frauen in Geschichte, Wissenschaft und Kultur.
So ist es nicht verwunderlich, dass E. Bala 1989 in Nürnberg zu den multikulturellen Gründerinnen des Vereins „Frauen in der Einen Welt“ (FidEW) gehörte – ein Verein mit seinem vom Start an interkulturellen und frauenpolitischen Schwerpunkt.

Ihre fortlaufende Auseinandersetzung mit weiblicher Identität und der Entwicklung ihrer Kunst macht sie im Interview auch fest an ihrer Fotomontagen-Serie „Ich Du Es – selbdritt“ („selbtritt“ = „zu Dritt“) 6.
E. Bala begann damit 2004 und entwickelte sie über Jahre weiter. 2019 zeigte sie den Zyklus in der Museumsausstellung „Rück Blick Nach Vorne 1989 2019 2030“7.
Der ursprüngliche Arbeitstitel lautete „Was ist individuell und was ist kollektiv?“, heute trägt der Zyklus den Titel: „Das Selbst finden – im Hier und in der Ferne“.

Eines ihrer Werke „Meine Beine lernen – Gehen“ verdichtet aus meiner Sicht ihren künstlerischen wie biografischen Weg. Das Werk besteht aus zwei Bildern und war 2018 Teil der Museumsausstellung „Wie weiblich ist die Stadt? Fürth und die Partnerstädte“.8
Ich bedanke mich herzlich bei Elisabeth Bala, dass ich dieses Werk in meinem Artikel veröffentlichen darf!

Ihrem Fazit am Ende ihres Artikels9 zum Thema „Heimat“ kann ich nur zustimmen – und nicht nur in deren Lebenskontext:
„Es leben die Lebendigen. Die Toten sollen vorerst bleiben, wo sie sind.“

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Sie möchten mehr über Elisabeth Bala und ihre Werke erfahren?
Besuchen Sie doch ihre neue Ausstellung „GESONDERTE MOMENTE – CAFÉ DIALOGE“, in der sie mit ihren Werken in Dialog tritt mit mehreren Künstlerinnen, schwerpunktmäßig mit der Künstlerin und Fotografin Cristina Kahlo (Großnichte von Frida Kahlo)!
Sie finden die Ausstellung in den neuen Räumen des Frauenmuseums in: 90762 Fürth, Hirschenstraße 16 (https://www.frauenindereinenwelt.de/)

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🔍 Hinweise auf die Quellen

1 FidEW-Zeitschrift 2003-2 „Heimaten“, S. 22, 23
2 blog „ Elisabeth Bala I – III“
3 Vieles davon dokumentiert auf den Ausstellungsseiten der Vereinswebseite
4 blog „ Elisabeth Bala I – III“
5 blog „ Elisabeth Bala I – III“
6 In der christlichen Ikonografie bedeutet „selbtritt“: Großmutter Anna, Mutter Maria und Jesus.
7 2019: „Rück Blick Nach Vorne 1989 2019 2030“ im Museum Frauenkultur Regional-International.
8 2018: „Wie weiblich ist die Stadt? – Fürth und die Partnerstädte“ im Museum Frauenkultur Regional-International.
9 FidEW-Zeitschrift 2003-2 „Heimaten“ S. 22, 23

(Web-Adressen siehe unter „weiterführende externe Links“)

🔍 weiterführende externe Links:

  • FidEW-Zeitschrift 2003-2 »Heimaten«
    Im Haus des Vaters und der Mutter von Elisabeth Bala
    PDF online
    Der Aufsatz von Seite 22/23 der Zeitschrift ist vollständig als PDF zugänglich. Für vertiefende Informationen zu Elisabeth Bala finden sich zudem Interviews und Blogbeiträge sowie Eindrücke aus den Ausstellungen von 2018 und 2019 online auf der FidEW-Vereinsseite

Blog „Portraits und Interviews“

Ausstellungen

Blog „Rück Blick Nach Vorne“

Webseite von Elisabeth Bala

weitere Ausstellungen, z.B.

🔍 blog Serie „Heimaten“

Stand 01.2026

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Senta Josephtal

Israelische Politikerin – sie und ihr Mann spielten beim politischen und wirtschaftlichen Aufbau des Staates Israel eine wichtige Rolle. Zu ihrer Zeit war sie eine der bekanntesten und geachtesten deutschen Frauen in Israel.

Sie kam in Fürth als Tochter eines Fahrradmechanikers zur Welt. Sie besuchte das Mädchenlyzeum in Fürth. Anschließendbegann sie ein Studium der Rechtswissenschaften und Nationalökonomie an der Universität Erlangen. Dieses Studium musste sie jedoch 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als Jüdin abbrechen.

In Nürnberg war sie Mitglied im jüdischen Jugendbund. Dieser schloss sich 1933 der zionistischen Jugendbewegung an.

Ab 1934 arbeitete sie bei der Organisation Hechaluz, die sich auf die Vorbereitung und Organisation der Auswanderung jüdischer Jugendlicher nach Palästina spezialisierte. Eine auch für sie selbst sehr wichtige Vorbereitung für ihr Leben in Israel.

1938 wanderte sie mit ihrem Mann Giora nach Israel aus.
Dort gründeten mit anderen deutschen Juden den Kibbuz Gal’ed. Aus einer kargen, baumlosen Einöde entstand im Laufe der Zeit durch harte Arbeit eine blühende Gemeinschaft mit Feldern, Obstplantagen, Viehzucht und sogar einer kleinen Fabrik.
Bis heute ist Gal’ed ein Symbol für den Pioniergeist seiner Gründer und ein Ort, an dem die Werte der ersten Generation weiterleben.

Sie wurde Vorsitzende der Kibbuzbewegung.
Bei der Gewerkschaft erhielt sie eine Stelle zur Eingliederung der Neueinwanderer aus arabischen und afrikanischen Ländern.
Auch ihr Mann Giora machte politisch Karriere und wurde später Minister in Israel.

1955 und 1976 wurde sie jeweils Mitglied der Knesset, dem israelischen Parlament – und verließ sie beide Male immer vorzeitig. „Nur Reden halten, das war nichts für mich“, begründete sie ihre Entscheidung.

Sie wollte nie mehr nach Deutschland zurückkehren!
Aber 1956 ließ es sich nicht vermeiden.
Als Knessethmitglied reiste sie nach Frankfurt/Main. Dort sollte sie über Entschädigungszahlungen an Holocaust-Opfer verhandeln.
Sie sollte, laut eigener Aussage, „den Deutschen erklären, was ein Kibbuz ist“ – eine Aufgabe, die sich als unerwartet schwierig erwies. Ein Stuttgarter Gericht verweigerte zuerst die Zahlungen, mit der Begründung, im Kibbuz würde man wie im Kloster „auf alle Annehmlichkeiten der Welt verzichten“, wie sie noch nach Jahren empört berichtete.

Senta Josephthal setzte sich mit Nachdruck für die Rechte der Kibbuz-Bewohner ein – und hatte schließlich Erfolg: Die Entschädigungszahlungen wurden überwiesen.

Ihr Fazit über ihr Leben: „Ich hatte das Privileg, aus nichts meine Heimat aufzubauen“.

2004 erhielt sie den Ben-Gurion-Preis der israelischen Regierung
2019 ehrte sie Fürth mit einer Straßenbenennung

weiterführende links:

interne links:

Fürth – Straßen, Wege, Plätze u.ä

Stand: 10.2023

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Dr. Else Hölzl

zurück zu „Fürth – Straßen, Wege, Plätze u.ä.“

weiterführende Links:

  • fürthwiki (link)
  • Gaby Franger: Dr. Else Hölzl, in: Bedeutende Fürther Frauen – Fürth, 2009 – S. 8

interne links:

Stand: 09.2023

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Königin Luise

Text

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weiterführende Links:

  • Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (März 2018)
  • Luise von Mecklenburg-Strelitz (wikipedia)
  • Luise von Preußen und ihre Zeit (Hans Dieter Mueller)
  • Luise von Preußen (FemBio)
  • Königin Luise. 1. Teil: Die Jugend der Königin Luise
  • Deutschland 1927 Spielfilm (Teil1) (Teil2)
  • Königin Luise (Film 1957)
  • Luise (link)

interne links:

Text

  • Mythos „Königin Luise“
    – jung, wunderschön, unkonventionell, spontan und „volksnah“
    – traf Napoleon – sie bat ihn, dem besiegten „Preußen“ keine zu harten Friedensbedingungen zu diktieren
  • Der Mythos und der Kult um sie scheint von drei Themen genährt:
    – Luise galt als Vorbild einer Ehefrau und Mutter (sie bekam 10 Kinder; 7 davon erreichten das Erwachsenenalter)
    – das Bürgertum erhoffte sich von ihr und ihrem Mann, König Friedrich Wilhelm III., dem einfach lebenden Königspaar
    > gesellschaftliche Verbesserungen und die Errichtung einer    konstitutionellen Monarchie
    > und damit das Verhindern einer blutigen Revolution ähnlich der Frankreichs
    > Luises Treffen mit Napoleon – sie erreichte zwar keine bessere Behandlung „Preußens“, aber das Volk würdigte fast religiös ihren Einsatz: sie habe für ihr ganzes Land die Demütigungen auf sich genommen, die von Frankreich ausgingen.
  • Bedeutende Dichter und Schriftsteller ihrer Zeit und „Trivialliteratur“ förderten und festigten mit ihren Werken und Schriften diese Idealisierung! Weitere optimale PR:
    die Benennung von Straßen, Gedenktafeln, Schulen, Stiftungen, etc.
  • Der Mensch „Königin Luise“ dagegen verschwindet im Dunkel der Geschichte.
    Dabei hätte sie es durchaus verdient, sachlicher und fairer betrachtet und beschrieben zu werden – weder märchen- und yellow-press-artig, noch pauschal-diffamierend als Adels-Angehörige.

Stand: 09.2023

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Martha Krautheimer

geb. Landmann, verw. Krautheimer (1875 Fürth – 1967 Lugano/Schweiz)

Martha stammte aus einer Hopfenhändlerfamilie. Sie besuchte eine „höhere Schule“.

1895 heiratete sie mit 20 Jahren den Kaufmann Nathan Krautheimer.

Die erstgeborenen Zwillinge starben kurz nach der Geburt. Sie bekamen drei weitere Kinder.

Nathan starb 1910. Martha erfüllte seinen Wunsch, 60.000 Mark (heute ca. 390.000 €) für einen sozialen Zweck zu verwenden.

Durch hohe Industrialisierung („Fürth – Stadt der tausend Schlote“) und niedrige Löhne gab es sehr viele Arbeiterinnen (ohne „Mutterschutz“). Krippenplätze fehlten zuhauf.

Sie veranlasste deshalb den Bau einer neuen Krippe.
Die Stadt Fürth spendete einen Bauplatz direkt neben dem Nathanstift.

Foto Doc Bendit, November 2006;
https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?curid=5036

Schon 1912 eröffnete Martha die „Krautheimer Krippe“:

Zimmer nach SW, Balkone gegen Rachitis und Tbc, überdachter Übergang zum Nathanstift; – mit Hygienevorschriften wie tägliches Baden, keimfreie Flaschennahrung, saubere Räume …

Ausdrückliche Weisung:
Es ist ein Säuglingsheim für „gesunde Säuglinge ehelicher und unehelicher Abstammung ohne Unterschied der Konfession“.

Sie unterstützte die Einrichtung weiterhin finanziell, da das Anfangskapital nie für den laufenden Betrieb reichte.

1913 heiratete sie erneut: den Schuhfabrikanten Franz Ehrlich, der die an sie geerbte Firma Krautheimer & Co. als Ehrlich Schuhwaren-Compagnie weiterführte. Sie bekamen einen Sohn.

1929 ging die Firma bankrott (wohl wegen der Weltwirtschaftskrise)

1932 emigrierte Martha vor den Nationalsozialisten nach Schweden.

Der Großteil ihres Geschäftshauses fiel nach der Emigration an den Bayrischen Staat. Dieser verkaufte es gleich 1932 an Gustav Schickedanz weiter.

Name der Krippe ab 1935: „Kleinkinder- und Säuglingsheim“.

26. Mai 1945: Rückbenennung in „Krautheimer Krippe“.

Die Krippe wird am 31.12.1967 geschlossen.

Martha Ehrlich, geb. Landmann, verw. Krautheimer,

stirbt 1967 mit 92 Jahren in Lugano.

weiterführende links:

  • fürthwiki (M. Krautheimer) (Krautheimer Krippe)
  • jüdisches Museum Fürth (Krautheimer Krippe) (Fotoalbum Familien Landmann, Krautheimer, Ehrlich und Caspary)
  • Hans-Joachim Winckler, FN 13.3.2012: Bewegende Momente in der Milchküche (link)
  • Moritz Schulz, FN 17.11.2012: Vom Säuglingsheim zum Schulgebäude (link)
  • Sabine Rempe, FN 11.09.2022: „Martha Krautheimer: Diese Frau war ein Segen für Fürther Neugeborene“ (nn+, mit Anmeldung)
  • Peter Frank: Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung der jüdischen
  • Fürther Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 (link)

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AMALIE NATHAN (1849- 1906)

geb. Mühlhäuser
19.03.1849 in Fürth – 17.11.1906 in Wien

Sie stammt aus einem jüdischen Elternhaus.

Mit 20 heiratet sie den Besitzer des Bankhauses Nathan & Co. einen nahen Verwandten. Ihr gemeinsamer Sohn Alfred bleibt zeitlebens unverheiratet.

Von der Familie Nathan gibt es in Fürth vielfältige Stiftungen.
Allein Alfred spendete über 2 Mio. Mark – heutige Kaufkraft: ca. 15,6 Mio €

Ihre größte Stiftung „das Nathanstift“ ist bis heute wichtig:
eine Geburtsklinik, wenn auch seit 1967 nicht mehr im ursprünglichen, längst zu klein und unmodern gewordenen Gebäude (heute eine Realschule).

Im Gedenkraum des heutigen Nathanstifts steht Amalies Marmorbüste des Fürther Bildhauers Johannes Götz von 1927.

Ende 1906 spendet Alfred Fürth im Auftrag seiner Mutter 300.000 Mark (ca. 2,1 Mio €) zur Gründung eines Wöchnerinnen- und Säuglingsheims – ausdrücklich für verheiratete und unverheiratete Frauen!

Bedingung: die Stadtverwaltung spendet den Bauplatz und (!) der Bau muss 1907 begonnen werden.

Am 1.12.1909 nahm es die ersten Patientinnen auf.

Zum Beerdigungstag seiner Mutter spendet er zusätzlich noch je 3.000 Mark (ca. 21.000 €) für jüdische und christliche bedürftige Bürger Fürths.

Schon 1888 gründete Amalie die „Sigmund und Amalie Nathan’sche Stiftung“ mit einem Kapital von 40.000,- Mark (ca. 320.000 €), deren Erträge an bedürftige Familien und Witwen verteilt werden sollten.

HINTERGRUNDINFOS zur Säuglingssterblichkeit dieser Zeit:

– um 1850 starben in Bayern 311 von 1000 Neugeborenen (In Schleswig-Holstein 124).

– 1861: Die Säuglings-Sterberate in Fürth war eine der höchsten im deutschen Bund. Es starben in Fürth durchschnittlich mehr als 28% der Kinder im 1. Lebensjahr – bei ledigen Müttern sogar gut 40%.

– 1903: durchschnittliche Säuglings-Sterberate in Fürth 28,4% – bei ledigen Müttern ca. 36%

– 1905: durchschnittliche Säuglings-Sterberate in Fürth 30% – bei ledigen Müttern ca. 36%

Vgl. heute:

Rund 3.900 Babys (½ %) und 47 Mütter sterben in Deutschland jährlich bei der Geburt.

Quellen u.a.:
Petra Plotz: Seminararbeit „Kindersterblichkeit“, 2009
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Bücher von Barbara Ohm

weiterführende links:

  • weiterer blog über Amalie Nathan (interner link)
  • fürthwiki (A. Nathan) (Nathanstift)
  • Alfred Nathan (hagalil.com)
  • Texte/Berichte zur jüdischen Geschichte der Stadt von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre (link)
  • Amalienruhe (auch Amalienhöhe) (link)

interne links:





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MARIA MAGDALENA HEERDEEGEN

Margaretha Heerdeegens Tochter
MARIA MAGDALENA HEERDEEGEN

Bayern ist seit 1806 Bayerisches Königreich.
Maria Magdalena macht ihr Ausbildung im Ausland auf der Großherzoglichen Württembergischen Hebammen-Schule.

1810 wird Maria Magdalena Heerdegen von der Stadt Fürth als Hebamme angestellt.

Sie hat ebenfalls wie ihre Eltern medizinisches Interesse. Auch sie lässt sich zur Hebamme ausbilden.

Aber sie wählt eine qualitativ bessere Ausbildung (mit Qualifikation für Risikoschwangerschaften) – im Ausland:

In der Großherzoglichen Württembergischen Hebammen-Schule.

Für ihre hervorragenden Prüfungsergebnisse bekommt sie nur deshalb keinen Preis, weil sie Ausländerin aus dem (seit 1806) königlichen Bayern ist.

Die Stadt Fürth erkennt das ausländische Zeugnis an.
Sie stellt 1810 Maria Magdalena mit dem hier üblichen Amtseid an – nicht ohne den Zusatz
„sich mit dem festgelegten Lohn zu begnügen“,
keine Aufschläge auf Extraleistungen zu verlangen
und arme Frauen möglichst unentgeltlich zu behandeln.

B. Ohm „Geschichte der Frauen in Fürth“, Geschichtsverein Fürth (Bay.), 2021

Zeichnung: 1864 Lehrbuch der Geburtshilfe für Hebammen (Tab.10/1)

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MARGARETHA HEERDEEGEN

MARGARETHA HEERDEEGEN

1800: Zeit, in der Napoleon Bonaparte Europa erobert. Fürth gehört zu Preußen.

1802 wird Margaretha Heerdegen von der Stadt Fürth als Hebamme angestellt.

Margaretha ist die Ehefrau des (nicht-akademischen) Baders und „Spithal Chirurgs“ Heerdegen.

So ist es nicht überraschend, dass sie Hebamme werden will.

Sie hospitiert erst bei einer Fürther Hebamme, um „praktische Verrichtungen“ zu üben.

1800 beginnt sie einen Hebammenkurs in Ansbach. Ausbildungsordnung ist die „Brandenburgische Hebammenordnung“.

1802 legt sie eine sehr gute theoretische und praktische Prüfung ab.

1802 wird sie von der Stadt Fürth als Hebamme angestellt – mit der Aufforderung, sich stetig weiter zu bilden und bei Problemen einen Arzt einzubinden.

B. Ohm „Geschichte der Frauen in Fürth“, Geschichtsverein Fürth (Bay.), 2021

Zeichnung: 1864 Lehrbuch der Geburtshilfe für Hebammen (Tab.10/1)

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EUPHROSINA HARTMANN

bekam 1772 ihre Hebammen-Stelle bei der Stadt Fürth. Sie sollte gleichzeitig Lehrhebamme sein.

Fürth wurde nach dem Wiederaufbau der – durch den 30-jährigen Krieg – völlig zerstörten Stadt wohlhabend:

durch eine liberale Bevölkerungsansiedlung mit jüdischen Kaufleuten und reformierten Gewerbetreibenden;
durch stark wachsende Industrialisierung;
durch die Anbindung 1860 an das staatliche Eisenbahnnetz.

Kehrseite:
ein großes Proletariat,
Frauen und (ledige) Mütter am Ende der Armutskette,
miserable Wohnverhältnisse.

Keine sprudelnde Geldquelle für die Hebammen!

Euphrosina Hartmann wurde 1772 bei der Gemeinde Fürth angestellt. Sie sollte gleichzeitig Lehrhebamme sein.
Ihre Prüfungszeugnisse waren hervorragend. Sie galt als „geschickte Person“ für den Hebammenberuf.

Kurze Zeit später beschwert sie sich bei der Stadt, dass sie die ihr zugesagte Bezahlung nicht bekam, sondern nur freie Wohnung und Brennholz. Sie fordert nun ein festes Gehalt.

Sie beschreibt dem Rat, dass sie extrem vielen armen Frauen beistehen muss(te), die schon nicht die Taufgebühren bezahlen können, geschweige denn ihren Lohn.

Sie beschreibt, wie schwer ihre Arbeit ist, mit wie viel Leid sie umgehen muss durch die (tödlichen) Risiken für Mutter und Kind.

Nicht umsonst wird in der Hebammenordnung offiziell verlangt, während der Geburt „fleißig“ zu beten.

Sie legt sogar eine Liste vor mit allen Frauen, die sie kostenlos behandelt hat.

Es nützt alles nichts! Der Stadtrat lehnt rigoros diese Bitte ab.

Sie solle sich den Lohn von den Vermögenden holen und die Armen aus christlicher Liebe und Barmherzigkeit weiterhin kostenlos behandeln.

Andere Hebammen dieser Zeit hatten ein ähnliches Problem!

********

Diese Geschichte bekommt noch zusätzlich Sprengkraft durch eine Info, die ich bei fürthwiki für das Jahr 1772 fand.
Dort wird aus einer Chronik Folgendes zitiert:

„Wegen der großen Hungersnot und der Fleckfieber-Epidemie reicht der Kirchhof für die Bestattung der vielen Leichen nicht mehr aus.

„Man war bereits gezwungen, in einem Grab fünf Särge aufeiander zu stellen.“ …

Ende November 1772 entspannt sich die Situation und „Teuerung und Krankheiten nehmen endlich ab“.

B. Ohm „Geschichte der Frauen in Fürth“, Geschichtsverein Fürth/Bay., 2021

Zeichnung aus: Lehrbuch der Hebammenkunst, 1874

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Brandenburgische Hebammenordnung III

Eine Hebamme soll/muss bei Geburten:
– Tag und Nacht bereit sein, ohne Murren zu Gebärenden zu gehen. Auch wenn (junge) Kolleginnen um Hilfe bitten – dabei erkannte Fehler im Vier-Augen-Gespräch klären, nicht öffentlich anklagen.
– einer Geburt jeder anderen (privaten) Arbeit Vorrang geben
– mit den gebärenden Frauen geduldig, gewissenhaft, bescheiden und sanftmütig umgehen
– bei Ankunft prüfen, ob die Geburt überhaupt beginnt oder andere Schwangerschaftsprobleme vorliegen.
– sie darf keine Geburt forcieren oder gar erzwingen.
– mit den Frauen „fleißig beten“ und um Gottes Beistand für eine gut verlaufende Geburt bitten
– bei Komplikationen während oder nach der Geburt zwingend einen Arzt und evtl. Pfarrer rufen

Eine Hebamme soll/muss
– sich nach geglückter Geburt um Mutter und Kind so lange kümmern bis Folge-Komplikationen ausgeschlossen sind:
Nabelschnur professionell durchtrennen;
das Kind untersuchen, ob es gesund ist oder Hilfe braucht;
nach der Geburt der Frau so lange zu Hilfe sein bis sie sicher ist,
dass keine Nachblutungen oder Ohnmachten zu erwarten sind.
– bei Gefahr des Kindstodes für Nottaufen einen Pfarrer holen,
bei Zeitnot selbst taufen und hinterher beim Pfarrer anmelden
– Eltern von lebendgeborenen Kindern drängen, ihre Kinder sofort
zur Taufe anzumelden.
Bei Weigerung der Eltern muss sie diese anzeigen.
– uneheliche Kinder bei der Obrigkeit melden, ebenfalls „Missgeburten“
(also Kinder mit Behinderung)

Umgang mit Kolleginnen:
Sie soll sich mit den ortsansässigen Hebammen vertragen, friedlich und freundlich mit ihnen leben, kollegial zusammenarbeiten:
– diese z.B. um Vertretung bitten, wenn sie selbst gerade eine Geburt begleitet und eine zweite Geburt nicht annehmen kann –  statt ihre „Lehr-Tochter“ zu schicken
– nicht mit ihnen streiten
– ihnen nicht durch üble Nachrede deren (mögliche) Kundinnen abspenstig machen
– nicht neidisch und missgünstig sein
– in der Zusammenarbeit deshalb alles unterlassen und keine Informationen vorenthalten, was diesen oder den Gebärenden schadet