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Astronomie blog Themen 2023 blogt

Prof. Eva Cassirer

Astronomie ist mehr als die Beschäftigung mit konkreten Himmelskörpern und mit den technischen Möglichkeiten ihrer Erforschung. Das können wir gut an der Forschung und der Berufstätigkeit sehen von

Prof. Dr. phil. Eva Cassirer (28.01.1920 – 19.09.2009)

Sie studierte Philosophie und Astronomie in den Vereinigten Staaten und in England. In London promovierte sie mit dem Thema „The Concept Of Time”.

Das Thema „Philosophie der Zeit“ zieht sich als roter Faden durch ihr Berufsleben hindurch. Sie lehrt an der Elite-Universität St. Andrew in Schottland „Wissenschaftstheorie“, später als Honorarprofessorin „Philosophie“ an der Technischen Universität Berlin. Als Astronomin ist sie auch korrespondierende Mitarbeiterin der „Königlich-Britischen Astronomischen Gesellschaft“.

Auch wenn ihre 1951 geschlossene Ehe mit Gerald Soffen (viel später verantwortlich für das Viking-Projekt der NASA) nur kurz hielt, könnte ich mir vorstellen, dass sie, zumindest im Hinblick auf ihre weiteren Forschungen, bereichernd war.

Menschlich gesehen wichtiger und bewegender war der Einsatz von ihr und ihrer Mutter in der NS-Zeit. Sie retteten in ihrer Villa in Berlin unter eigener Lebensgefahr mit viel Engagement mehrere jüdische Mitbürger/Mitbürgerinnen vor Verfolgung und Tod.

Am 11.01.2011 wurden sie und ihre Mutter Hannah posthum von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
Seit 2020 findet sich in youtube eine 3-minütige Bilder-Erinnerung an sie.

Bild: By Ле Лой – Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41790769

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Wer nicht erinnert wird, ist tot!

Frauen sollten endlich anfangen, erfolgreiche (!) Strategien der Männer zu kopieren!

Männer haben z.B. diese Strategie verinnerlicht und wenden sie automatisch an: Wiederholungen. Sie wiederholen z.B. in Diskussionen eigene Argumente und die der Vorgänger immer wieder. Klar, die mit engem Zeitbudget lebenden und deshalb schnell, effektiv arbeiten und entscheiden wollenden Frauen sind davon genervt. Aber: was nicht wiederholt wird, wird nicht im Gedächtnis verankert – individuell wie auch im öffentlichen Raum.

Warum sich also wundern, dass über Frauen weniger gesprochen, weniger an sie erinnert wird! Meine Rechercheerfahrung (nicht nur) im Internet ist ähnlich. Bei und über Frauen findet sich meist wenig Redundantes – Kanzlerinnen u. ä. ausgenommen. Aber auch A. Merkel wurde sehr oft vorgeworfen, nicht genug zu „klappern“.

Nehmen Sie konkreter die zuletzt vorgestellte Prof. Waltraut C. Seitter.

Es gibt: einen von ihrem Mann eingerichteten wikipedia-Artikel mit Lebens- und Berufsdaten, einen in Auszügen „unendlich oft“ kopierten Artikel über sie (ohne zusätzliche Informationen), ein paar Hinweise zu beruflichen Veröffentlichungen von ihr und ein Nachruf – ebenfalls geschrieben von ihrem Mann.

Wo sind die Berichte, Erinnerungen, Nachrufe ihres „motivierten Teams“, der Unis und Institute, in denen und für die sie gearbeitet hat, der Kollegen und Freunde?

Über ihren Mann, Prof. H. Duerbeck, finden sich viel mehr Informationen. Es gibt verschiedene Fotos. Seine Freunde und Wegbegleiter schreiben einen ausführlichen Nachruf auf ihn (mit ein paar persönlichen Infos über Frau Seiffert), mehrere kurze Würdigungen, sie veranstalten ein Gedenkkolloquium …. Er wird so auch für Außenstehende als Mensch „lebendig“.

Über dessen zweite Partnerin, die Astronomin Gisela Münzel, geb. Grasemann (01.02.1929 – 24.07.2022) aus Leipzig, findet sich, außer wenigen von ihr geschriebenen Publikationen: fast nichts! Auf der webseite ihres Sohnes steht: (sie) war bis zu ihrem Ruhestand 1990 Fachlehrerin für Astronomie und Geografie sowie Fachberaterin für Astronomie in Leipzig. – Wer sagt denn, dass es immer nur Todesanzeigen und Nachrufe sein dürfen …

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Prof. Waltraut Carola Seitter

Der in Deutschland allseits beliebte, leicht zuzubereitende und zu essende Kartoffelsalat mit Würstchen für den Besuch … offenbar oft auch die Wahl von

Prof. Waltraut Carola Seitter (13.01.1930 – 15.11.2007)
die sich als erste Deutsche im Fach Astronomie habilitierte (wohl 1965).

Ihr Berufsweg beginnt überraschend. ich finde keine Information darüber, ob als Schüler- oder Studentenjob oder …: nämlich als Straßenbahnschaffnerin, Flüchtlingshelferin und technische Zeichnerin.

Sie studierte Physik, Mathematik, Chemie und Astronomie. Ihr persönlicher und studentisch-beruflicher Weg führte sie über mehrere Stationen und Aufgaben von Köln über die USA nach Münster. Dort erhielt sie 1975 den Ruf als (Deutschlands erste Astronomie-)Professorin und Direktorin des Astronomischen Instituts der Universität Münster. Dort forschte, lehrte und veröffentlichte sie begeistert, engagiert und erfolgreich bis zu ihrer Emeritierung 1995. Sie scharte „ein talentiertes und motiviertes Team von Mitarbeitern um sich, und das Institut erlebte eine nie zuvor erreichte Blüte“. So schreibt es ihr Mann Prof. H. Duerbeck in seinem Nachruf auf seine Frau. Wie bei den meisten Professor*innen bedeutete die Emeritierung kein Ende ihrer Forschungsarbeit, die sie z. T. wieder in die USA und nach Chile führte.

Die Organisation von internationalen Tagungen gehörten ebenso zu ihren Aufgaben und Erfolgen wie z. B. der zweibändige „Bonner Spektralatlas“ und das „Muenster Redshift Project (MRSP)“, bei dem sieben Millionen Galaxien vermessen wurden.

Es gibt kein Grab von ihr. Immerhin der Asteroid „4893 Seitter“ erinnert an sie.

Natürlich käme sie wie auch alle folgenden Astronominnen für die Benennung einer Schule oder Universität in Frage … Einfach immer wieder vorschlagen!