Stigma – Narbe im Bürgersteig

Künstlerinnen Andrea Knobloch (* 1961) und Ute Vorkoeper (* 1963), den „missing icons“

STIGMA: „Bodenskulptur“, „Narbe im Bürgersteig“ – „eine Art dreidimensionaler Stolperstein“

Der Unmut in der Hamburger Bevölkerung und bei NS-Opferverbänden war groß, als die Stadt 2009 das „Stadthaus“ (Ecke Stadthausbrücke / Neuer Wall) an einen privaten Käufer (Quantum Immobilien AG) verkaufte.

Im Kaufvertrag war zwar festgelegt, dass der Käufer eine Gedenk- und Informationsstätte im Gebäude bzw. dem Quartier auf eigene Kosten eine Gedenkstätte einrichten muss. Letztlich leistete Quantum jedoch nur einen vergleichsweise kleinen Zuschuss, sodass Stadt und Land Hamburg in die eigene Kasse greifen mussten.
Der entstandene Gedenkraum ist heute mit rund 70 m² deutlich kleiner als ursprünglich vorgesehen (ca. 750 m²).

Um die NS-Verbrechen im Stadthaus – dem einstigen Zentrum von Gestapo und Polizei während der NS-Zeit – 

nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, lobte die Behörde für Kultur und Medien Hamburg 2019 einen Wettbewerb für ein „Denkzeichen“ vor dem Stadthaus-Komplex aus.


🏆 Das Kunstwerk „STIGMA“ des Künstlerinnenduos „missing icons“ (Andrea Knobloch und Ute Vorkoeper) bekam den 1. Preis.

Beide Künstlerinnen brachen mit dem Vorschlaghämmern den acht cm dicken Granit des Gehsteigs auf. In die dann entstanden Rissstellen gossen sie eine Masse aus weichem, rot eingefärbtem Granulatsplitt – – ein sichtbares Zeichen für die Narben, die das Stadthaus in der Geschichte hinterlassen hat.

Soweit – sehr grob – die (Vor-)Geschichte zu diesem Kunstwerk.

💡Erklärende Tafel zum Denkzeichen „Stigma“ – unter dem Straßenschild „Stadthausbrücke“ vor dem Hamburger „Stadthaus“, heute: Stadthöfe (S-Bahn-Haltestelle „Stadthausbrücke“):

„Stigma
missing icons, 2022
Bodenskulptur aus Granitsteinen, Gummigranulat, EPDM-Granulat, Colorquarz
Maße ca. 6000 x 700 x 8 cm

Das Kunstwerk „Stigma“ von missing icons erinnert an die Vergangenheit des Stadthauses als einer Zentrale des nationalsozialistischen Terrors. Als Narbe im Stadtraum verweist es auf die Folgen von Willkür, Gewalt und deren Verdrängung.

Informationen zur Geschichte des Stadthauses im Nationalsozialismus wie auch zum Kunstwerk „Stigma“ stehen im rund 200 Meter entfernten „Geschichtsort Stadthaus“, Stadthausbrücke 6, bereit.“