Senta Josephthal

Senetta Joseftal Themenwelten Überblick

*5. Dezember 1912, Fürth. Geboren als Senta Punfud.
✝ 26. Juli 2007, Gal’ed, Israel

Name nach Emigration nach Israel: Senetta Joseftal bzw. Yoseftal.

Zionistin, Kibbuzgründerin und Politikerin

Im öffentlichen Raum

An welchen konkreten öffentlichen Orten und Institutionen lässt sich ihr Wirken oder ihre Erinnerung verorten?

Fürth

Senta-Josephthal-Straße. Benennung 2019

Israel

  • Kibbuz Gal’ed: zentraler Lebens- und Wirkungsort
  • Knesset: Ort ihrer parlamentarischen Tätigkeit
  • Giora-und-Senta-Josephthal-Institut: nach Senta und Giora Josephthal benannte Einrichtung

Senta Josephthal: Zionistin, Kibbuzgründerin und Politikerin

Senta Josephthal wurde am 5. Dezember 1912 in Fürth geboren und emigrierte 1938 nach Palästina. Nach der Gründung des Staates Israel engagierte sie sich in der Kibbuzbewegung, in der Einwanderungsarbeit und in der Politik. 1955 sowie erneut 1976 wurde sie in die Knesset gewählt.

Senta Josephthal wuchs in einer traditionell jüdischen, nicht orthodoxen Familie auf. Ihre Eltern Jakob und Hedwig waren in Deutschland geboren; ihre ältere Schwester Lola wurde 1910 geboren.
Der Vater arbeitete zunächst in einer Fahrradfabrik und gründete später ein eigenes Unternehmen. Die Eltern sowohl als Lola emigrierten ebenfalls nach Palästina.

Senta besuchte in Nürnberg eine jüdische Jugendgruppe und schloss sich der zionistischen Jugendbewegung an. Dort lernte sie den aus Nürnberg stammenden Georg Josephthal kennen. Beide waren in der zionistischen Jugendbewegung und im Umfeld des Hechaluz aktiv. Sie heirateten 1936 in Nürnberg.

Ihr Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Erlangen brach sie 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ab. Als Jüdin konnte sie ihr Studium nicht fortsetzen.

Senta arbeitete ab 1934 in der Hechaluz-Zentrale in Berlin. Ihre Aufgabe war die Ausbildung und Vorbereitung jüdischer Jugendlicher auf die Auswanderung nach Palästina.

1938 waren Senta und Giora Josephthal gemeinsam im Hachschara-Lehrgut Ellguth in Oberschlesien tätig. Senta übernahm dort die Milchwirtschaft, während Giora die Jugendlichen als Ausbilder für landwirtschaftliche Arbeit anleitete.

Im August 1938 verließen sie Ellguth nach einer Warnung vor einer Gestapoaktion. Kurz darauf emigrierten Senta und Giora Josephthal nach Palästina. Dort gehörten sie mit weiteren deutschen Jüdinnen und Juden zu den Aufbaukräften des späteren Kibbuz Gal’ed, der 1945 gegründet und endgültig besiedelt wurde.. Senta Josephthal war am Aufbau der Kibbuzgemeinschaft und an ihrer organisatorischen und politischen Arbeit beteiligt. Sie wurde bis ins hohe Alter regelmäßig in das Selbstverwaltungsgremium des Kibbuz gewählt.

In Israel nannten sich Senta und Georg Josephthal Senetta und Giora Yoseftal.

Senetta Yoseftal war in der landesweiten Kibbuzbewegung und in der Histadrut tätig. Sie gehörte unter anderem dem Zentralkomitee der Histadrut an und übernahm Aufgaben in der Organisation und wirtschaftlichen Entwicklung der Kibbuzbewegung.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Aufnahme und Integration von Einwanderinnen und Einwanderern aus unterschiedlichen Herkunftsregionen, darunter aus Europa und aus islamisch geprägten Ländern. Sie gründete und leitete eine Abteilung für Aufnahme und Entwicklung von Einwanderern.

1955 wurde Senetta Yoseftal auf ausdrücklichen Wunsch von Ministerpräsident David Ben-Gurion als Mitglied der Mapai für die Knesset aufgestellt. Ben-Gurion wollte unter anderem die Kibbuzbewegung, Frauen und die aus Deutschland eingewanderte Bevölkerung stärker im Parlament vertreten sehen. Und sie wurde gewählt.
Aber schon nach rund 14 Monaten schied Yoseftal auf eigenen Wunsch wieder aus der Knesset aus, da sie ihre Möglichkeiten zur praktischen politischen Arbeit als zu begrenzt empfand.

1976 kehrte sie für eine weitere Amtszeit in das israelische Parlament zurück. Sie rückte am 1. September 1976 für den verstorbenen Abgeordneten Zvi Guershoni in die Knesset nach und gehörte der Fraktion HaMa’arach an. Nach den Wahlen von 1977 schied sie wieder aus dem Parlament aus.s

1956 reiste Senetta Yoseftal auf Weisung des damaligen Finanzministers Levi Eshkol nach Deutschland. In Frankfurt war sie im Zusammenhang mit den Verhandlungen über Entschädigungszahlungen tätig. Dabei ging es unter anderem um die Anerkennung von Ansprüchen von Kibbuzbewohnerinnen und -bewohnern gegenüber der Bundesrepublik Deutschland. Yoseftal sollte den deutschen Gesprächspartnern das besondere Modell der Kibbuzgemeinschaft erläutern.
In diesem Zusammenhang ist auch die später überlieferte Auseinandersetzung um die Entschädigung eines Kibbuz überliefert. Ein Gericht hatte die Zahlung mit der Begründung verweigert, ein Kibbuz sei eine kollektive Lebensform, in der die Mitglieder auf bestimmte Annehmlichkeiten des individuellen Lebens verzichteten und deshalb keinen entsprechenden Geldbedarf hätten. Die konkrete Gerichtsentscheidung wird in späteren Darstellungen einem Stuttgarter Gericht zugeordnet.

2004 erhielt Senetta Yoseftal den Ben-Gurion-Preis.

Sie starb am 26. Juli 2007 in ihrem Kibbuz Gal’ed.

Senta Josephthal bei südstädterin

→ Blog Aufbau einer neuen Heimat (Stand 02.2026)
→ Blog Israelische Politikerin (Stand 10.2023)
→ Artikel Senta Josephthal – Fürth, Kibbuz und Israel

Weiterführendes

Statement der "Südstädterin": Biografien sind politisch. Sichtbarkeit ist eine Machtfrage. (Stadt-)Geschichte ist nicht neutral. Hier geht es um Frauen. Punkt. Global & europäisch – Geschichte endet nicht an Grenzen.