Reisen um 1920: Mehr als nur eine Frage des Geldes

Einleitung

Wer heute eine Weltreise plant, muss sich höchstens für eine Flugroute entscheiden und mit dem Gepäckgewicht kämpfen. Geld lässt sich unterwegs jederzeit mit Karte abheben, Informationen sind nur wenige Klicks entfernt.

Für Alma M. Karlin sah die Situation im Jahr 1919 völlig anders aus. Sie brach in einem Europa auf, das sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs politisch und wirtschaftlich grundlegend verändert hatte. Grenzen waren neu gezogen worden, neue Staaten entstanden, und vielerorts verloren Währungen rasch an Wert. Auch die internationale Passpflicht, wie wir sie heute kennen, befand sich noch im Aufbau.

Wie konnte unter diesen Bedingungen eine Frau ohne Vermögen und ohne finanzkräftige Förderer acht Jahre lang allein um die Welt reisen?

Die Antwort liegt nicht in einem einzigen Erfolgsrezept. Karlin finanzierte ihre Reise Schritt für Schritt: mit ihren außergewöhnlichen Sprachkenntnissen, journalistischer Arbeit, Übersetzungen, Vorträgen, einem äußerst bescheidenen Lebensstil – und zur Not mit Geldleihen. Vieles davon lässt sich heute anhand ihrer Bücher, Briefe und der neueren Forschung nachvollziehen.

Zwischen Pässen, Grenzen und Währungen

130 US-Dollar und rund 10.000 österreichische Kronen: das war nach übereinstimmenden Angaben ungefähr das gesamte Kapital, mit dem Alma M. Karlin im November 1919 ihre Weltreise begann. Je nach Berechnungsgrundlage entspricht dies heute einer Kaufkraft von etwa 3.000 bis 4.000 Euro. Für eine Reise, die schließlich acht Jahre dauern sollte, war das nur ein bescheidenes Startkapital.

Um diesen Betrag überhaupt ansparen zu können, arbeitete Karlin nach ihrer Rückkehr aus London und den Kriegsjahren in Skandinavien intensiv in ihrer Heimatstadt Cilli (heute Celje). Dort eröffnete sie eine eigene Sprachenschule und unterrichtete täglich viele Stunden. Ein Erbe oder vermögende Förderer standen ihr nicht zur Verfügung.

Doch Geld war nur eines ihrer Probleme. Wie erhielt sie unterwegs neue Einnahmen? Wie gelangte das Geld zu ihr? Welche Dokumente benötigte sie für Grenzübertritte und längere Aufenthalte? Und wie gelang es ihr überhaupt, in fremden Ländern Arbeit zu finden?

Die Finanzierung ihrer Weltreise bestand daher nicht nur darin, genügend Geld zu verdienen. Sie musste ihre Reise immer wieder neu organisieren, Kontakte knüpfen und ihre Fähigkeiten dort einsetzen, wo sich gerade eine Gelegenheit bot.

Eine gezielte Recherche nach den organisatorischen Grundlagen von Alma M. Karlins Weltreise, etwa Geldtransfer, Honorarzahlungen, Visa, Grenzdokumenten oder Arbeitsmöglichkeiten, blieb weitgehend ohne Ergebnis. Während ihre Reiseerlebnisse, Bücher und kulturellen Beobachtungen gut dokumentiert sind, werden die praktischen Voraussetzungen dieser achtjährigen Weltreise in den online zugänglichen Quellen kaum behandelt.
Ob diese Lücke bereits die Forschung betrifft oder vor allem auf die begrenzte Digitalisierung von Archiven und Briefbeständen zurückzuführen ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beurteilen.

Solche Beobachtungen gehören zum Konzept dieser Artikelreihe. Sie möchte nicht nur historische Fakten zusammentragen, sondern auch sichtbar machen, wie unterschiedlich Erinnerungskultur im Internet und in Archiven funktioniert. Manchmal zeigt die Recherche nicht nur, was über Alma M. Karlin bekannt ist, sondern auch, welche Fragen online kaum beantwortet werden.

Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.

Alma M. Karlin
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Grundlagen Wissenschaftliche Literatur
  • Maja Veselič: The Allure of the Mystical: East Asian Religious Traditions in the Eyes of Alma M. Karlin (2021) — ResearchGate
Historischer Kontext

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Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

Denkmäler für Frauen