Das Denkmal
Rolihlahla. Bevor Nelson Mandela international bekannt und zum verehrten Vorbild wurde, hieß er so: „Am Ast des Baumes zerren.“ Ein Name, den sein Vater ihm gab und der sein Leben beschreiben sollte. Seinen anglisierten Vornamen „Nelson“ erhielt er erst in der Schule: ein koloniales Relikt, das er zeitlebens trug, ohne sich damit zu identifizieren.
Auf dem Platz hinter dem Nürnberger Hauptbahnhof steht seit 2021 ein Denkmal, das genau diesen Widerspruch sichtbar macht: eine durchsichtige Acrylglasstele, darin eingeschlossen ein Rohdiamant, kostbar, unbearbeitet, unveräußerlich.
Dass Nürnberg diesem Mann einen Platz widmet, hat eine eigene Geschichte. Vor rund 35 Jahren stellten sich zwei Bürger, Gerd und Dietmar Fischer, auf den „Platz hinterm Bahnhof“ und benannten ihn kurzerhand um, noch ohne Stadtratsbeschluss. 1991 wurde der Platz auch offiziell nach Nelson Mandela benannt Mandela saß damals noch in Haft. Der Verkehrsausschuss beschloss in diesem Fall also gegen seine selbst auferlegte Regel, dass ausnahmsweise der Platz nach einer lebenden Personen benannt werden durfte. NN.deNordbayern 24.08.2005
Das Kunstwerk, das seit Oktober 2021 auf dem Platz steht, heißt „Rolihlahla“. Mandelas erster Vorname, übersetzt als „Unruhestifter“.
Das Künstlerinnenduo „missing icons“, Andrea Knobloch und Ute Vorkoeper, hat damit einen Wettbewerb für den neu gestalteten Platz gewonnen. Die Stele zeigt Mandela in Lebensgröße, etwa 183 Zentimeter, der Rohdiamant sitzt dort, wo das Herz wäre. Was zunächst provozierend und Angst auslösend wirkte (der Stein sei zu wervoll für diese Gegend), erweist sich als beständig: Der Stein ist einer der härtesten Materialien der Erde, ungeschliffen, noch nicht zum Schmuck verfeinert. Dies und die Tatsache, dass die Stele ein zweites Mal gegossen werden musste: Ein Symbol, ein Bild für einen Menschen, der durch Gewalt und Isolation nicht gebrochen, sondern geformt wurde. Sonntagsblatt
Das Denkmal lädt nicht zur ehrfürchtigen Distanz ein. Es wird bespielt, berührt, manchmal schlecht behandelt: so, wie Menschen eben Menschen behandeln. Das Künstlerinnenduo hat das von Anfang an so geplant.

Nelson Mandela
Der Mann, dem dieser Platz seinen Namen verdankt, wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo in der Transkei geboren, als Sohn eines Tembu-Stammesführers.
Er studierte Jura, wurde Anwalt in Johannesburg, trat dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) bei. Er organisierte gewaltlosen Widerstand gegen das Apartheidsystem, das die schwarze Bevölkerung Südafrikas systematisch entrechtete. Wer ihn in dieser Zeit erlebte, sah einen Mann, der noch an die Möglichkeit friedlichen Wandels glaubte. Die Journalistin Ruth Weiss – aus Fürth stammend, 1936 mit ihren Eltern nach Südafrika geflohen – interviewte ihn 1961, kurz bevor er in den Untergrund ging. → Ruth Weiss
Als die Hoffnung auf friedliche Veränderung schwand, gründete er 1961 den bewaffneten Arm des ANC mit. 1964 wurde er wegen Sabotage zu lebenslanger Haft verurteilt. Er verbrachte 27 Jahre im Gefängnis, die längsten davon auf Robben Island vor Kapstadt: in einer Zelle, kaum größer als ein Badezimmer.
1990 wurde er freigelassen.
1993 erhielt er gemeinsam mit Frederik Willem de Klerk den Friedensnobelpreis.
1994 wurde Nelson Mandela als erster schwarzer Staatspräsident Südafrikas gewählt. Es war eine freie Wahl, die das Ende der Apartheid besiegelte. Er regierte bis 1999 und setzte dabei konsequent auf Versöhnung statt Vergeltung.
Am 5. Dezember 2013 starb er in Johannesburg, 95 Jahre alt, weltweit verehrt.
🔍 Weiterführende Links
- Kunstwerk „Rolihlahla“: sonntagsblatt.de
- Nelson-Mandela-Platz, Stadt Nürnberg: nuernberg.de
- Zur Geschichte der Umbenennung: nordbayern.de
- Missing Icons: Andrea Knobloch Ute Vorkoeper
- Blog Ruth Weiss
- missing icons: Nelson-Mandela-Denkmal Blog von 10. Dezember 2021
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