Martin Miheljak/Mihelak: für viele Überraschungen gut

Die Artikelreihe: Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

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Die dürren biografischen FaktenMartin: für viele Überraschungen gutÜberraschung 1: Schreiber im Stift ReinÜberraschung 2: 1848Überraschung 3: Im gesellschaftlichen Cilli bleibt Martin Miheljak erstaunlich unsichtbarÜberraschung 4: Tochter VilibaldaÜberraschung 5: Martins Wohnadresse im Traubuch

Weiterführend auf dieser Webseite
Kirchenbücher zur Familie Miheljak – QuellenübersichtKirchenbücher und Quellen zu Almas GroßmütterNachkommen von Helena und Martin Miheljak – genealogischer Überblick

Die dürren biografischen Fakten

geboren 1.10.1819, Prevalje (deutsch: Prävali); gestorben 6.12.1880, Cilli/Celje (gestorben an Lungenentzündung)

Miheljak? Mihelak? Die Schreibweise ändert sich in den Taufregistern der Töchter Vilibalda und Ida.

Martin gilt als der erste slowenische Notar Cillis/Celjes (1866–1880). Seine offizielle Berufsbezeichnung: k.k. Notar.

Er stammte aus einer Familie mit einem Bauernhof. Sein Vater Johann lebte noch zur Zeit seiner Heirat, seine Mutter Elisabeth war schon verstorben.

Die Heiratsurkunde weist nicht seine Wohnadresse, sondern die seiner künftigen Frau aus: wohl Oberpfarrdorf Nr. 3, einem Stadtteil des heutigen „Prevalje“ (deutsch: Prävali). Dieser Ort liegt im heutigen Nordslowenien, in der Region Koroška (historisches Kärnten), nahe der österreichischen Grenze. Überraschung 5: Martins Wohnadresse im Traubuch

Er war verheiratet mit Helena Kovatsch/Kovač (10.04.1816 – 11.05.1902). Sie stammte ebenfalls aus einem Bauernhof. Ihre Eltern waren Thomas Kovatsch und Maria.

Die Heirat Helenas mit Martin folgte laut Vilibaldas Taufregister ca. zwei Jahre nach Vilibaldas Geburt in ‚Maria am See‘ (heute Marija na Jezeru bei Prevalje/Prävali, Slowenien). Durch die Heirat wurde Vilibalda „legitimiert“ als Kind von Martin.

Kinder von Helena und Martin:
Willlibalde (Vilibalda/Wilibalda) Otilie Helena , verheiratete Karlin ; Ida Rosalia Maria, verheiratete Baš; Antonija, verheiratete Končnik; Warmund Josef; Camillus Franz
Nachkommen von Helena und Martin Miheljak – genealogischer Überblick

Berufliche Laufbahn

  • 1841 „Schreiber“ des Zisterzienserstifts Rein
  • 1844 Angabe in Vilibaldas Geburtsregister: keine
  • 1852 Angabe in Idas Geburtsregister: k.k. Landesgericht Kanzelist
  • 1855 Angabe in Warmunds Geburtsregister: Accessist am k.k. Kreisgericht Cilli
  • 1657 Angabe in Camillus Geburtsregister: k.k. Kreisgerichtsbeamter
  • 1861: erster slowenischer Notar Cillis

Dezember 1880 stirbt Martin. 1881 übernimmt sein Schwiegersohn Lorenz/Lovro Baš Martins Notariatskanzlei.

Martin: für viele Überraschungen gut

Martin übernimmt nicht den Hof seiner Eltern. Stattdessen führt sein Weg in eine ganz andere Welt: in die Verwaltung.

In den online zugänglichen Quellen taucht sein Name erstmals 1841 auf. Da ist Martin 21 oder 22 Jahre alt – und arbeitet als „Schreiber“ des Zisterzienserstifts Rein. Das Stift Rein ist das älteste durchgehend bestehende Zisterzienserkloster der Welt. Es liegt im Norden der steirischen Landeshauptstadt Graz

Überraschung 1: Schreiber im Stift Rein

Der Weg zu dieser Aufgabe liegt online im Dunkeln. Auch seine exakte Stellenbeschreibung ist hier nicht dokumentierbar. Belegt ist aus dieser Zeit nur ein Brief von 1841. Dieser Scheinwerfer zeigt, dass er mit Personen des Illyrismus in Kontakt stand und ihnen Informationen aus dem Behördenverkehr zukommen ließ.

Das sind die bekannten Fakten:

Martin erscheint hier an einer Schnittstelle von Klosterverwaltung, Schriftverkehr und politischen Vorgängen.

Seine Position als „Schreiber“ ermöglichte ihm offenbar Einblick in den offiziellen Schriftverkehr des „Gubernium“, der Landesregierung, mit den nachgeordneten Behörden. Dies zeigt sich in einem Brief von 1841 an Davorin Trstenjak, in dem Martin ihn über behördliche Nachforschungen gegen Stanko Vraz informiert.

Zu den beiden Personen muss man wissen:

Davorin Trstenjak war ein slowenischer Geistlicher, Schriftsteller und Gelehrter, der sich für die slowenische Sprache und Kultur engagierte.
Stanko Vraz war ein slowenischer Dichter und Vertreter des Illyrismus, einer südslawischen Kulturbewegung, die eine engere Verbindung der südslawischen Völker und die Aufwertung ihrer Sprachen anstrebte.
Der Illyrismus war zunächst vor allem eine kulturelle und sprachliche Bewegung. In den 1840er Jahren bekam er zunehmend auch eine politische Dimension und geriet damit in das Blickfeld der österreichischen Behörden.

Überraschung 2: 1848

Erst 1848 taucht Martins Name wieder auf. Diesmal als „uradnik“, also als Beamter bzw. Bediensteter.

Er findet sich beim slowenischen Historiker Stane Granda im Zusammenhang mit dem Petitionsmaterial des Revolutionsjahres 1848. Dieses hat Granda für seine Untersuchung der slowenischen Forderungen nach einer politischen Vereinigung der slowenischen Gebiete ausgewertet. Martin erscheint dort zusammen mit Unterzeichnern ganz unterschiedlicher Berufe und sozialer Herkunft.

Welche konkrete Petition Martin unterschrieb, an welchem Ort und an welchem Datum, lässt sich anhand der online zugänglichen Quellen nicht eindeutig feststellen.

Überraschung 3: Im gesellschaftlichen Cilli bleibt Martin Miheljak erstaunlich unsichtbar

Über seine Familie lässt sich ein dichtes Netz rekonstruieren: Sie steht in Verbindung mit dem slowenischen Kulturleben der Stadt, vor allem mit der „Narodna čitalnica“, dem slowenischen Lese- und Kulturverein und Treffpunkt verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in Cilli. Auch Martin selbst war mit der Čitalnica verbunden: Er wird als einer ihrer Sekretäre (1866–1867) genannt. Damit ist seine gesellschaftliche Einbindung in das slowenische Kulturleben Cillis tatsächlich belegt, wenn auch bislang nur in dieser Funktion. Weitere Belege, die ihn etwa als Funktionär oder Unterstützer anderer slowenischer Vereine, als Teilnehmer oder Organisator hervortreten lassen, sind bisher nicht gefunden.

Das ist umso bemerkenswerter, weil seine berufliche und gesellschaftliche Stellung eigentlich anderes erwarten ließe. Martin Miheljak war seit 1866 Notar in Celje und wird in späteren Darstellungen als ‚erster slowenischer Notar der Stadt‘ hervorgehoben. Seine frühe Verbindung zur slowenischen Bewegung ist ebenfalls belegt.

Die archivische Spur

Das ‚Zgodovinski arhiv Celje‘ erschließt die Notariatsüberlieferung grundsätzlich als eigenen Bestand. Im Online-Findbuch findet sich der Bestand „Notarji do 1945/1954 [ZAC]“, Signatur SI_ZAC-B620, mit einer Laufzeit von 1853–1941. Martin Miheljak ist in der historischen Abfolge der Celjer Notare für die Jahre 1866–1881 verzeichnet. Aber es findet sich online keine konkrete Einzel-Signatur für Martins persönliche Notariatsüberlieferung.

Auch diese Wege führen online nicht weiter: Ivanka Zajc-Cizelj behandelt die Narodna čitalnica v Celju 1862–1927. Bojan Himmelreich hat mit Gradivo notarjev Okrajnega sodišča Celje einen wichtigen Ausgangspunkt für die Notariatsbestände veröffentlicht. Hinzu kommen die Darstellungen zur Geschichte des slowenischen Notariats, insbesondere in der Überlieferung der Notarska zbornica Slovenije und des Notarski vestnik.

Die nächste Erkenntnis wäre nicht mehr durch eine weitere Websuche zu erwarten, sondern durch die Auswertung der archivalischen Überlieferung.

Überraschung 4: Tochter Vilibalda

Das erste Kind von Martin und Helena, Vilibalda (im Taufregister: Willibalde), wurde 1844 unehelich geboren. Zwei Jahre später wurde sie, laut Anmerkung zum Taufeintrag, durch die Heirat ihrer Eltern „legitimiert“. Im Taufbuch steht: „Trauungsbuch der Pfarre Maria am See in Kärnten am 23. November 1846“ (slowenisch: Marija na Jezeru / Prevalje).

Der Eintrag im Taufbuch beurkundet, dass Martin Miheljak seine Vaterschaft ausdrücklich anerkannte: am 7. März 1866, also erst, als Vilibalda 21 Jahre alt ist. Zwei Zeugen stehen dabei.
Warum war diese Beurkundung nochmals nötig, nachdem Vilibalda bereits 1846 „legitimiert“ worden war?

Überraschung 5: Martins Wohnadresse im Traubuch

Die Heiratsurkunde von 1846 nennt für Helena Oberpfarrdorf Nr. 3, Pfarre Maria am See. Oberpfarrdorf gehört zum Raum des heutigen Prevalje (deutsch: Prävali) in Nordslowenien, in der Region Koroška (historisches Kärnten), nahe der österreichischen Grenze.

Bei Martin steht dagegen ausdrücklich, dass er „bey dem Gute Ponigel im Bezirk Reifenstein, Pfarr [König?] im Steyermark“ verweilte.

Was Martin 1846 beim Gut Ponigel machte, ist bislang nicht geklärt. Die historische Bezeichnung „Ponigler Amt“ ist zwar nachgewiesen. Ein Beleg dafür, dass Martin dort als Schreiber, Verwalter oder in einer anderen Funktion tätig war, konnte online jedoch nicht gefunden werden.

***

Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Alma Maximiliane Karlin: Kurzbiografie der Reiseschriftstellerin, Weltreisende und Grenzgängerin; Sichtbarkeit im Stadtraum

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🔍 weiterführende Links „Martin Miheljak“ (aufklappen)

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Martin Miheljak – Familie und Personenstand
  • Matricula Online – Trauungsbuch Martin Miheljak und Helena Kovatsch/Kovač, Prevalje, 1841–1859, Bl. 71
    Matricula Online
  • Matricula Online – Taufbuch Vilibalda Miheljak, Celje – Sv. Danijel, 1841–1849, Bl. 74
    Matricula Online
  • Überraschung 1 – Martin Miheljak, Stift Rein, Vraz und Trstenjak

    • Branko Drechsler (Branko Vodnik): Stanko Vraz. Studija, Zagreb 1909
      Die Studie enthält den wichtigen Hinweis auf Martin Miheljak und seinen Brief an Davorin Trstenjak vom 26. Oktober 1841.
      dLib – Digitalisat
    • Branko Drechsler (Branko Vodnik): Stanko Vraz. Studija, 1909 – direkter Scan
      Internet Archive
    • Fran Petrè: Poizkus ilirizma pri Slovencih (1835–1849)
      Die Untersuchung nennt Martin Miheljak als „pisar samostana Rein“ und behandelt seinen Kontakt zu Davorin Trstenjak und Stanko Vraz.
      Digitalisat
    • Fran Prijatelj – Beiträge zur Vraz-Forschung
      Besonders relevant für die Überlieferung von Vraz‘ Briefwechsel und die frühe Illyrismus-Forschung.
      Sistory – Digitales Forschungsportal
    • Digitalbibliothek Slovenije (dLib)
      Zentrale digitale Bibliothek für historische slowenische Zeitungen, Bücher und wissenschaftliche Veröffentlichungen.
      dLib.si

    Überraschung 2 – Martin Miheljak und 1848

    • Stane Granda: Prva odločitev Slovencev za Slovenijo, 1999
      Martin Miheljak erscheint hier im Zusammenhang mit dem Petitionsmaterial von 1848 als „uradnik“.
      Sistory – Publikation
    • Stane Granda: Prva odločitev Slovencev za Slovenijo – direktes PDF
      PDF
    • Stane Granda: „Dr. Štefan Kočevar v revolucionarnem letu 1848/49“
      Ergänzende Darstellung zum politischen Umfeld des Revolutionsjahres und zur slowenischen Bewegung.
      dLib.si

    Überraschung 3 – Martin Miheljak als Notar und im gesellschaftlichen Leben von Cilli/Celje

    • Zgodovinski arhiv Celje – Notar Martin Miheljak, SI_ZAC/0628
      Persönlicher Notariatsbestand, Laufzeit 1866–1881. Der Bestand umfasst u. a. notarielle Verträge, Testamente und Schuldverschreibungen.
      Archivführer – Zgodovinski arhiv Celje
    • Martin Miheljak als Sekretär der Narodna čitalnica
      In der Darstellung der Geschichte Cillis wird Martin Miheljak ausdrücklich als einer der Sekretäre der Narodna čitalnica genannt. Damit ist erstmals eine konkrete gesellschaftliche Funktion Martins im slowenischen Lese- und Kulturverein der Stadt belegt.
      Jožica Vodeb: Iz zgodovine Celja 1848–1918 – PDF
    • Zgodovinski arhiv Celje – Archivführer
      vodnik.zac.si
    • Zgodovinski arhiv Celje – Vodnik po fondih in zbirkah
      Ausführlicher Archivführer mit Angaben zu den Beständen des Zgodovinski arhiv Celje.
      PDF – Zgodovinski arhiv Celje
    • Bojan Himmelreich: „Gradivo notarjev Okrajnega sodišča Celje“, Arhivi 15 (1992), S. 50–53
      Überblick über die Celjer Notariatsbestände und wichtiger Ausgangspunkt für die archivalische Recherche zu Martin Miheljak.
      PDF – Arhivi 15 (1992)
    • Ivanka Zajc-Cizelj: „Narodna čitalnica v Celju 1862–1927“, Arhivi 28 (2005), Nr. 2, S. 353–374
      Zentrale Darstellung zur Geschichte der Narodna čitalnica in Celje.
      dLib – Digitalisat
    • Notarska zbornica Slovenije – Notarski vestnik
      Fachzeitschrift der slowenischen Notarskammer; enthält auch historische Beiträge zur Entwicklung des Notariats.
      Notarski vestnik
    • dLib – historischer Notarski vestnik 1925–1927
      Digitalisierte frühe Jahrgänge mit Beiträgen zur Geschichte und Entwicklung des slowenischen Notariats.
      dLib.si
    • Stadt Celje – Slowenischer Friedhof auf dem Golovec
      Die Stadt Celje erinnert dort an Martin Miheljak als „prvi slovenski notar v Celju“ – den ersten slowenischen Notar in Celje – und als Großvater Alma Karlins.
      Mestna občina Celje

    Tonika Miheljak – Theater und Narodna čitalnica

    • dLib – zeitgenössische Quelle zur slowenischen Theateraufführung von 1866
      In der von uns früher ausgewerteten Quelle erscheint „gospá. Tonika Miheljak“ als Mitspielerin. Die Aufführung vom 16. Dezember 1866 wird anschließend als letzte slowenische Theateraufführung im Celjer Theater bezeichnet.
      dLib – Digitalisat
      direktes PDF-Digitalisat
    • Ivanka Zajc-Cizelj: „Narodna čitalnica v Celju 1862–1927“, Arhivi 28 (2005), Nr. 2, S. 353–374
      Grundlegende Darstellung der Geschichte der Čitalnica und ihrer kulturellen Veranstaltungen, einschließlich der Theateraktivitäten.
      dLib – Digitalisat

    Überraschung 4 – Vilibalda und die Familie Miheljak

    • Matricula Online – Taufbuch Vilibalda Miheljak, Celje – Sv. Danijel, 1841–1849, Bl. 74
      Matricula Online
    • Matricula Online – Trauungsbuch Martin Miheljak und Helena Kovatsch/Kovač, Prevalje, 1841–1859, Bl. 71
      Matricula Online
    • Matricula Online – Trauungsbuch Vilibalda Miheljak und Jakob Karlin, Celje – Sv. Danijel, 1883–1897, Bl. 100
      Matricula Online
    • Matricula Online – Taufindex Ida Miheljak, Celje – Sv. Danijel
      Matricula Online
    • Matricula Online – Taufbuch Ida Miheljak, Celje – Sv. Danijel, 1849–1858, Bl. 85
      Matricula Online
    • Matricula Online – Trauungsbuch Ida Miheljak und Lorenz/Lovro Baš, Celje – Sv. Danijel, 1872–1882, Bl. 69
      Matricula Online

    Weitere Quellen zum historischen Umfeld

Denkmäler für Frauen