Marilyn Monroe in Haugesund, Norwegen

Nein, Marilyn Monroe selbst (*1. Juni 1926 in Los Angeles als Norma Jeane Mortenson; † 5. August 1962 ebenda) war nie in Haugesund.
Und doch gehört sie dort längst zum Stadtbild. Seit dem 31. August 1994 sitzt sie als Bronzestatue am Indre Kai, an der innerstädtischen Promenade direkt am Smedasundet. Sie ist dort eins der meistfotografierten Motive der norwegischen Hafenstadt.

Dass das knapp 40.000 Einwohner zählende Haugesund mit einer Marilyn-Monroe-Statue wirbt, hat zwei Gründe.

Der erste ist biografischer Natur. Marilyns Mutter Gladys war bei ihrer Geburt noch mit Martin E. Mortensen verheiratet, einem norwegischen Auswanderer mit Wurzeln in der Region Haugesund. Zwar lebte das Paar längst getrennt, dennoch stand sein Name auf der Geburtsurkunde. Lange galt Mortensen deshalb als Marilyns Vater. Bis 2022 eine DNA-Analyse bestätigte, dass tatsächlich Charles St. Gifford ihr leiblicher Vater war.

Der zweite Grund liegt an Haugesund selbst. Seit 1973 findet hier jedes Jahr das bedeutendste norwegische Filmfestival statt. Verliehen wird dabei mit der „Amanda“ Norwegens wichtigster Filmpreis.
Vor diesem Hintergrund erscheint Marilyn Monroe fast wie eine stille Dauergästin des Festivals, unabhängig davon, ob ihre Filme tatsächlich auf dem Programm stehen. Und gleichzeitig steuert sie dem Filmfestival und der kleinen Hafenstadt etwas „Hollywood-Glamour“ bei.

Den entscheidenden Anstoß für die Statue gab Ende der 1980er-Jahre der bekannte norwegische Filmkritiker und NRK-Filmexperte Pål Bang-Hansen. Wenn Marilyn biografische Wurzeln in Haugesund habe, so die Überlegung, dann verdiene sie dort auch ein Denkmal. Der Unternehmer Sigurd Aase griff die Idee auf, finanzierte das Projekt und organisierte die Aufstellung gemeinsam mit der Stadt. Das macht die Statue weniger zu einem offiziellen Kulturprojekt als zu einer Mischung aus Lokalmythos, Filmleidenschaft und privatem Enthusiasmus.

Soweit sich nachvollziehen lässt, gibt es bis heute kein großes Marilyn-Ritual in Haugesund: kein jährliches Monroe-Festival, keine feste Gedenkveranstaltung.
Ganz ohne offizielle Aufmerksamkeit bleibt es allerdings nicht: Zum 100. Geburtstag Marilyn Monroes am 1. Juni 2026 legten Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Blumen an der Statue nieder.

Auch die Statue selbst erzählt Geschichten.

Geschaffen wurde sie von Nils Aas, einem der bedeutendsten norwegischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts, der unter anderem Motive für norwegische Kronenmünzen entwarf. Anders als viele Marilyn-Denkmäler weltweit zeigt Haugesund nicht die berühmte Szene mit dem hochwehenden Kleid aus The Seven Year Itch.

In Haugesund dagegen sitzt eine junge, entspannte Marilyn Monroe, eine Frau die wesentlich mehr Talente hatte als die Öffentlichkeit wahrnehmen wollte. Ihre Pose erinnert auffallend an eine frühe Strandfotografie aus ihren Modeljahren: dasselbe angezogene Bein, derselbe Blick über die Schulter, dieselbe Leichtigkeit. Ob Nils Aas dieses Bild als Vorlage nutzte, lässt sich nicht beweisen. Die Ähnlichkeit ist jedoch bemerkenswert.

Eine kleine Geschichte rankt sich sogar um ihre Zigarette. Marilyn Monroe war Raucherin, und ursprünglich hielt auch die Statue eine Zigarette in der Hand. Doch bereits wenige Monate nach der Aufstellung wurde sie abgebrochen. Seitdem ist Marilyn in Haugesund unfreiwillige Nichtraucherin.

So sitzt sie nun am Indre Kai: Bronze auf Granit, der Blick in die Stadt gerichtet, den Rücken dem Wasser zugewandt.

Marilyn Monroe war nie in Haugesund. Aber vielleicht musste sie das auch gar nicht. Sie, nie fest beheimatet, hat nun trotzdem einen festen Platz in der Stadt – unabhängig von den inzwischen abhandengekommenen biografischen Wurzeln.

🔍 weiterführende Links (aufklappen)

1. Marilyn Monroe: Biografie, Name, Herkunft, Vaterfrage

2. Haugesund, Filmfestival und Amanda-Preis

3. Die Marilyn-Monroe-Statue in Haugesund

4. Bildhauer Nils Aas

5. Ergänzende lokale Berichte und Zeitungsarchive

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