Margarethe Engelhardt – ca. 1915–2001 – 50 Jahre Marktfrau auf dem Nürnberger Hauptmarkt
Sie war „eine Institution“ und bei allen Kunden nur bekannt als „die Marcharedd“(fränkische Variation von Margarethe) .
Ihre Standardbegrüßung: „Was braung mern heit?“
Mit dreizehn Jahren verdingte sie sich als Magd bei einem Bauern im Knoblauchsland – für einen Jahreslohn von 200 Mark.
Als sie 1948 zum ersten Mal ihren Stand auf dem Nürnberger Hauptmarkt aufbaute, lagen um sie herum noch Trümmer – und nicht nur reale Stein-Trümmer.
Sie kam mit Pferd und Wagen, beladen mit Gemüse aus dem Knoblauchsland.
Es war der Beginn von fast fünfzig Jahren Engagement als Marktfrau.
Das Knoblauchsland, nördlich von Nürnberg gelegen, ist eines der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete Deutschlands.
Die Geschichte dieser Kulturlandschaft reicht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Seit dem Mittelalter versorgt sie die Stadt Nürnberg mit Gemüse, Zwiebeln, Kraut und Knoblauch. Und auch heute ist dies Bezehung intakt – auch wenn die Bäuerinnen und Bauern frühmorgens nicht mehr lautstark mit ihren Gemüsekarren durch das Tiergärtnertor rumpeln. (Albrecht Dürrer konnte ein leidvolles Lied davon singen).
Margarethe Engelhardt – und ihr Denkmal – gibt heute dieser jahrhundertealten Beziehung zwischen Stadt und Land ein Gesicht.
Ihr Arbeitstag dauerte vierzehn Stunden. Sie trotzte Wind und Wetter, Kälte und Hitze. Sie verkaufte Kartoffeln, Karotten, Kohl und Eingemachtes – Jahrzehnt für Jahrzehnt am rot-weiß gestreiften Tisch der Familie Engelhardt aus dem Stadtteil Buch. Ihre Begrüßung war legendär: „Was braung mern heit?“ – Was brauchen wir heute? –
Ein einziger Satz … der zu ihrem Markenzeichen wurde.
Ihre Stammkunden kannten diesen Satz auswendig. Und sie durften, als Margarethe Engelhardts Augen schlechter wurden, das Wechselgeld selbst aus der Kasse nehmen.
Ihre Bekanntheit über Nürnberg hinaus erreichte sogar den bekannten Showmaster Rudi Carrell, der sie mit einem Lied über das „Nürnberger Original“ würdigte.
„Aufhören“ kam für sie nicht in Frage. Mochten es ihr Sohn oder andere wohlmeinende Leute auch noch so oft vorschlagen.
Und so stand sie bis 1997 auf dem Markt – noch mit über achtzig Jahren.
Im Jahr 2001 starb Margarethe Engelhardt.
Margarethe Engelhardt blickt auch heute noch durchgängig und ungehindert auf „ihren“ Hauptmarkt“ – und den Gemüsestand ihrer Familie.

Noch 2001 schuf die Nürnberger Bildhauerin und Malerin Barbara Kastl-Salaris (geboren 1955 in Wunsiedel), Meisterschülerin der Kunstakademie Nürnberg, eine Bronzebüste zu ihrem Gedenken. Gegossen wurde sie in der Nürnberger Erzgießerei Lenz.
Heute hängt die Büste an der Südostecke des Hauptmarkts, Hausnummer 12, gegenüber dem Eingang zur Frauenkirche. Die Inschrift lautet: „Liebenswerte Marktfrau auf dem Hauptmarkt in Nürnberg von 1948 – 1997.“
Foto: Dank dir, Anaïs!
🔍 weiterführende Links (aufklappen)
- Virtuelles Museum Nürnberger Kunst – Denkmaleintrag mit Fotos (2024): nuernberg.museum
- Nordbayern.de – Weltgästeführertag: Erinnerung an Nürnberger Marktfrauen (2013): nordbayern.de
- Fotocommunity – Foto und Beschreibung des Denkmals: fotocommunity.de
Dieser Artikel ist die erweiterte Fassung eines Blog-Eintrags von 2021. Zum ursprünglichen Text →
