Luise, Therese, Karoline

Straßennamen als Modekanon, nicht als Erinnerung

Meine Aufgabe: einen Einleitungssatz schreiben zum Straßenverzeichnis von Hof (Saale).
Zum Schluss frage ich Claude: „Prüfe noch mal die Seite. Vielleicht findest du noch einen Faden zu den Frauennamen, zu denen ich nichts gefunden habe.“
Die Antwort Für Rehau: Charlottenweg, Hedwigstraße, Karolinenstraße, Katharinenöhe, Luisenweg, Margarethenstraße, Marienstraße, Sofienstraße, Theresienstraße. Für Münchberg: Luisenstraße, Marienstraße, Sofienstraße. Ausnahmslos klassische Wittelsbacher- und Adelsvornamen des 19. Jahrhunderts.
Claudes Fazit: Luise, Therese, Karoline, Sophie, Charlotte, Hedwig, Margarethe, Maria, Katharina. Keinen einzigen Namen lässt sich ohne Archivrecherche einer konkreten Person zuordnen. Das sind keine versteckten Frauen in den Archiven. Das ist der Modekanon weiblicher Vornamen des 19. Jahrhunderts. Rehau und Münchberg haben systematisch aus dieser Liste benannt: nicht, weil jemand eine bestimmte Frau ehren wollte, sondern weil diese Namen damals einfach „weiblich“ klangen.
Peng: Das bestätigt eine These, der ich schon länger nachgehe:
Straßennamen werden zwar von Gremien vergeben, Babynamen von Eltern: aber beide spiegeln in der Gründerzeit den selben Modekanon.
Der Unterschied: Eltern wählten einen Namen für ein Kind. Gremien des 19. Jahrhunderts wählten einen Namen für eine Straße und taten dabei so, als würden sie jemanden ehren. In Wirklichkeit haben sie dekoriert.
Diese Straßen erinnern an keine Frau. Sie klingen nur so.

Auch wenn es mittlerweile gang und gäbe ist, jährlich eine Liste mit den beliebtesten Babynamen zu veröffentlichen:
Heute gäbe es einen shitstorm, wenn Gremien versuchen wollten, Straßennamen ohne Bezug zu einer historisch fassbaren Frau zu vergeben.

→ Rehau, Münchberg (Hof (Saale)- Straßen, Wege und öffentliche Räume)