Luise Fankhauser

Ein „Denk mal“ für ein ungewöhnliches Leben

Ein Kind aufzuziehen, braucht‘s ein ganzes Dorf.“ So sagt es eine landläufige Redewendung. Von Arbeit und Kosten für Alltag und Ausbildung ganz zu schweigen.

Sechzig Pflegekinder. Das ist keine Zahl, die man so einfach hinschreibt. Luise Fankhauser zog sie zusammen mit ihrem Mann groß, neben den vier eigenen Kindern: ohne pädagogische Ausbildung, ohne Reichtum, ziemlich sicher ohne Waschmaschine. Sie war eine engagierte Frau, die zupackte, wo sie Not sah:

Luise Fankhauser: 1917 geboren in Ebbs, Bezirk Kufstein (Tirol, Österreich); 2004 in der Stadt Kufstein gestorben. Man sieht, blieb Luise Fankhauser ihrer Tiroler Heimat ein Leben lang verbunden.

Schon früh arbeitete sie als Krankenpflegerin, von 1943 bis Mai 1945 im Krankenrevier des Durchgangslagers Wörgl, ebenfalls im Bezirk Kufstein. Was das bedeutete, lässt sich nur erahnen.

Nach Kriegsende begann das, was man ihr eigentliches Lebenswerk nennen könnte: Zwischen 1945 und 1975 nahmen sie und ihr Mann Pflegekind um Pflegekind auf. Rund sechzig insgesamt. Parallel dazu besuchte Fankhauser über mehr als zwei Jahrzehnte regelmäßig Patientinnen und Patienten der Nervenheilanstalt Hall, Menschen, die sonst kaum Besuch bekamen.
Dazu kam ihr Engagement in der katholischen Heimatgemeinde.

Woher Frau Fankhauser nur ihre Energie hernahm für dieses Mammutprogramm? Kann ich mir nicht mal mit all den heutigen Annehmlichkeiten, wie Spül- und Waschmaschine oder Fertiggerichten, vorstellen.
Aber was für ein Reichtum an Beziehungen und Liebe. Hier bewahrheitet sich ganz offensichtlich die Redewendung: „Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

1976 ehrte sie die Stadt Kufstein mit dem städtischen Ehrenzeichen.
Seit 2016 trägt eine Straße in Kufstein ihren Namen.
Und seit einigen Jahren erinnert eine Gedenktafel an sie: ein „Denk mal“, das den Begriff beim Wort nimmt.

Danke Petra (Atelier PAS) für diese Entdeckung und das Foto.

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