Lehrerinnenausbildung bei den Ursulinen im 19. Jahrhundert

Die Artikelreihe: Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

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Lehrerinnenbildung in der Steiermark vor und um 1869

Für die Steiermark ist für die Zeit vor 1869 zunächst ein grundlegender Unterschied zwischen der Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen festzuhalten: Die bestehenden staatlichen Präparandenkurse an den Normalschulen standen Frauen nicht offen. Einen staatlich organisierten Ausbildungsgang für angehende Lehrerinnen gab es daher vor der Neuordnung des Schulwesens nicht.

Frauen, die Lehrerin werden wollten, waren damit auf private Ausbildungswege und Privatunterricht angewiesen. In der überwiegend katholischen Steiermark spielten dabei die klösterlichen Schulen eine wichtige Rolle.

Zu diesen privaten Ausbildungswegen gehörten die Grazer Ursulinen. Sie boten bereits vor der staatlichen Neuordnung einen eigenen Vorbereitungskurs für angehende Lehrerinnen an. Dieser Kurs war Teil der privaten Lehrerinnenbildung und stand damit dem staatlichen Ausbildungswesen gegenüber.

Gerade für die Zeit vor 1869 ist das wichtig: Die Ursulinen waren nicht einfach eine zusätzliche Möglichkeit neben einer bereits bestehenden staatlichen Lehrerinnenausbildung. Ihr Kurs gehörte vielmehr zu den Ausbildungswegen, die Frauen überhaupt offenstanden, wenn sie den Lehrerinnenberuf anstreben wollten.

Lehrerinnenausbildung bei den Ursulinen

Mädchenbildung gehörte bereits lange vor den staatlichen Schulreformen zu ihren Aufgaben. Sie führten eigene Schulen und Internate und brauchten dafür entsprechend ausgebildete Lehrerinnen. Die Schwestern bildeten deshalb Lehrkräfte zunächst innerhalb ihrer eigenen klösterlichen Bildungstradition aus.

Die Schulreform Maria Theresias von 1774 veränderte diesen Rahmen grundlegend. Das Schulwesen wurde nun stärker staatlich geregelt; Unterricht, Lehrmethoden und auch die Qualifikation der Lehrkräfte wurden verbindlicher festgelegt. Die Grazer Ursulinen passten ihre Schule rasch der neuen Normalschulmethode an: Bereits 1777 fand eine öffentliche Prüfung vor der Normalschulkommission statt.

Damit bewegten sich die Ursulinen zunehmend innerhalb staatlicher Vorgaben. Sie behielten aber ihre eigene schulische und religiöse Tradition. Im 19. Jahrhundert entwickelten sie daraus auch eigene Vorbereitungskurse für Lehrerinnen. Aus einem solchen Vorbereitungskurs entstand in Graz schließlich eine dreijährige Lehrerinnenbildungsanstalt; die erste Reifeprüfung fand 1870 statt.

1870 konnten zwölf bereits vorgebildete Schülerinnen aus dieser privaten Ausbildung der Ursulinen und aus öffentlichen Schulen in den zweiten Jahrgang der neu eingerichteten staatlichen Grazer Lehrerinnenbildungsanstalt übertreten.

Für Vilibalda wäre dieser Ausbildungsweg also durchaus interessant gewesen. Sie wurde 1844 geboren; ihre Ausbildung dürfte, wenn sie im damals üblichen Alter von etwa 15 oder 16 Jahren begann, in die 1860er Jahre gefallen sein, also genau in eine Zeit, in der die staatliche Lehrerinnenbildung noch nicht existierte. Außerdem wurden an Ursulinenschulen auch Mädchen und junge Frauen von außerhalb aufgenommen, teilweise mit Internatsunterbringung.

Ob Vilibalda tatsächlich bei den Grazer Ursulinen ausgebildet wurde, lässt sich allerdings nicht nachweisen. Ihre Personal- oder Ausbildungsakten sind online nicht auffindbar. Die Ursulinen bleiben deshalb eine plausible, historisch gut begründete Möglichkeit, aber kein biographisch belegter Fakt. Eine endgültige Klärung wäre nur über die erhaltenen Schul- und Klosterarchive möglich.

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Elementarschulwesen und Lehrerbildung im Habsburgerreich: eine Einordnung
Almas Mutter: Vilibalda Miheljak
Die Entwicklung der Schulbildung in Cilli/Celje 1770–1918

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Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Alma Maximiliane Karlin: Kurzbiografie der Reiseschriftstellerin, Weltreisende und Grenzgängerin; Sichtbarkeit im Stadtraum

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Weiterführendes

🔍 weiterführende Recherche: „Ursulinen und Lehrerinnenausbildung“

Die Grazer Ursulinen betrieben bereits vor der staatlichen Lehrerinnenbildungsanstalt einen eigenen Ausbildungsgang für Lehrerinnen. Ob Vilibalda Miheljak dort tatsächlich ausgebildet wurde, ließ sich bislang nicht nachweisen. Die Spur bleibt für eine spätere Archivforschung offen.

Eine endgültige Klärung von Vilibaldas Ausbildungsweg wäre vermutlich nur über die erhaltenen Schul- und Klosterarchive möglich.

Denkmäler für Frauen