Vom Königreich Serbien zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen: 1878–1929

Die Artikelreihe: Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

Seiteninhalt
BegriffsklärungDas Königreich Serbien: kurzer historischer AbrissDas Attentat von SarajewoDas Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen: kurzer historischer AbrissHinweisWeiterführende Links und Quellen

Begriffsklärung

Als Alma M. Karlin 1889 in Cilli (deutsch) Celje /(slowenisch) geboren wurde, war ihre Heimatstadt als Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie deutschsprachig geprägt. Die Stadt gehörte zur „Untersteiermark“.

Als Alma M. Karlin 1919 von London nach Celje zurückkehrte, hatten sich die politischen und sprachlichen Verhältnisse total verändert. Die Stadt hieß nun offiziell nur noch Celje und gehörte zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS). Die slowenische Sprache war nun zur dominierenden öffentlichen und Verwaltungssprache geworden.

Um historische Missverständnisse zu vermeiden, eine extrem wichtige Begriffsklärung vorweg:
Das „Königreich Serbien“, das „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“, die „südslawischen Nationalbewegungen“ und „Jugoslawien“ sind historische politische Begriffe. Sie dürfen weder untereinander noch mit den heutigen serbischen oder slowenischen Nationalstaaten gleichgesetzt werden.

Das Königreich Serbien: kurzer historischer Abriss

Das Gebiet des späteren Königreichs Serbien war über Jahrhunderte Teil des Osmanischen Reiches. Im 19. Jahrhundert lösten sich serbische Gebiete schrittweise aus der osmanischen Herrschaft.

1878 wurde Serbien auf dem „Berliner Kongress“ international als unabhängiger Staat anerkannt.

1882 wurde aus dem „Fürstentum Serbien“ das „Königreich Serbien“. Fürst Milan Obrenović wurde König Milan I.
Das Königreich musste zwischen Russland und Österreich-Ungarn lavieren. Die Obrenović-Dynastie orientierte sich außenpolitisch stark an Österreich-Ungarn, von dem Serbien wirtschaftlich und politisch abhängig war. 1881 schloss Serbien sogar ein Geheimabkommen mit Österreich-Ungarn, das die serbische Außenpolitik stark einschränkte.

1903 gab es einen entscheidenden gewaltsamen Dynastiewechsel. Neuer König wurde Peter I. (Karađorđević). Unter seiner Herrschaft wendete sich das Königreich zunehmend Richtung Russland und Frankreich zu. Damit verschärften sich die politischen Spannungen mit Österreich-Ungarn, das große südslawische Gebiete, darunter Bosnien und Herzegowina, beherrschte.

1908 annektierte Österreich-Ungarn ganz formell Bosnien-Herzegowina, das es bereits seit 1878 aufgrund der Beschlüsse des Berliner Kongresses verwaltet hatte. Serbien beteiligte sich an den folgenden Balkankriegen 1912/13 und verdoppelte dabei sein Staatsgebiet. Dadurch veränderte sich Serbiens territoriale und politische Stellung erheblich.

Das Attentat von Sarajewo

Am 28. Juni 1914 ermordete Gavrilo Princip in Sarajevo den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie. Das Attentat fand vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Österreich-Ungarn, Serbien und verschiedenen südslawischen Nationalbewegungen statt. Die anschließende „Julikrise“ weitete sich innerhalb weniger Wochen zum Ersten Weltkrieg aus.

Historisch-geografisch wichtig:
Der junge bosnisch-serbische Nationalist Gavrilo Princip verübte das Attentat nicht auf serbischem Staatsgebiet. Sarajevo gehörte 1914 zu Bosnien-Herzegowina und damit zum Herrschaftsgebiet Österreich-Ungarns.

Randnotiz: Der 19-jährige Gavrilo Princip wurde 1914 von einem österreichisch-ungarischen Gericht in Sarajevo zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er starb 1918 im Gefängnis in Theresienstadt im Alter von 23 Jahren an Knochentuberkulose.

Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen: kurzer historischer Abriss

Slowenien gehörte bis 1918 überwiegend zu Österreich-Ungarn, insbesondere zu den Kronländern Krain, Steiermark und Kärnten.
Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns bildeten die slowenischen, kroatischen und serbischen politischen Vertreter in den ehemaligen habsburgischen Gebieten zunächst den „Staat der Slowenen, Kroaten und Serben“, der nicht lange Bestand hatte. Am 1. Dezember 1918 erfolgte die Vereinigung mit dem „Königreich Serbien“ zum „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“.

Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen bestand ab 1918 zunächst unter diesem Namen und wurde 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt.

Hinweis:

Diese nüchterne Aneinanderreihung der historischen Ereignisse soll lediglich den Rahmen aufzeigen, der Almas Leben beeinflusste. Die damit verbundenen politischen Spannungen um Zentralismus, nationale Autonomie und die zukünftige Staatsstruktur würden den Rahmen dieses einordnenden Artikels sprengen.

Cilli/Celje zur Lebenszeit A. M. Karlins: eine Stadt, zwei Sprachen, mehrere Staaten
Zwischen Sprache und Nation: Identitäten in der Habsburgermonarchie

***

Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Alma Maximiliane Karlin: Kurzbiografie der Reiseschriftstellerin, Weltreisende und Grenzgängerin; Sichtbarkeit im Stadtraum

Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.

Alma M. Karlin
Familie, Lebenswelten, Wege und Werk
Orte und Regionen
Cilli/Celje
Lebensstationen und Weltreise
Geschichte
Politik, Gesellschaft und Zeitgeschichte
Natur
Landschaften, Pflanzen und Tiere
Kultur
Sprache, Religion, Mythen und Alltag
Selbst weiterforschen
Quellen, Museen und Forschungsstand

Weiterführendes

🔍 Weiterführende Links und Quellen „Königreich Serbien: 1878–1929“

Wissenschaftliche und institutionelle Quellen