Jakob Karlin

Die Artikelreihe: Alma M. Karlin in europäischer Perspektive

*4. Juli 1829, Tunzovez/Tuncovec bei Rogaška Slatina; † 13.02.1898, Cilli/Celje

Seiteninhalt
Jakob/Jacob KarlinWas die Suche nach einem gemeinfreien Foto auslösen kannWas sich im Internet über Jakob Karlins militärisches Berufsleben findet – oder nichtBiografische SplitterDie Sichtbarkeit Jakob Karlins über seine TochterWeiterführende Links und Quellen

Weiterführend auf dieser Webseite
Kirchenbücher zur Familie Miheljak – QuellenübersichtKirchenbücher und Quellen zu Almas GroßmütterNachkommen von Helena und Martin Miheljak – genealogischer Überblick

Jakob/Jacob Karlin

Jakob/Jacob Karlin stammte aus Tuncovec bei der heutigen Stadt Rogaška Slatina. Er wuchs in einer bäuerlichen Familie auf.

Seine Eltern waren Gertraud Plevtschag (geb. 1808/09 – 22.03.1879, gestorben an Altersschwäche; 71 Jahre) und Georg Karlin (1791 – 16.01.1869, gestorben an Altersschwäche; 77 Jahre), beide 41 Jahre verheiratet.

Jakob hatte noch acht weitere Geschwister. Dazu aus der ersten Ehe Georg Karlins eine ältere Stiefschwester Agnes, deren Mutter bald nach ihrer Geburt gestorben war.

Obwohl er der Älteste der Geschwister war, übernahm Jakob nicht den Bauernhof seiner Eltern, sondern schlug eine militärische Laufbahn in der k.k. Armee ein. 1868 ist er als Oberleutnant im k.k. Infanterie-Regiment Nr. 47 nachweisbar; 1869 erscheint er als Hauptmann.

Seine aktive militärische Laufbahn endete 1878. Nach dem Eintrag in seinem Trauungsbuch war er „k.k. Major im Ruhestande“ und war aufgrund eines Reichs-Kriegs-Ministerial-Erlasses vom 25. Oktober 1878 in den Ruhestand getreten. Wann genau seine Beförderung zum Major erfolgte, ist bislang nicht geklärt.

Vilibalda Miheljak und Jakob Karlin heirateten am 6. Januar 1887 in der Kirche St. Daniel in Celje. Vilibalda war damals 42 Jahre alt, Jakob 57 Jahre. Jakobs Eltern waren zu diesem Zeitpunkt schon gestorben.

Als Alma 1889 geboren wurde, befand sich ihr Vater also bereits seit elf Jahren im Ruhestand.

Jakob Karlin starb 1898 laut Sterberegister an einem Lungenemphysem („Emphysema pulmonum“).

Was die Suche nach einem gemeinfreien Foto auslösen kann

Kurze Antwort: eine dreitägige Suche mit zwei KI-Systemen.
Sie führte zur Entscheidungsschlacht des Deutschen Krieges von 1866, in dem Preußen und Österreich um die politische Vorherrschaft in Deutschland rangen. Österreich verlor; Preußen setzte sich als führende Macht in Deutschland durch.

Die Suche führte zu Digitalisaten von militärischen Listen und zu zeitlichen Einordnungen von Militärkarrieren. Sie führte zur Suche nach Gruppenfotos mit Offizierkollegen Karlins.

Fazit: Das Foto fehlt weiterhin, ob aus dem privaten oder dem militärischen Umfelds. Aber es war eine faszinierende Reise durch die Historie mit überraschende Informationen und Hinweisen.

KI-Oma: Wie ich ein Foto suchte und bei Königgrätz landete

Was sich im Internet über Jakob Karlins militärisches Berufsleben findet – oder nicht

Die Suche nach einem gemeinfreien Foto von Jakob Karlin führte überraschend weit in seine militärische Vergangenheit. Die Suche verlief zwar erfolglos, dafür ließ sich seine militärische Laufbahn anhand verschiedener digitalisierter Quellen zunehmend genauer eingrenzen.

Besonders ergiebig waren die Militär-Schematismen. Sie zeigen Jakob Karlin 1868 als Oberleutnant im k.k. Infanterie-Regiment Nr. 47. 1869 ist er als Hauptmann nachweisbar.

Die Schematismen sind allerdings keine Personalakten: Sie verzeichnen vor allem Dienstgrad, Regiment und militärische Stellung, nicht die ausführliche persönliche Dienstgeschichte. Gerade deshalb ließ sich aus seinem späteren Fehlen in einem Schematismus zunächst nicht sicher schließen, was mit ihm geschehen war.

Die Recherche führte außerdem zum Österreichischen Staatsarchiv. Dort gibt es im Kriegsarchiv Qualifikationslisten ab 1869. Sie sind alphabetisch nach Personen geordnet und enthalten unter anderem Geburtsdaten, Eintritt in die Armee, militärische Laufbahn, Dienstverwendungen, Feldzüge, Auszeichnungen, Gesundheitszustand und die Eignung zur Beförderung.

Für Jakob Karlin ist dort der Namensbereich „Karlin – Karnell“, Nr. 1309 verzeichnet. Ein personenbezogenes Digitalisat von Jakob Karlin ließ sich online jedoch nicht nachweisen.

Auch die Suche in den Conduitelisten, den militärischen Pensionsunterlagen sowie weiteren online erschließbaren Beständen des Kriegsarchivs brachte keinen zusätzlichen personenbezogenen Nachweis.

Eine weitergehende Recherche würde letztlich eine Anfrage bzw. Einsichtnahme beim Österreichischen Staatsarchiv, Kriegsarchiv erfordern. Aber mein Forschungsziel ist ausdrücklich „Erinnerungskultur im Internet“.

Ein wichtiges Ergebnis der Recherche betrifft auch die zeitliche Einordnung seines Ruhestands. Erst der Trauungseintrag vom 6. Januar 1887 lieferte den entscheidenden Hinweis: Jakob Karlin wird dort als „k.k. Major im Ruhestande“ bezeichnet. Ein Zusatzvermerk nennt ausdrücklich den Reichs-Kriegs-Ministerial-Erlass vom 25. Oktober 1878, aufgrund dessen er in den Ruhestand getreten war. Wann genau er zum Major befördert wurde, ließ sich dagegen bislang nicht feststellen.

Eine neue spannende Forschungsfrage tut sich auf: Warum bezeichnet der Trauungseintrag von 1887 einen 1878 pensionierten Major ausdrücklich als „k.k.“?
Hintergrund zur Frage:
k.k. steht für kaiserlich-königlich und bezeichnet die österreichische Reichshälfte.
k.u.k. steht für kaiserlich und königlich und bezeichnet die gemeinsamen Institutionen der österreichisch-ungarischen Monarchie nach dem Ausgleich von 1867.

Was bleibt also? Kein Foto. Aber: Die dreitägige Suche hat Jakob Karlin als militärische Person etwas sichtbarer gemacht.
Wie ich ein Foto suchte und bei Königgrätz landete

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Sein persönliches Leben bleibt weitgehend unsichtbar. Alma macht ihn als Vater sichtbar.

Biografische Splitter

Hauskauf in Celje
Im Dezember 1887 erwarben Jakob Karlin und Vilibalda Miheljak bei einer Versteigerung ein Haus an der damaligen Ljubljanska cesta in Celje. Der Eintrag in das Grundbuch erfolgte am 15. Dezember 1887; Jakob und Vilibalda wurden jeweils als Hälfteeigentümer eingetragen. Nach Jakobs Tod am 13. Februar 1898 blieb Vilibalda alleinige Eigentümerin. Nach ihrem Tod am 26. September 1928 wurde im Verlassenschaftsverfahren vom 18. Januar 1929 ihre Tochter Alma Karlin als Erbin eingetragen. Zum geerbten Besitz gehörten das Haus an der Ljubljanska cesta sowie ein Grundstück (eine Wiese) in der Katastralgemeinde Medlog; der Gesamtwert des Besitzes wurde mit 120.000 Dinar angegeben.

Weitere Karlin aus Tuncovec – Kirchenbücher
In den Kirchenbüchern von Jakobs Heimatort finden sich die Einträge zu seinen Eltern und Geschwistern. Die Ergebnisse finden sich im folgenden Artikel:
Almas Großmütter: typische Frauenleben des 19. Jahrhunderts

Neben Jakobs Eltern und Geschwistern finden sich in den Kirchenbüchern noch viele „Karlin“, nähere und weitere Verwandte Jakobs. Ich habe diese Einträge quer gelesen und nicht weiter recherchiert oder dokumentiert. Aber eine Auffälligkeit hat mich trotz allen zeitlichen und persönlichen Abstands berührt, weil auch dies ein typisches Familienschicksal war: Jakobs nächstfolgender Bruder Anton und dessen Frau haben mindestens vier Kinder im Alter von 11 Tagen bis 22 Jahren verloren.

Die Sichtbarkeit Jakob Karlins über seine Tochter

Da Almas Buch „Ein Mensch wird. Auf dem Weg zur Weltreisenden“ bislang nicht digital verfügbar ist, kommt einer frei zugänglichen wissenschaftlichen Analyse besondere Bedeutung zu. Die 2023 erschienene Online-Publikation Sprache und Stil im Werk von Alma M. Karlin (Hrsg. Horst Ehrhardt und Vida Jesenšek) enthält mehrere wissenschaftliche Analysen von Almas autobiografischem Schreiben.*

Den persönlichen Blick auf Jakob Karlin eröffnet Alma selbst. In ihrer Autobiographie „Ein Mensch wird“ beschreibt sie die Beziehung zu ihrem Vater mehrfach sehr unmittelbar. Die folgenden Passagen sind über die frei zugänglichen wissenschaftlichen Analysen von Melanija Larisa Fabčič und Vida Jesenšek zugänglich.
Die Seitenzahl nach „Karlin 1931/2018“ bezieht sich jeweils auf die zitierte Ausgabe von Alma M. Karlins Autobiographie Ein Mensch wird. Auf dem Weg zur Weltreisenden. Die nachgestellte Seitenzahl des jeweiligen wissenschaftlichen Beitrags – etwa „Fabčič, S. 95“ oder „Jesenšek, S. 116“ – bezeichnet die Seite, auf der das Zitat in der von mir verwendeten wissenschaftlichen Online-Publikation wiedergegeben bzw. analysiert wird.

Stärker, überwältigender war der Eindruck, den ich von der Größe der Erdkugel erhielt. Eines Tages wanderten Vater und ich über die Felder der Sanntaler Ebene, die zu jener Zeit noch nicht Hopfenanlagen, sondern Getreide aufwies und hinter der, fern und dunstig, die Sulzbacheralpen im ersten Abendschein flimmerten. Der Wind verwandelte die reifenden Ähren in ein strohgelbes Meer, aus dessen Gewoge da und dort hellroter Mohn oder leuchtende Kornblumen brachen. So weit das Auge schaute,
nichts als wogendes Korn und wieder wogendes Korn, in bläulicher Ferne von Bergen eingeschlossen.
(Karlin 1931/2018: 21); zit. nach Fabčič S. 95)

(2)
Obschon mehr als ein halbes Jahrhundert zwischen uns lag, verstanden Vater und ich uns vorzüglich. Wir hatten das gleiche Temperament und – so weit dies bei so ungeheurem Altersunterschied denkbar ist – den gleichen Geschmack. Wir mieden die Menschen und suchten einsame Wege. (Karlin 1931/2018: 14; zit. nach Jesenšek S. 116)

(3)
Seine Erziehungspläne deckten sich nicht mit denen meiner Mutter. Er wünschte, mich körperlich kräftig und seelisch stark zu machen, und schied daher jedes Bangewerden aus. Er trachtete, mich stets als Knaben zu behandeln, und daher sollte ich recht militärisch mit den Armen schlenkern, wenn wir gemeinsam ausmarschierten. Eins-zwei, eins-zwei! Die Handschuhe, von Mutter mühsam hinaufgezwängt, wurden sofort […] wieder abverlangt, und wenn er nicht beide verlor, so verlor er doch sicher einen. Ob mit, ob ohne Absicht, vermag ich nicht zu sagen. Im Frühjahr führte er mich zum Friseur und ließ mich glatt scheren, zum Entsetzen meiner Mutter und meinem nicht geringem Stolz, weil sich das Haar dann so wunderbar wie eine Bürste anfühlte. Wenn ich hinfiel und mir der Ellbogen blutig schlug, sagte er mir: „Halt‘ die Hand auf dem
Rücken, damit Mama nichts merkt!“
(Karlin 1931/2018: 14f.; zit. nach Jesenšek S. 117

(5)
Von meinem Vater so erzogen, war ich pünktlich wie der Tod, nie launenhaft, weder aus Veranlagung noch mit böser Absicht, nie zärtlich (weder einer Frau noch einem Manne gegenüber), und wenn ich mich täglich wusch, so geschah es, um am ganzen Leibe und nicht nur da oder dort rein zu sein, und zwar meiner eigenen und nicht fremder Befriedigung willen. (Karlin 1931/2018: 178; zit. nach Jesenšek S. 119)

(7)
Mit dem Ableben meines Vaters war das Sonnige meines Daseins vorüber. Vorher hatte ich immer das sichere Gefühl gehabt, unter einer schützenden Wölbung zu sitzen; nun merkte ich mit Erschrecken, daß in dieses Schutzdach ein breites Loch geschlagen war, durch das es hereinregnete und blies. (Karlin 1931/2018: 33; zit. nach Jesenšek S. 120)

Almas Mutter: Vilibalda Miheljak
Alma, die Naturbeobachterin

* Nach der Veröffentlichung dieses Artikels habe ich Almas Originalmanuskript gefunden: → Karlin, Alma M. (1931), „Ein Mensch wird : Aus Kindheit und Jugend“ (pdf, deutsch, kostenlos). Die Auswertung steht noch aus. Der vorliegende Artikel, der sich auf eine spezielle wissenschaftliche Arbeit bezieht, bleibt daher gültig. Eine Auswertung des Originalmanuskripts würde einen eigenen neuen Artikel ergeben.

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Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Alma Maximiliane Karlin: Kurzbiografie der Reiseschriftstellerin, Weltreisende und Grenzgängerin; Sichtbarkeit im Stadtraum

Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.

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Links und Quellen

🔍 Weiterführende Links und Quellen „Jakob Karlin“

Militärische Quellen

Infanterie-Regiment Nr. 47

Genealogische Forschung zu Jakob Karlin

Hausbesitz in Celje

  • Davor Mlinarič: „Vzemi Almin žolč!“
    Zgodovina za vse 32 (2025), Nr. 1. Auf Grundlage von Archiv- und Grundbuchquellen dokumentiert der Beitrag die Geschichte der Häuser Almas Karlins in Celje. Für Jakob und Vilibalda besonders relevant: der Erwerb eines Hauses an der damaligen Ljubljanska cesta im Dezember 1887, die Eintragung vom 15. Dezember 1887 und die spätere Eigentumsumschreibung auf Vilibalda.
  • Zgodovina za vse 1/2025 – Zgodovinsko društvo Celje
    Seite des herausgebenden Historischen Vereins Celje zum Heft mit Mlinaričs Beitrag.

Alma Karlin und die Sichtbarkeit des Vaters

  • Sprache und Stil im Werk von Alma M. Karlin
    Hrsg. Horst Ehrhardt und Vida Jesenšek. Der frei zugängliche wissenschaftliche Sammelband enthält unter anderem die Analysen von Melanija Larisa Fabčič und Vida Jesenšek, über die die im Artikel verwendeten Passagen aus Karlins Autobiographie zugänglich sind.
  • Alma M. Karlin: Ein Mensch wird – Aus Kindheit und Jugend
    Digitalisiertes deutsches Manuskript von 1931, NUK, Ms 1872. Das vollständige Digitalisat ist bei dLib als PDF und TXT verfügbar. Für die Jakob-Recherche relevant, weil Alma darin ihren Vater an mehreren Stellen beschreibt.

Hinweis zur Quellenlage

Die online zugänglichen Quellen erlauben eine zunehmend genauere Rekonstruktion von Jakob Karlins Leben, Herkunft, militärischer Laufbahn und Familienbesitz. Für weiterführende personenbezogene militärische Angaben – insbesondere zur Beförderung zum Major und zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst – wäre eine Recherche in den Beständen des Österreichischen Staatsarchivs bzw. Kriegsarchivs der nächste Schritt.

Denkmäler für Frauen