Heilige und Unheilige. Offizielle Erinnerung und Volksgedächtnis. Zwei Seiten einer Medaille.

Vier Städte. Ein Muster.

Bamberg, religiöses Zentrum Frankens. Bayreuth, Pilgerzentrum aller Wagnerianer. Hamburg, Hansestadt und weltoffene Metropole. Haugesund, Heimat des bedeutendsten norwegischen Filmpreises.
Vier Städte, verschiedene Länder, weit auseinandergelegen – und dasselbe Muster.

Bamberg: Kaiserin Kunigunde auf dem Domberg, heiliggesprochen, in Stein gemeißelt. Und Agnes Schwanfelder, Gärtnerin, die 1454 mit dem berühmten Fluch vor Gericht, dem Götz-Zitat, Geschichte schrieb.
Beide haben eine Straße.

Bayreuth: Straßen, benannt nach Wagneropern. Und die Frauenstraße, deren ‚ältestes Gewerbe‘ dort (ab etwa 1466) längst vergessen ist, während der Name blieb.

Hamburg: Marion Gräfin Dönhoff, Ehrenbürgerin, Herausgeberin der ‚Zeit‘, hat seit 2018 eine Brücke. Die Reeperbahn – per se ein lebendes Denk-mal.

Haugesund, Norwegen: Elisabeth Knutsen, Stadträtin und Stifterin, steht in Bronze am Rathausplatz. Amanda Louise Stangeland, Witwe und Schnapsbrennerin, lebt in einem brkannten, oft gesungenen Shanty – und gibt dem renommiertesten Filmpreis Norwegens ihren Vornamen, verbunden mit einer kleinen Skulptur (Kopie einer großen vor den ‚Festiviteten‘).

Städte brauchen ihre heiligen und ihre unheiligen Frauen. Immer beides.
Und das ist kein Zufall, sondern eine Bedingung: Städte, die nur das Eine kennen, erzählen immer nur die halbe Geschichte von sich selbst.

Denkmäler für Frauen
Statement der "Südstädterin": Biografien sind politisch. Sichtbarkeit ist eine Machtfrage. (Stadt-)Geschichte ist nicht neutral. Hier geht es um Frauen. Punkt. Global & europäisch – Geschichte endet nicht an Grenzen.