Bamberg – Straßen, Wege und öffentliche Räume

Bamberg aus Frauenperspektive

Bamberg eignet sich überraschend gut für eine ungewöhnliche Form der Analyse: das Alphabet.
In einer alten Bischofs- und Residenzstadt würde man vielleicht eine streng traditionelle Erinnerungskultur erwarten: Heilige, Fürstinnen und ehrwürdige Namen. Doch die alphabetische Reise durch die Frauenstraßen der Stadt erzählt etwas anderes. Zwischen religiösen Frauenfiguren, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Wohltäterinnen und lokalen Persönlichkeiten entstehen unerwartete Brüche, Widersprüche und Leerstellen. Das Alphabet wirkt dadurch nicht neutral, sondern wie eine zweite Stadtkarte: Es zeigt, welche Frauen sichtbar wurden, welche Rollenbilder dominierten – und welche Geschichten bis heute fehlen.

Liste der Straßen – alphabetisch geordnet:

A– Agnes, Andacht und Alltag

Dass die alphabetische Reise durch Bambergs Frauenstraßen ausgerechnet mit Agnes Schwanfelder beginnt, wirkt fast symbolisch. In der alten Bischofs- und Residenzstadt stehen nicht nur Heilige und fromme Frauenbilder im öffentlichen Raum, sondern auch widersprüchliche, lebensnahe und überraschend menschliche Figuren. Schon der erste Buchstabe zeigt damit, dass Erinnerungskultur in Bamberg vielfältiger ist, als es das traditionelle Stadtbild vermuten lässt.

Agnes Schwanfelder – Gärtnerin, um 1454

Sie wurde bekannt durch einen Rechtsstreit – und gilt als „Erfinderin“ des Götz-Zitats (sogar der Tag ist bekannt: 4. Oktober 1454). Der Stadtrat dieser religiös so stark geprägten Stadt bewies mit ihrer Straßenbenennung Selbstironie und Lebensklugheit.

„Nur heilig sein“ überfordert die Menschen – es braucht das Gegengewicht der menschlichen Vielfalt.“

Agnes
Schwanfelder

um 1454
Gärtnerin, die wg. eines Rechtsstreits bekannt wurde. „Erfinderin“ (am 4.10.1454) des späteren sog. Götz-Zitates
Fürstin Agnes von Andechs-Meranien
um 1000
Amalie von Oldenburg
1818 – 1875
verheiratet mit König Otto I. Friedrich Ludwig von Griechenland
Hauptinteresse Landwirtschaft, förderte moderne Anbau-
methoden
Dr. Anna Linder
Ärztin kümmerte sich im WK I um Kriegs-
gefangene in russischen und sibirischen Gefangenen-
lagern.
Anna Maria Junius
um 1600 –
1675

Dominikanerin,Priorin
Ihre Eltern wurden als Hexe und Hexer verbrannt.
Hl. Anna
Mutter Marias
Erinnerung an eine Annenkapelle des 14./15. J.h.
Augusta Marie Luise Katharina von Sachsen-Weimar-Eisenach
1811 – 1890
deutsche Kaiserin und preußische Königin
Kriegs-
gegnerin –
initiierte Krankenhaus-
gründungen

Schon nach dem ersten Abschnitt fällt auf: Das Alphabet bleibt lückenhaft. Mehrere Buchstaben tauchen überhaupt nicht auf. Die Leerräume zeigen symbolisch, wie begrenzt die Zahl weiblicher Straßennamen bis heute geblieben ist – selbst in einer Stadt mit langer Geschichte und ausgeprägter Erinnerungskultur.

C – Zwischen Adel, Alltag und Erinnerung

Klara von Favarone
Klara von Assisi
1193 – 1253
gründete den Clarissenorden, der 1253 nach ihr benannt wurde

D

Dorothea von Cäsarea
ca.: 290 – 304
Märtyrerin
von Gärtnern und Bauern des Berggebietes besonders verehrt
Dr. Ida Noddack
1896 – 1978
Chemikerin
gründete mit ihrem Mann das ‚Staatl. Forschungs-
institut für Geochemie‘ –
Mitentdeckerin des Elements Rhenium

E

Elisabeth von Thüringen
1207 – 1231
Str. benannt nach dem im MA hier befindlichen Elisabethen-Spital
Elsa Brandström
1888 – 1948
schwed. Kankenschwester, bekannt als „Engel von Sibirien“

F

Maria
Vorplatz zur Kirche ‚Zu Unserer Lieben Frau‘
Standort des ehemaligen „Frauenhauses“ (= Hurenhaus)

G

Gertrud von Nivelle
626 – 659
Straße zur Erinnerung an das ehem. St.-Gertrauden-Spital mit St.-Gertrauden-Kapelle (ab ca. 1137)
Sophie Scholl
1921 – 1943
Widerstands-kämpferin gegen NS-Diktatur
(hingerichtet)
Gisela (Silke, Gila, Gislinde, Gizella) von Ungarn
um 985 – 1060
Schwester des hlg. Kaisers Heinrich II. und Frau des ungarischen Königs Stephan.

H

Hedwig von Andechs-Meranien
1174 – 1243
Patronin Schlesiens
Hildegard von Bingen
1098 – 1179
Äbtissin der Benediktinerinnen von Rupertsberg
Expertin der Natur- und Heilkunde
Komponistin
u.v.m.

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K

Karoline Friederike von Baden
1776 – 1841
1. Bayr. Königin
Katharina von Alexandrien
wahrscheinlich nicht historisch
Straße nach Wirtschaftshof des Katharinen-
spitals (ab spätestens 1237)
Katharina von Alexandrien
wahrscheinlich nicht historisch
Straße nach ehemaligen
Feldbesitz des Katharinen-
spitals
Kunigunde von Luxemburg
um 978 – 1033
Kaiserin
1200 heilig gesprochen, zusammen mit Ehemann Kaiser Heinrichs II.
Kunigunde von Luxemburg
um 978 – 1033
Kunigunde von Luxemburg
um 978 – 1033

L

Louise Ludovica Wilhelmine
1808 – 1892
Ehefrau von Herzog Maximilian in Bayern

M

Maria Magdalena
benannt nach der alten St. Magdalenen-
kapelle
Hl. Margareta von Antiochia
Wende 3./.4. J.h.
Patronin der Bauern
zählt zu den 14 Nothelfern
Maria Lerch
1884 – 1962
Zeichnerin, Skulpteurin, Bildhauerin
Maria Ward
(Mary Ward)
1585 – 1645
Ordens-schwester
Sie gründete 1627 eine Schule für Mädchen in München („Englische Fräuleins“)
Friederika Franziska Auguste
M a r i e
Hedwig
1825 – 1889
bayr. Königin
Friederika Franziska Auguste
M a r i e
Hedwig
1825 – 1889
bayr. Königin
Friederika Franziska Auguste
M a r i e
Hedwig

1825 – 1889
bayr. Königin
Minna Neuburger
Mitinhaberin der Schuhfabrik „Gebr. Neuburger AG
Sie wurde 1942 nach Izbica in Polen deportiert, ihr weiteres Schicksal bzw. die Umstände ihrer Ermordung sind nicht bekannt.

N

Klara von Favarone
Klara von Assisi
1193 – 1253
Der Steg erinnert an das Klarissenkloster (gestiftet 1341)

O

Dorothea von Cäsarea
ca.: 290 – 304

Märtyrerin
von Gärtnern und Bauern des Berggebietes besonders verehrt
Karoline Friederike von Baden
1776 – 1841
1. Bayr. Königin

R

Fanny Deckert
1902 – 1966
Mundart-
dichterin („Raatschkatl“)

T

Therese Charlotte Luise von Sachsen-Hildburghausen
1792 – 1854
Königin von Bayern
nach ihr benannt: die Theresienwiese; Hochzeit: Start des Oktoberfestes

Frauen in Oberfranken

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Statement der "Südstädterin": Biografien sind politisch. Sichtbarkeit ist eine Machtfrage. (Stadt-)Geschichte ist nicht neutral. Hier geht es um Frauen. Punkt. Global & europäisch – Geschichte endet nicht an Grenzen.

Hinweis:
Basis meiner Recherche zu Namenserklärungen ist die Arbeit von Heinz F. Fränkel: „Neue und alte Bamberger Straßen“, 4. verb. Auflage 2002 Fränkel
Dazu die folgende Seite: wunderburg

Recherchestand Straßen: 12.2021