Wer sich mit der Pflanzen- und Tierwelt Sloweniens beschäftigt, begegnet früher oder später der Sage vom weißen Steinbock Zlatorog. Sie spielt zwar in den Julischen Alpen, erzählt aber von etwas, das für das ganze Land typisch ist: von der engen Verbindung zwischen Landschaft, Pflanzen, Tieren und den Menschen, die dort leben. Auch Alma Karlin wuchs in einer solchen von Bergen, Wäldern und Flüssen geprägten Landschaft auf. Die außergewöhnliche Vielfalt der slowenischen Flora und Fauna entstand durch die Lage des Landes zwischen Alpen, Mittelmeer, Pannonischer Tiefebene und Dinarischem Gebirge.
Siehe mehr im Kontextartikel Wo Europas Landschaften zusammentreffen: Sloweniens geologische Vielfalt
Vier Naturräume, ein kleines Land
Slowenien ist kaum größer als Hessen. Auf gut 20.000 Quadratkilometern treffen dennoch vier grundverschiedene Naturräume aufeinander: die Julischen Alpen im Nordwesten, das Karstgebiet im Südwesten, ein schmaler mediterraner Küstenstreifen an der Adria und das pannonische Flachland im Osten.
Das Aufeinandertreffen dieser vier Naturräume erklärt eine für die Landesgröße ungewöhnliche Artenvielfalt. Auf nur 0,004 Prozent der Erdoberfläche kommen etwa ein Prozent der weltweit bekannten Organismen vor. Slowenien zählt damit zu den biodiversitätsreichsten Staaten der Europäischen Union.
Diese unterschiedlichen Naturräume prägen jeweils eine eigene Tier- und Pflanzenwelt. In den Julischen Alpen wachsen Endemiten (Arten, die weltweit nur in einer Region vorkommen) wie der Julische Mohn. Steinböcke, Gämsen und Steinadler sind typische Bewohner der Hochlagen. Der Karst beherbergt mit dem Grottenolm eine Tierart, die ausschließlich im Dinarischen Karst vorkommt, während die Feuchtgebiete des Ostens zahlreichen Vogelarten Lebensraum bieten.
Wald und Wildnis
Rund 58 bis 61 Prozent der Landesfläche sind bewaldet, nur Schweden und Finnland weisen in Europa höhere Waldanteile auf. Dieser Waldreichtum, gepaart mit dünner Besiedlung im Süden, hat Slowenien zum Land mit der höchsten Braunbärendichte Europas gemacht. Aktuelle Schätzungen gehen von rund 950 Braunbären aus, die meisten davon in den Wäldern von Kočevje und Notranjska.
Schutz als Staatsprinzip
Slowenien hat rund 35 Prozent seiner Fläche als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen, der höchste Flächenanteil innerhalb der Europäischen Union. Geschützt werden dort 312 Tier- und Pflanzenarten sowie 60 Lebensraumtypen. Herzstück des Naturschutzes ist der Triglav-Nationalpark in den Julischen Alpen, seit 1981 einziges Großschutzgebiet des Landes und seit 2003 UNESCO-Biosphärenreservat.
Alma Karlins Interesse an der Pflanzenwelt und ihre botanischen Sammlungen sind Thema eines eigenen Kontextartikels.
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→ Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.
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🔍 Weiterführende Links „Flora und Fauna Sloweniens“ (aufklappen)
Natur und Biodiversität
- Slowenische Regierung: Natur und Biodiversität – gov.si
- Natura 2000 in Slowenien – Natura 2000 Slovenia
- Triglav-Nationalpark – Triglav National Park
Zlatorog und Naturmythologie
- Die Sage vom Zlatorog – Triglavska zakladnica
- Baskar, Bojan (2022): The Zlatorog Tale and Slovenian National Identity, Acta Histriae 30, S. 591–602 – PDF
Wälder und Wildtiere
- Waldbedeckung und Forstpolitik der Europäischen Union – Europäisches Parlament
- Grottenolm und Höhlenökologie – Postojna Cave
- Aktuelle Entwicklung des Braunbärenbestands – SRF
Landschaft und Natur erleben
- Offizielles Tourismusportal Sloweniens – I feel Slovenia
- Bären, Wälder und Naturerlebnisse – I feel Slovenia – Braunbären

