Der Hochzeitsspruch entstand anlässlich der Hochzeit von Barbara Löffelholtzin und Jacob Pömer, die den Nürnberger Patriziergeschlechtern Pömer und Löffelholz von Colberg angehörten.
Verfasst wurde er von Anna Weckerin, der Witwe des Arztes Dr. Hanns Jacob Wecker. In Nürnberg gedruckt von Nicolaus Knorr.
In dem umfangreichen Spruch verbindet sie die biblische Schöpfungsgeschichte mit einer ausführlichen Betrachtung von Ehe und den Pflichten von Mann und Frau. Zahlreiche biblische Frauenfiguren dienen dabei als Beispiele.
Ein Hochzeit Spruch/ zu Ehren und glücklicher Wolfart. Dem Erbarn und Vesten Junckhern/ Jacob Pommern/ und seiner Erbarn und Tugentsamen Braut/ Jungfrawen Barbara Löffelholtzin: Gestellet Durch/ Anna Kellerin: Doctor Hannß Jacob Wecker seligen hinderlassene Wittfraw. Gedruckt zu Nürmberg/ durch Nicolaum Knorrn.
Behutsam modernisierte Fassung : Original
Gott hatte die Welt vollendet und alle Dinge für gut erkannt. Nachdem dies in seinem Rat beschlossen war, war alles durch sein Wort sehr gut. Da machte er auch den Menschen, wohl betrachtet, aus einem Erdenkloß. Nach seinem Ebenbild schuf er ihn und hauchte ihm den lebendigen Atem ein. Daraus wurde eine lebendige Seele, nachdem sie Gott wohlgefiel.
Got hat der Welt volend und alle ding für gut erkent/ Nach dems war baschlossen in seim Rat/ War es als sehr gut durch sein Wort/ Da hat er auch den Menschen gmacht/ Auß eim Erdenkloß wol betrachtet. Nach seiner Bilnuß schuff er jhn/ Ein lebend Athem bließ jm ein. Daraus ward ein lebende Seel/ Nach dem vnd sie Gott woll gefiel/
Als er nun den Menschen von Gott wohl geschaffen hatte, führte er ihn in den Garten, den er auch dafür gut bereitet hatte, damit dem Menschen alles diene. Alles sollte wachsen und sich vermehren, damit sich der Mensch davon ernähren konnte. Er schuf das Vieh, groß und klein, dazu die Vögel und Fische, die der Mensch regieren sollte. Deshalb führte Gott sie ihm selbst zu. Auch sollte er alle Früchte essen, nur nicht vom Baum des Lebens, durch den Gut und Böse erkannt werden. Sonst würden sie sogleich des Todes sterben.
Als er nun von Gott wol gformiert Hat er jhn in den garten gfiert/ Den er auch hatt bereitet wol/ Zu allm das dem Mensch dienen sol/ Es solt als wachsen vnd sich mehrn. Daß sich der Mensch davon möchrt nehrn/ Er schuff das Vieh groß vnd auch klein/ Darzu die Vögel Fisch als rein/ Welchs alles der Mensch solt Regiern/ Darumbs jm Gott thet selbs zufuhrn/ Auch solt er essen alle frucht/ Ohn von dem Baum deß Lebens nicht/ Dadurch guts und böß wird erkandt/ Sunst sturben sie deß Todts zu hand/
Gott gab jedem Tier seinen Namen. Doch fand sich unter ihnen nichts seinesgleichen. Von jeder Art fand sich ein Paar, aber für den Menschen war noch nichts ihm Gleiches geschaffen. Da sprach Gott: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die ihm am nächsten steht und ihm in seinen Angelegenheiten zur Seite steht.
Eim jedn gab er seinen Namen/ Da fand sich nichts seines Stammen/ Ein jeder art fand sich ein Paar Seins Gleichen noch nichts gschaffen war/ Da sprach Gott/ es wird nicht gut sein/ Daß der Mensch sollte sein allein/ Wir wölln jhm ein gehüllfen machn/ Der jhm zu nechst stand in sein sachn/
Da ließ Gott einen tiefen Schlaf über den Menschen fallen. Er nahm ihm eine Rippe aus seinem eigenen Leib und baute daraus das Weib. Die Stelle füllte er wieder mit Fleisch und brachte das Weib zu ihm, nach seinem Willen. Mit ihr sollte er die Welt vermehren und darin seinen Schöpfer ehren. Auch sollten sie ewig leben; sie waren unsterblich geschaffen.
Da ließ Gott auff den Menschen falln/ Ein tieffen schlaff/ Nam in dem alln Ein Ripp auß seinem Eygen leibe Darauß bawete er das Weib/ Thet die stat mit Fleisch zufüllen/ Brachts Weib zu Jhm/ Nach seim willen/ Mit deren Er die Welt solt mehrn/ Darin auch seinen schöpfer Ehrn/ Auch das sie lebten Ewiglich/ Sie waren gschaffen unsterblich/
Er sprach: Dies ist Bein von meinem Bein, eine Hilfe, die mir am nächsten sein wird. „Männin“ wird man sie nennen, weil sie vom Mann genommen ist. Deshalb wird der Mensch Vater und Mutter verlassen, wie es sich gebührt, und seinem Eheweib anhangen. Die beiden werden zwei Seelen und ein Leib sein.
Er sprach das ist bein von meim bein/ Ein hülff der Nechst bey mir wird sein/ Männin wird man heissen jhrn Nam/ Darumb das sie gnommen vom Mann/ Derhalb der Mensch verlassen wird/ Vatter/ Mutter wies sich gebürt/ Vnd anhangen seinem Ehe Weib/ Die werden sein zwo Seel ein Leib/
So wurde die erste Ehe geschaffen. Wehe dem Menschen, der sie verachtet! Gott will, dass die Welt auf diese Weise vermehrt wird und dass seine Ordnung nicht verkehrt wird.
Jst also die Erst Ehe gemacht/ Weh dem Menschen der sie veracht/ Gott will daß der Welt also werd gmehrt/ Vnd sein ordnung mit nicht verkehrt/
Da wir nun heute auch ein solches junges Ehepaar haben, reich an Ehre und gutem Namen und von ihren Eltern guter Herkunft, die jetzt zur Ehe gegriffen und diesen löblichen, seligen Stand angenommen haben, den Gott allein eingesetzt hat, möge er sie behüten, damit sie darin unversehrt wandeln und ihrem Schöpfer wohlgefallen. Möge er ihnen geben, dass sie sein Reich vermehren und mit seinem Sohn Christus Erben werden. Gott gebe ihnen Frucht aus ihrem Leib, denn dazu hat er sie als Mann und Frau geschaffen. Er behüte sie, damit sie unbefleckt und rein leben, was auch immer für ein Kreuz sie trifft. Und er segne sie wie Abraham, damit ihr Name auch im Glauben groß werde, zum Lob des Herrn Jesus Christus, durch den der Ehestand geheiligt ist.
Demnach dann wir auch haben heut/ Solcher zweyer Junger Eheleuth/ An Ehrn Reich und gutes Namen/ Von jhrn Eltern gutes Stammen/ Welche zur Ehe jetz griffen hand/ Nach löblichen seeligen stand/ Den Gott allein hat auffgesetzt/ Er bhüt sie das sie vnuerletzt/ Darinnen also mögen walln/ Vnd jhrem schöpffer wolgefalln/ Daß sie auch jn mehren sein Reich/ Mit seim Sohn Christo Erben gleich/ Gott geb jhn frucht von ihrem Leib/ Darumb er sie schuff Mann vnd Weib/ Er bhüt sie daß sie unbefleckt/ Rein leben/ was schon Creutz zutregt/ Vnd segne sie wie Abraham/ Auch im Glauben groß werd jr Nam/ Zu Lob dem Herrn Jesu Christ/ Durch den der Ehestand heilig ist.
Christus selbst vergleicht sich mit der Kirche, nennt sie seine Braut und das Himmelreich. Er will an ihrem Tun Gefallen haben, wenn sie in seiner Furcht bleibt.
Sich selber mit der Kirch vergleicht/ Nennt sie sein Gspons vnd Himelreich/ Wil jhm jhr thun gefallen lohn/ So sie bleibt in seiner forcht schon/
Da ihr nun das Freudenmahl haltet und dazu Jung und Alt gekommen sind, so ladet auch Christus dazu ein, damit euch nichts fehle. Lest fleißig die Psalmen Davids und seht, wie der Gottesfürchtige dadurch bestehen kann. Auch das Buch der Weisheit zeigt, welchen Nutzen die Gottesfurcht den Frommen bringt und was die Schälke von hier forttragen, die hiernach allem Wohlleben nachjagen.
Weil jhr denn jetzt das Freudmal halt. Vnd darzu kommen Jung vnd Alt/ So thund Christum dazu auch ladn/ Wolt jhr das jhr kein mangel habn/ Davids Psalmen thutt wol lessen/ Wie der Gottesförchtig mag genesen. Es zeigt an das Buch der Weißheit/ Was nutz Gottsforcht den Frommen treidt/ Auch was die Schälck von hinnen tragn/ Sie hie nach allem wollust jagn/
Paulus gibt uns eine gute Lehre: Jeder, der in der Ehe lebt, soll sie in Ehren halten. Der Mann soll seine Frau gut behandeln und sie achten wie seine eigene Seele. Niemand hat sein eigenes Fleisch gehasst. Deshalb sagt Paulus, dass die eheliche Liebe verlangt, mit ihr verständig zusammenzuleben und auf die Schwächere Rücksicht zu nehmen.
Paulus der gibt uns gute Lehr/ Das jederman der Ehe hab in ehr/ Der Mann das Weib sol halten wol/ Wie sein Seel er sie achten sol. Niemandt hat ghasst sein eigen Fleisch/ Drumb sagt er das der Ehe lieb erheisch/ Mit bescheidenheit bey jhr wohnen/ Als deß schwächern jhr verschonen/
Kein Prahlen und kein grobes Reden soll er mit ihr treiben. Sie ist eine Rippe aus seinem Leib, zunächst unter seinem Herzen genommen. Gott gab sie ihm ohne Schmerzen. Darum soll er seine Gabe nicht verachten, besonders wenn sie das Lob einer guten Ehefrau verdient.
Kein bochen/boldern mit jhr treib/ Sie ist ein Ripp von seinem Leib/ Zunechst gnommen vnter dein Hertzen/ Gott gab sie dir ohn allen schmertzen/ Darumb veracht jhm nicht sein gab/ Voraus wenn sie hat Weiber lob/
Die Liebe deckt vieles zu; die Liebe macht vieles, was sonst unangenehm wäre, gut. Wenn er Fehler an ihr findet, soll er sie mit Sanftmut heimlich und still zurechtweisen.
Die Liebe viel verdecken thut/ Die Liebe macht viel ungschmackts gut/ Was die an jhren fehlen wil/ Straffs mit sanfftmut Heimlich vnd still.
In der Ehe wird nicht alles süß sein; das Kreuz läuft immer mit hinein. Trage es nach dem Herrn mit Geduld und bedenke, dass die Sünde wohl daran schuld ist. Setze dein Leben für Frau und Kinder ein, damit ihre Ehre nicht verletzt wird. Hilfe und Trost soll die Frau beim Mann finden, damit sie keinen Anlass zur Sünde hat.
Jn der Ehe wirds nit alls süß sein/ Das Creutz laufft jmmer mit hinein/ Trags nach dem herrn mit gedult/ Denck das die Sünd wol hab beschuld/ Für Weib vnd Kind dein Leben setz/ Auff das jhr Ehr nicht werd verletzt/ Hülff trost solls Weib beym Mann finden/ Das sie nicht vrsach hab zu sünden/
Auch gegenüber seinem Gesinde soll der Mann christlich leben und nicht wie ein Tyrann mit ihnen umgehen. Er soll nicht wie ein Heide schimpfen und fluchen, sondern Gottes Wort immer fleißig suchen. Auch seine Kinder soll er richtig erziehen, damit er durch sie nicht beschämt wird. Er soll ihnen jederzeit ein gutes Beispiel geben, wie Frau, Kind und Gesinde leben sollen.
Vor seim Gesind auch Christlich wandln/ Nit wie ein Tyrann mit jhn handln/ Nicht wie ein Heyd schehren und fluchn/ Gottes wort allzeit fleissig suchn/ Seine Kinder auch ziehen recht/ Das er von jhnen nicht werd schmecht/ Ein gut Exempel allzeit geben/ Wie das Weib/ Kind/ vnd Gsind soll lebn/
Der Mann soll das Brot verdienen und für sein Alter Vorrat schaffen, damit, wenn er von Frau und Kindern scheidet, sie nach ihm noch ihren Lebensunterhalt finden. Und er soll dies mit Gott und Billigkeit tun, damit der Nächste dadurch nicht geschädigt wird.
Gewinnen sol der Mann das Brot/ Seinem Alter schaffen vorrath/ Das so er Scheid von Weib vnd Kindn/ Sich nach jhm jhre Narung findn/ Vnd das mit Gott vnd billigkeit/ Auff das der Nechst nicht werd beleidt.
Auch die Frau soll in Gottesfurcht leben und dem Mann nicht mit Gewalt widerstreben, solange er sie nicht von Gott abweist. Mit Fleiß soll sie ihn in Ehren halten und genau darauf achten, was er von ihr verlangt. Wenn ihr etwas nicht gut erscheint, soll sie Gelegenheit suchen, es mit Bescheidenheit zu ändern.
Das Weib sol auch in Gottsforcht lebn/ Dem Mann mit gwalt nicht widerstrebn/ Wenn er sie nicht von Gott weisst ab/ Mit fleiß sie jhn in ehren hab/ Wol mercken was er heissen thut/ Hat sie denn etwas nicht für gut/ So suche sie gelegenheit/ Das sies wend mit bescheidenheit/
Sanftmütig soll sie ihm gegenüber sein und bedenken: Er ist dein Herr. Gott hat es dir auferlegt, dass du dich vor deinem Mann beugen sollst. Bei Sara sollen wir dies lernen; sie nannte Abraham ihren Herrn.
Sanfftmütig sol sie gegen jhm sein/ Dencken er ist der Herre dein/ So hats Gott glegt auff dein rücken/ Das dich vor deim Mann solt dücken/ Bey der Sara wir sollen lernen/ Die heist Abraham einen Herren.
Alle Töchter, die ihr im Glauben nachfolgen, sollen sich daran halten. Wenn er aber nicht alles tut, was er tun soll, soll sie dennoch versuchen, ihm zu gefallen. Es soll auf keinen Fall Bitterkeit zwischen ihnen geben; die Liebe verbindet allen Schmerz und alles Leid. Gegen ihn soll sie keine Gewalt gebrauchen, sondern ihre Sache mit Freundlichkeit erreichen.
Der Töchtern all die worden sind/ So man wie sie im Glauben find/ Thut er denn nicht alls was er sol/ Laß sie jhn doch jhr gefallen wol/ Bey leib kein bitterkeit sich find/ Die Lieb all schmertz vnd leid verbind/ Gegn jhm sol sie nicht brauchen gwalt/ Mit freundlichkeit dein sach erhalt/
Eine christliche Frau kann auch ihren Mann gewinnen, wenn sie es mit Gott klug angeht. Eine vernünftige und verständige Frau ist die Ehre ihres Mannes und erhält seinen Leib. Ihr Gemüt soll sie nicht der Hoffart überlassen.
Ein Christlichs Weib zeucht auch ein Mann/ Wenn sies mit Gott greifft flüglich an/ Ein vernünfftigs verstendigs Weib/ Jst deß Manns ehr/ erhelt sein Leib/ Jhr Gmüt geb sie der hoffart nicht/
Paulus gibt auch darüber eine gute Lehre, wie der Schmuck der Frauen beschaffen sein soll und wie sie schön auftreten sollen: nicht mit geflochtenem Haar und mit Gold geschmückt, sondern so, wie es sich gebührt. Zucht und Schamhaftigkeit stehen einer Frau wohl an, zusammen mit guten Werken.
Paulus der gibt ein guten Bricht/ Was der Weiber geschmuch sol sein/ Vnd das sie schön gehen herein/ Nicht in Haarflechten Gold gezirt/ Doch lest er nach was sich gebürt/ Zucht/ scham die steht eim Weib wol an/ Mit guten Wercken angethan/
Eine närrische, hässliche und zänkische Frau erregt viel Hass und großes Übel, Jammer und Mord und bringt auch die Seele ins Verderben, wie die gottlose Isebel.
Ein närrisch/ hädrichs/ zennckisch Weib/ Erregt viel haß vnd grosses Eib/ Jammer vnd Mord/bringt auch vmb der Seel/ Wie die Gottlose Jsabel/
Eine Frau soll auf Frieden bedacht sein und ihren Mann nicht zum Zorn reizen. Seht, wie sich Abigail verhielt, als Nabal sich so hässlich aufführte. Als David von ihm Speise verlangte und Nabal seine Stimme nicht hörte, redete sie nicht noch Böseres dazu und fragte nicht: Warum sollten wir es tun?
Ein Weib sol sein auff Frieden gricht/ Den Mann zu zorn anrichten nicht/ Secht wie sich Abigael halt/ Da sich Nabal so heßlich stalt/ Als David speiß von jhm begert/ Vnd Nabal seine stimm nicht hört/ Redt si nicht noch bösers darzu/ Sprach nicht warumb solten wirs thun/
Sobald die Sache zu ihr kam, nahm sie sich nicht lange Zeit zum Nachdenken. Sie fragte auch ihren Mann nicht danach, obwohl sie seinen Unverstand erkannte. Schnell und behend machte sie sich auf, belud ihre Esel und setzte sich selbst darauf. Fleisch, Brot und Trank hatte sie reichlich dabei. Sie fuhr mit Zucht und Erbarkeit hin und stillte den Zorn und Grimm des Königs, damit Nabal nicht durch ihn umkam und mit ihm auch unschuldiges Blut vergossen wurde, das sie durch ihre Demut verhinderte.
Sondern so bald jhr der sach fürkam/ Nicht lang sie sich zubdencken nam/ Fragt auch nicht darumb jhren Mann/ Sein vnuerstand sah sie doch an/ Schnell vnd behind macht sie sich auff/ Lud jhre Esel saß selbst drauff/ Fleisch Brot vnd Tranck hat sie wol breit/ Fuhr hin mit Zucht vnd Erbarkeit/ Stallt ab deß Königs zorn vnd grim/ Das Nabel nicht kem vmb von jhm/ Mit jhm auch das vnschuldig Blut/ Das sie mit jhr Demut verhut/
So liest man auch von Judith: Ihre Tugend und Ehre retteten Land und Leute. Auch haben viele christliche Frauen ihre Männer gewonnen, sodass diese zum Glauben kamen. Ebenso lehrt die Mutter Lemuels, was sich für eine fromme Frau gehört.
Also lißt man von der Judith/ Jhr Tugend/Ehr/ rett Land vnd Leut/ Auch habn viel Christlich Frawn gwunnen/ Jhr Mann das sie zum Glauben kommen/ Deß gleich Lamuels Mutter lehrt/ Was einm frommen Weib zu gehört/
Lies dies aufmerksam und richte dich nach ihrer Lehre, dann wirst du Ruhm und Ehre haben. Ihre Kinder wird sie zur Gottesfurcht erziehen, damit sie Schande und Laster fliehen. Durch Kindergebären wird die Frau selig werden, wenn sie im Glauben rein bleibt.
Liß wol schick dich nach jhrer Lehr/ So wirstu haben Rhum vnd Ehr/ Jhr Kinder wirds zur Gottsforcht ziehn/ Auff das sie schand vnd Laster fliehn/ Durch kinder gbern wird selig sein/ Das Weib wanns bleibt im Glauben rein/
Eine fromme Frau ist ein guter Teil. Wem Gott eine solche gibt, der wird Heil haben. Sie erfreut ihren Mann in der Not, wenn sie mit Weisheit handelt. Wem Gott eine solche Frau beschert hat, der ist bei Gott und den Menschen geehrt.
Ein fromb Weib ist ein gutter theil/ Dem sie Gott gibt wird haben heil/ Die erfrewt den Mann in der nöth/ Wenn die mit der Weißheit umbgeht/ Wem Gott ein solche hat beschert/ Der ist von Gott vnd Menschen gehrt/
Ebenso haben wir jetzt eine solche Frau, der wir dieses Vertrauen entgegenbringen: dass sie in ihrem Stand Gott ehren, sein Reich erweitern und helfen wird, es zu mehren. Denn sie ist wohl erzogen, wie sie von jedermann gelobt wird.
Gleichsfals wir jetzund eine habn/ Zu dern wir das vertrawen tragn/ Das sie werdt in jhrm standt Gott ehrn/ Sein Reich weittern vnd helffen merhn/ Dieweil sie ist gar wol erzogn/ Wie sie men niglichen thut lobn/
Ihr beide habt hier das Beispiel vor Augen, wie eine rechte christliche Ehe sein soll. Beginnt nur in der Gottesfurcht, dann werdet ihr auch seinen Segen haben. Sucht Gottes Lob in allen Dingen, dann wird es euch hier und dort gelingen.
Jhr habet beyd das Beyspil wol/ Wie ein recht Christlich Ehe sein sol/ Greifft nur in der Gottes furcht an/ So werd jhr auch sein Segen han/ Gottes lob sucht in allen dingen/ So wirds euch hie vnd dort gelingen/
Liebt auch sein Wort allezeit, damit man sehen kann, wessen Kinder ihr seid. Haltet sein Gebot immer vor Augen und glaubt keinem anderen. Bedenkt, dass ihr sterblich seid und dass alles hier ein Ende nimmt.
Auch liebet sein Word allezeit/ Das man sehn mög weß Kind jhr seid/ Sein Gbot habt allezeit vor augen/ Keinem andern gebet glauben/ Betrachtet das jhr sterblich sind/ Vnd alles hie ein ende nimbt/
An Schönheit, Ehre, Gut und Geld mag es euch in dieser Welt an nichts fehlen. Aber dies alles fährt nicht in den Himmel. Der Herr Christus lehrt etwas anderes: Wir sollen nichts lieber haben als ihn, wenn wir in sein Reich gelangen wollen.
An schöne/ Ehre/ Gut vnd Gelt/ Mangelt euch nichts in dieser Welt/ Das aber nicht in Himel fehrt/ Ein anders der Herr Christus lehrt/ Das wir nichts sollen lieber han/ Denn jhn/ wölln wir in sein Reich gahn/
Reichtum mag er euch wohl gönnen, sofern ihr das ewige Gut sucht. Denn wer irgendetwas mehr liebt als ihn, der wird seiner nicht würdig sein.
Reichthumb er euch wol gönnen thut/ So fern jhr sucht das ewig gut/ Denn wer was mehr liebet denn jhn/ Derselbe wird sein nicht werd sein.
Hiermit wünsche ich euch Glück und Heil und dass euch Gottes Geist zuteilwerde. Wenn ihr euren Lauf vollendet und Gott das Leben zurückgebt, möge er euch an den Ort führen, an dem die Ehe ihren Ursprung hat: zu Christus ins Paradies. Dort möget ihr mit den Engeln Gott preisen, eine Freude, die ewig währt.
Hiemit wünsch ich euch glück vnd heil/ Das euch Gottes Geist werd zutheil/ Wenn jhr volbringet ewren lauff/ Vnd Gott gebend das Leben auff/ Das er euch führe an die stat/ Da die Ehe jhren Vrsprung hat/ Zu Christo in das Paradeyß/ Mit den Engln singn Gott Preyß/ Ein Frewd die ewiglichen werdt/
Amen, wer es von Herzen begehrt.
Amen wer es von hertzen bgert.
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Quelle des Originals:
Anna Wecker, „Ein Hochzeit Spruch“ (1586), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/von-den-reformationen-bis-zum-dreissigjaehrigen-krieg-1500-1648/ghdi:document-5449> [06.06.2026].
angleichender Text an die heutige Sprache von mir
