Die Schwestern Balbierer

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BALBIERERSTRASSE

IN. Fürth
WANN: 1902
BENANNT NACH: den Schwestern Balbierer – Elisabeth, Margarete und Magdalena

Die Schwestern Balbierer

Elisabeth Kunigunde Balbierer (02.08.1804 – 25.12.1868)
Margarete Rosine Elisabeth Balbierer (30.04.1806 – 20.01.1869) und deren Halbschwester Magdalena Geck, genannt Balbierer (24.01.1799 – 26.01.1874) – uneheliche Tochter der Mutter Anna Maria

Sie stammen aus Wirts- und Branntweinbrennerfamilien, die auch Grund- und Hausbesitzer waren.
Alle drei Schwestern wurden gemeinsam großgezogen, sie blieben lebenslang unverheiratet und lebten bis zu ihrem Tod zusammen.

Soziales Engagement

Die Schwestern waren bekannt durch ihre großzügigen Spenden für soziale Zwecke, im Wesentlichen im Fürther evangelischen Kirchenbereich. Insgesamt spendeten sie über 11.000fl.

Dieses soziale Engagement war zu dieser Zeit dringend nötig.
Durch die Industrialisierung und den Anschluss an die Eisenbahn ging es der Stadt Fürth wirtschaftlich sehr gut („Fürth – Stadt der tausend Schlote“). Die soziale und gesundheitliche Lage der arbeitenden Bevölkerung war dagegen schlecht. Die soziale und gesundheitliche Lage der arbeitenden Bevölkerung war dagegen schlecht – oft auch die verwitweter Frauen.

Fürth ist bis heute bekannt für seine vielen namentlich bekannten Stifterinnen, Stifter und Stifterfamilien (oft agierten bekannte Männer im Auftrag ihrer unbekannten Frauen und Mütter, weil diese gesetzlich „nicht geschäftsfähig“ waren) – und sei es nur noch durch Benennung von Straßen, sozialen Einrichtungen, Brunnen u.a. mehr.

Die letztüberlebende Schwester, Magdalene Geck, verfügte in ihrem Testament eine „Geschwister Balbierersche Stiftung“ – eine zweigeteilte Stiftung: für „unbescholtene Witwen und Waisen“ sowie eine „Brautstiftung“.

Leider fielen die Stiftungen der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Sie wurden 1928 aufgelöst.
Aber die Balbiererstraße hält die Erinnerung an ihr soziales Engagement und an ihre finanzielle Großzügigkeit fest.

Mich interessierten die beiden folgenden Einrichtungen besonders:

a) die Lehmus’sche Kinderbewahranstalt (oder Kleinkinderschule) mit 500 fl.

Die „Lehmus’sche Kinderbewahranstalt“ wurde am 14. August 1837 eröffnet. Sie war einer der frühesten „Kindergärten“ Deutschlands, wenn nicht gar der erste.
Die Motivation von Pfarrer Lehmus der ev. Stadtkirche St. Michael: diese „Kleinkinderbewahranstalt“ mit Bildungsauftrag sollte verhindern, dass Fürths Mädchen und Buben „leiblich und geistig“ vernachlässigt werden oder verwahrlosen.

Auch die bayerische Königin Therese unterstützte diese Einrichtung jährlich mit 50fl.

b) Geschwister Balbierer‘sche Brautstiftung:

Wer konnte sich für die jährliche Ausschüttung von 200fl. bewerben?
Anzeige am 4. Januar1876: „Die Verleihung geschieht an unbescholtene Mädchen jungfräulichen Standes und protestantischen Bekenntnisses, welche entweder mit der Stifterin verwandt sind oder der hiesigen Stadt angehören und von ihren Eltern keine – 100 fl. übersteigende – Mitgift erhalten können, auch keinen Gewinn in einer Aussteueranstalt gemacht haben. Außerdem wird noch erfordert, dass die zu Bedenkenden das 18. Lebensjahr zurückgelegt und das 30. noch nicht überschritten haben.
Außerdem wird noch erfordert, dass die zu Bedenkenden das 18. Lebensjahr zurückgelegt und das 30. noch nicht überschritten haben.“

Um die Spenden-Summen einschätzen zu können, hier eine sehr grobe Einordnung von „500fl.“

„fl“: -süddeutscher Gulden (Florin), die damalige bayerische Währung. 1873/74 wurde im Reich auf Mark umgestellt

Währung:
1873: 500 fl (Bayern) = rund 857 Mark (Deutschland)
2024: 6.600 € (BRD – Umrechnung Dt. Bundesbank)

Durchschnittslohn 1873:‘
Landarbeiter: 150–300 Mark jährlich
Ungelernter Industrie- und Bauarbeiter: 450 – 750 Mark jährlich
Handwerker: 750 -1200 Mark jährlich

Jährlicher Durchschnittslohn in Bayern 2025
50.000€

Frage:

Die 500fl. der Schwestern Balbierer entsprachen also dem jährlichen Durchschnittslohn eines ungelernten Industrie- und Bauarbeiters.
Könnten Sie sich vorstellen, einmal einer sozialen oder bildenden Organisation einen heutigen Durhschnitts-Jahreslohn zu spenden?

🔍 Quellen und weiterführende externe Links:

  • „Magdalena Geck, genannt Balbierer“. In: Renate Trautwein: „1000 Fürther FrauenLeben“ (emwe-Verlag – Nürnberg 2007), Seite 143
  • Balbiererstraße“. In:Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z (Buch), 1984, Seite 36
  • Marina Hochholzner „Hat Fürth den ältesten Kindergarten Deutschlands?“, in nordbayern.de vom 23.10.2018
  • Geschwister Balbierersche Stiftung, fürthwiki [abgerufen am 17.08.2025]
  • Lehmus’sche Kinderbewahranstalt, fürthwiki [abgerufen am 17.08.2025]
  • Friedrich Lehmus, fürthwiki [abgerufen am 17.08.2025]
  • Münzgesetz von 1873 – „der Gulden süddeutscher Währung zum Werthe von 15/7 Mark“ – wikisource [abgerufen am 17.08.2025]
  • South German gulden, Wikipedia EN [abgerufen am 17.08.2025]
  • Deutsche Bundesbank pdf [abgerufen am 17.08.2025]

🔍 interne Links

  • Fürth Straßen (link)
  • Die Schwestern Balbierer (blog)

Stand: 08.2025