Denkmal für die lesbischen Opfer der NS-Zeit

Denkmal für die lesbischen Opfer der NS-Zeit auf dem Magnus-Hirschfeld-Platz:

„In Gedenken an die lesbischen Frauen, die im Nationalsozialismus unter dem Vorwand von Prostitution, Asozialität, Kriminalität verfolgt wurden“.

Warum dieser Umweg über „Prostitution, Asozialität, Kriminalität“?
Weil lesbische Frauen im Nationalsozialismus rechtlich unsichtbar waren. Der Paragraph 175, der gleichgeschlechtliche Sexualität unter Strafe stellte, galt ausschließlich für Männer. Lesbische Frauen wurden nicht als solche verfolgt, Sie fielen unter andere Kategorien: als „asozial“, als unbequem, als nicht normkonform. Diese fehlende rechtliche Handhabe macht ihre Verfolgung schwerer nachweisbar und ihre Anerkennung als NS-Opfer bis heute umstritten. Die Bundesrepublik rehabilitierte die nach Paragraph 175 verurteilten Männer 2017. Eine vergleichbare Geste für lesbische Frauen steht aus, weil es die entsprechenden Urteile offiziell nicht gab.

Am 15.05.2020 verkündet die Stadt Nürnberg in einer Pressemitteilung, dass sie die Neugestaltung des 500 Quadratmeter großen Magnus-Hirschfeld-Platzes, zeitgleich so benannt, abgeschlossen hat.

Bei dieser Neugestaltung wurde dem Platz als letzter Baustein an diesem Gedenkort für schwule und lesbische Opfer des NS-Regimes die „Lesbengedenkkugel“ aus Naturstein dazugefügt – von Bastian vom CSD-Verein in Handarbeit angefertigt.

Ein Platz, aufgeladen mit Gedenken an viele NS-Opfer, für schon leider vor dieser Zeit diskriminierte und bis heute Diskriminierung ausgesetzter Menschen!

Dr. Magnus Hirschfeld: deutscher, aus jüdischer Familie stammender Nervenarzt und Sexualwissenschaftler, am 14. Mai 1935 in seinem Exil in Nizza verstorben. Zuvor hatten die Nationalsozialisten 1933 seine Institutsbibliothek, seine Büste und die von ihm verfassten Bücher und Schriften während der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz vernichtet.

Der Magnus-Hirschfeld-Platz ist ein viel genutzter und sichtbarer Platz an der südlichen Stadtmauer, neben dem Germanischen Nationalmuseum, schräg gegenüber dem Opernhaus.
Der Platz erinnert mit mehreren Symbolen an die vielen, bekannten und unbekannten, diskriminierten und getöteten queeren Opfer mit …
– der Gedenkkugel für die lesbischen Opfer
– der Stele für die homosexuellen Opfer
– einer Sitzbank in Regenbogenfarben 
– einem symbolisch gestalteten Blumenbeet

Denkmäler für Frauen

Werden Sie selbst zur Forscher*in – auf vier Wegen:

Denkmäler entdecken
Gezielt nach Lage suchen
Biografien lesen
Für wen ist das Denkmal?
Muster erkennen
Wann errichtet? Was fällt auf?
Analog erkunden
Straße ins Navi – und los!
Statement der "Südstädterin": Biografien sind politisch. Sichtbarkeit ist eine Machtfrage. (Stadt-)Geschichte ist nicht neutral. Hier geht es um Frauen. Punkt. Global & europäisch – Geschichte endet nicht an Grenzen.