Höhere Mädchenschulen waren meist deutschsprachig und damit für viele slowenischsprachige Mädchen nur eingeschränkt erreichbar.
Vilibalda Miheljak unterrichtete durchgängig rund 36 Jahre lang (1870 – 1906) das Fach Deutsch an der Deutschen Mädchenschule in Cilli/Celje.
Mit der Bezeichnung „Deutsche Mädchenschule“ war damals die Unterrichtssprache gemeint, nicht zwangsläufig die nationale oder ethnische Zugehörigkeit der Schülerinnen oder Lehrkräfte.
Es wäre interessant zu wissen, welche Position Vilibalda im Cillier Schulstreit vertreten hat. Bei dieser Auseinandersetzung ging es darum, ob am örtlichen Gymnasium für Jungen slowenisch-sprachige Parallelklassen eingerichtet werden sollten.
In dieser Stadt, in der sich deutsch-österreichische und slowenische nationale Bewegungen zunehmend gegenüberstanden, wurde die Schule zum politischen Kampfplatz. Der Streit eskalierte letztlich so stark, dass sogar die Regierung in Wien zurücktreten musste.
Fragen zu Mädchenbildung und die Professionalisierung von Lehrerinnen liefen eher am Rande mit, waren aber natürlich auch von diesem Streit mitbetroffen. Ich kann mir vorstellen, dass sich auch an den Schulen die Schulfamilien spalteten: in national gesinnte Deutsch-Österreicher, die „Deutsch“ als „Bastion des Deutschtums“ betrachteten und Slo-
wenisch als „rudimentäre Sprache“ diskriminierten, und in diejenigen, die den Slowenen und der slowenischen Sprache mehr Geltung verschaffen wollten.
Es standen sich im Cillier Schulstreit unterschiedliche politische und gesellschaftliche Interessen gegenüber:
- National gesinnte Deutsch-Österreicher, die „Deutsch“ als „Bastion des Deutschtums“ betrachteten und Slowenisch als „rudimentäre Sprache“ diskriminierten
- Die römisch-katholische Kirche verteidigte vor allem die konfessionelle Schule. In der Sprachenfrage war ihre Haltung stark von den regionalen Verhältnissen und der Sprache ihrer Gläubigen geprägt: Im mehrheitlich slowenischsprachigen Celje unterstützte sie die Forderungen nach einer stärkeren Berücksichtigung des Slowenischen, während sie in überwiegend deutschsprachigen Regionen entsprechend deutschsprachige konfessionelle Schulen verteidigte.
- Die liberale slowenische Partei (Narodno-napredna stranka), die die Gleichberechtigung des Slowenischen und eine stärkere slowenische Präsenz im Bildungswesen forderte.
Almas Familie
Auch Almas Familie und Verwandte konnten in diesem Konflikt unmöglich neutral sein. Ihre Familien stammten aus slowenischen Herkunftsmilieus, zugleich war Deutsch zumindest in Almas unmittelbarer Familie die Sprache des Alltags und der Bildung. Auch ihre Tante Ida, Vilibaldas Schwester, sprach mit Alma immer Deutsch. Ob Deutsch jedoch auch in Idas eigener Familie die vorherrschende Alltagssprache war, lässt sich derzeit nicht sicher sagen.
Deutsch war in Cilli die Sprache, die den Zugang zu Bildung, bürgerlichem Aufstieg und gesellschaftlichem Einfluss ermöglichte. Andererseits war Idas Mann, Lorenz Baš, Politiker der liberalen slowenischen Partei (‚Narodno-napredna stranka‘) sowie Herausgeber und Redakteur der Zeitung „Domovina“. Er setzte sich somit politisch für die Stärkung des Slowenischen und der slowenischen nationalen Interessen ein. Eine Tochter von Ida und Lorenz, Meta Baš, studierte zwar Deutsch, Französisch und Englisch, wurde aber als bedeutende Schauspielerin des slowenischen Theaters in Celje bekannt.
Alma selbst stand lebenslang zu ihrer deutschsprachigen Prägung, und sie veröffentlichte fast alle ihre Schriften in Deutsch. Slowenisch sprach sie, im Gegensatz zu anderen Sprachen, nie fließend.
Eine Antwort, ob sie innerfamiliäre Spannungen mitbekommen hat oder gar mit hineingezogen worden ist, kann wahrscheinlich nur über ihre Schriften herausgefunden werden.
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→ Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
Jeder Artikel geht einer Frage nach.
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🔍 weiterführende Links „Cillier Schulstreit 1895“ (aufklappen)
Cillier Schulstreit
- Kampf der Slowenen um ihre Sprache — habsburger.net
- Konfliktort Schule: Nationale Agitation im Klassenzimmer — habsburger.net
- Österreichisch-slowenische Beziehungen — wikipedia
- Die mediale Konstitution des „Deutschthums“: Feindbilder und Identitäten in der Untersteiermark 1862–1887 — unipub Uni Graz

