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Clara Zetkin

Juli 1857 in Wiederau (Sachsen) – 20. Juni 1933 in Archangelskoje (UdSSR)

Es ist ein persönlicher Gewinn, Straßennamen bewusst zu lesen und als Aufforderung zu verstehen, sich mit den NamengeberVielfaltinnen zu beschäftigen! Straßenschilder selbst erinnern unaufdringlich an Menschen und Ereignisse, die die Gemeinschaft in der Vergangenheit geprägt haben und auf deren Einfluss die Werte der heutigen Gemeinschaft beruhen.
Z. B. Clara-Zetkin-Straße in Sonneberg.

Frauen in Sonneberg, Thüringen
Geboren5. Juli 1857, Wiederau, Sachsen
Gestorben20. Juni 1933, Archangelskoje bei Moskau
BerufLehrerin, Journalistin, Politikerin
Bekannt fürInternationaler Frauentag, Frauenwahlrecht, KPD-Mitgründerin
WirkungsorteLeipzig, Paris, Stuttgart, Berlin, Moskau
EhrungClara-Zetkin-Straßen in über 400 deutschen Städten

Clara Zetkin war Lehrerin, Exilantin, Parteigründerin. Sie war enge Freundin von Dr. Rosa Luxemburg – und ruft wie diese starke Emotionen hervor: von Bewunderung bis hin zu hasserfüllter Ablehnung.

Ihre Mutter war in der bürgerlichen Frauenbewegung aktiv. Clara kannte dadurch die führenden Frauen dieser Bewegung wie z.B. Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt, Gründerinnen des „Allgemeinen Deutschen Frauenverein“ (ADF).

1878 machte Clara in Leipzig am „Steyberschen Lehrerinnenseminar“ ihren Abschluss als Fachlehrerin für moderne Sprachen. Leiterin dieses Seminars: Auguste Schmidt.

Trotz dieser starken Prägung distanzierte sie sich radikal davon und trat 1878 in die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD)* ein.
Leipzig war zur Zeit von Claras Ausbildung eines der wichtigsten Zentren der Frauen- und der Arbeiterbewegung. So hörte Clara im Arbeiterbildungsvereinu.a. Vorträge von August Bebel und Wilhelm Liebknecht (SDAP). Dort lernte sie auch ihren späteren Lebenspartner, den Ukrainer Ossip Zetkin kennen.

Ihre politische Haltung und ihre Beziehung zu Ossip führte zum Bruch mit ihren Eltern, mit Auguste Schmidt und deren Mitstreiterinnen.

Zwischenbemerkung:
Schade, zu diesem spannenden Forschungsbereich gibt es öffentlich zugänglich so gut wie nichts: Welche Eigenschaften haben Mutter und Tochter gemeinsam ? Was genau trennt sie? – unabhängig aller unterschiedlichen politischen Meinung?
oder allgemein: Die Spannung zwischen bürgerlicher Frauenbewegung (Mutter) und proletarischer Frauenbewegung (Tochter) in der persönlichen Auseinandersetzung..
Offensichtlich hat bisher nur PD Dr. Astrid Franzke dieses Thema aufgegriffen mit einer Arbeit über die Mutter Josephine. (Link dazu siehe unten)
Leider sprengt eine Forschung zu diesen spannenden Themen meinen Rahmen.

*Als sich 1890 die SAPD in SPD umbenannte, war sie im Exil in Paris und kein Mitglied der Partei.

Ihr Weg zur einflussreichen Frauenpolitikerin

Im Oktober 1878 trat das Bismarcks Sozialistengesetz in Kraft mit dem Verbot aller sozialdemokratischen Aktivitäten.
Clara konnte deshalb nur noch als Hauslehrerin arbeiten und zog nach Österreich und in die Schweiz.
1882 folgte sie Ossip Zetkin ins Pariser Exil. Sie nahm Zetkins Namen an, heiratete ihn aber nicht. Sie bekamen zwei Söhne.
Um den Familienunterhalt zu sichern, arbeitete sie als Journalistin und Übersetzerin
Ossip starb 1889 an Tbc, Krankheit der Armut – Clara überstand ihre eigene Krankheit.

1891 wurde das Bismarcksche Sozialistengesetz aufgehoben. Sie kehrte nach Deutschland zurück.

Der Aufstieg von Clara Zetkin zur einflussreichen Frauenpolitikerin Europas begann 1891 mit der Übernahme der Parteizeitung Die Gleichheit. Doch was wie ein geradliniger Weg wirkt, war in Wirklichkeit von Konflikten, Rückschlägen und persönlichen Angriffen geprägt.

Privat entschied sie sich, 1899 den 18 Jahre jüngeren Georg Friedrich Zundel zu heiraten, behielt aber ihren Namen „Zetkin“. 1928 wurde die Ehe geschieden.

Frauenbewegung

1910 brachte sie auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen den Antrag ein, einen jährlichen Internationalen Frauentag für das Frauenwahlrecht einzuführen – inspiriert auch von Vorbildern aus den USA. Die Konferenz stimmte zu.
Damit entstand ein politisches Instrument, das bis heute wirkt und z.T. mit Zusatzprogrammen rund um den Tag ergänzt wird.

Schon 1911 wurde der Internationale Frauentag erstmals begangen – am 19. März in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz, mit klaren Forderungen nach dem Frauenwahlrecht

In der Sowjetunion wurde 1921 der 8. März festgelegt – in Erinnerung an den Streik der Petersburger Arbeiterinnen von 1917, einem Auslöser der Februarrevolution.

Erst 1975 – im „Internationalen Jahr der Frau“ – begingen die Vereinten Nationen den 8. März offiziell. 1977 folgte die formale Anerkennung durch eine UN-Resolution.

Leben in Deutschland und in der UdSSR

Eine ihrer besten Freundinnen ab 1899 war Dr. Rosa Luxemburg.
Aus Ärger über die Bewilligung von Kriegskrediten (1914) schloss sich Clara Zetkin ihr und Karl Liebknecht an.
Sie war dabei:
1916 bei der Gründung des Spartakusbunds,
1917 bei der Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und
31.12. 1918/1.01.1919 bei der Gründung der KPD.

Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 zwang Clara Zetkin, selbst in Gefahr, zum Untertauchen in Tübingen. In den folgenden Jahren pendelte sie zwischen Deutschland und der Sowjetunion.

In Moskau, wo sie immer mehr Schutz und auch ihre politische Heimat fand, knüpfte Clara Zetkin ab 1920 enge Kontakte zur sowjetischen Führung und freundete sich mit Wladimir Iljitsch Lenin sowie Nadeschda Krupskaja an. Sie unterstützte das sich immer stärker repressiv entwickelnde System grundsätzlich, sah einzelne Entwicklungen aber durchaus kritisch.

Am 30.08.1932 eröffnete sie 75-jährig als Alterspräsidentin den neugewählten Reichstag in Berlin und warnte vor dem drohenden Faschismus und kommenden Krieg.
Nach dem Ausschluss der KPD aus dem Reichstag flüchtete Clara Zetkin in die UdSSR.

Clara Zetkin starb am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau – wenige Monate nach ihrer letzten großen Rede.
Sie blieb bis zu ihrem Tod eine der prägenden Stimmen der sozialistischen Frauenbewegung.

🔍 Zeittafel
1857Geburt in Wiederau, Sachsen
1878Lehrerinnenabschluss Leipzig; Eintritt SAPD; Bismarcksches Sozialistengesetz
1882Exil in Paris mit Ossip Zetkin
1889Tod Ossip Zetkins; Clara übersteht Tbc
1891Rückkehr nach Deutschland; Leitung der Parteizeitung Die Gleichheit
1899Heirat mit Georg Friedrich Zundel; Freundschaft mit Rosa Luxemburg
1910Antrag auf Internationalen Frauentag – Konferenz Kopenhagen; Beschluss einstimmig
1911Erster Internationaler Frauentag: 19. März, in vier Ländern
1916Mitgründung Spartakusbund
1917Mitgründung USPD
1918/19Mitgründung KPD (Silvesternacht)
1921Sowjetunion legt 8. März als festes Datum fest
1928Scheidung von Zundel
1932Reichstagsrede als Alterspräsidentin – Warnung vor Faschismus
1933Tod in Archangelskoje bei Moskau
1975UN erklärt 8. März zum offiziellen Weltfrauentag
🔍 weiterführende Links (aufklappen)
  • Clara Zetkin (Ute Tartz)
  • Biografie (LEMO)
  • Digitales Deutsches Frauenarchiv: Biografie (link)
  • Biografie (bpb)
  • „Clara-Zetkin-Straßen“ (wikipedia)
  • Clara-Zetkin-Straße (Stadtwiki Dresden)
  • Frauentag in Berlin – 2011 (link)
  • Streit um die Clara-Zetkin-Straße (Tübingen)
  • Clara Zetkin, Vorkämpferin für Frauenrechte | Unbekannte Frauen | ARTE Family (arte auf youtube)
  • Josephine Eißner. Offizierstochter, Lehrersfrau, Mutter von Clara Zetkin. Astrid Franzke in: Leipziger Lerchen, 3. Folge, LOUISEum 11, Leipzig 2002. (Deutsche Digitale Bibliothek)
  • Hintergründe zum „Steyberschen Lehrerinnenseminar“ (link.springer.com)
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Stand: neu bearbeiteet 04.2026

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Käthe Kollwitz

Käthe Kollwitz – bildende Künstlerin – *08.07.1867, Königsberg; †22.04.1945, Moritzburg

In der Stadt Sonneberg erinnert die Käthe-Kollwitz-Straße an die international bekannte Künstlerin, die nach ihrem Tod – nur zwei Wochen vor Kriegsende des Zweiten Weltkriegs – politisch von unterschiedlichen Seiten vereinnahmt wurde und wird.

Der folgende Text soll Ihnen vor allem die Frau selbst, Käthe persönlich, näherbringen mit ein paar der wichtigsten sie prägenden Lebensstationen.

„Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind“, Käthe Kollwitz, Tagebücher (4.12.1922, TB 542/ Nachlass (überliefert)*.
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Es ist ein persönlicher Gewinn, Straßennamen bewusst zu lesen und als Aufforderung zu verstehen, sich mit den Namengeber*innen zu beschäftigen! Straßenschilder selbst erinnern unaufdringlich an Menschen und Ereignisse, die die Gemeinschaft in der Vergangenheit geprägt haben und auf deren Einfluss die Werte der heutigen Gemeinschaft beruhen.

Käthe Kollwitz zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Kunst ist international bekannt. Aber dadurch verschwindet, aus meiner Sicht zu Unrecht, ihr persönliches Leben und die persönlichen Beweggründe für ihre Kunst aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit.

Ihr Leben ist geprägt von den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen und Brüchen des letzten Jahrhunderts – mit seinen insgesamt fünf verschiedenen politischen Systemen, mit zwei Weltkriegen und zwei konkurrierenden gesellschaftlichen Systemen.

Ihr eigenes Leben, ihre eigenen Meinungen und Einsichten, ihre Motive für künstlerische Entscheidungen spiegeln diese Vielfalt ebenfalls wider. Und so ist es kein Wunder, dass sie von Zeitgenossen wie Nachfolgegenerationen vor allem in politischer Hinsicht unterschiedlich eingeordnet, beurteilt und vereinnahmt wird – je nach Perspektive und politischem Standpunkt.

Biografisches

Sie wuchs in einer nichtakademischen, aktiven christlichen Familie auf. Ihr Vater, Jurist, Maurer/Bauunternehmer, und Laienprediger einer „Freien evangelischen Gemeinde“, förderte ihr zeichnerisches Talent.

Sie heiratete Dr. Karl Kollwitz, ebenfalls der Freien evangelischen Gemeinde nahe stehend. Er praktizierte als Berliner „Armenarzt“ im Prenzlauer Berg, engagierte sich als SPD-Stadtverordneter.
Soziales Engagement war also selbstverständlicher Teil der Familie.

1892 wird ihr Sohn Hans geboren, 1896 Sohn Peter

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war sie überzeugte Patriotin. Als ihr 18-jähriger Sohn Peter sich freiwillig zum Kriegsdienst melden wollte, war es ausgerechnet Käthe, die den anfangs strikt ablehnenden Vater zur Einwilligung bewegte.
Erst Peters Tod im Oktober 1914 in Flandern – kaum zwei Wochen nach seinem Einsatzbeginn – machte sie zur lebenslangen Pazifistin.

Hans benannte seinen ersten Sohn nach seinem Bruder. Dieser Enkel Peter starb 1942 im 2. Weltkrieg an der Ostfront.
Für Käthe doppelt bitter: Enkel Peter war Anhänger der Nationalsozialisten und weigerte sich, „der Enkel von Käthe Kollwitz“ zu sein.

Künstlerisches

Käthe erhält eine künstlerische Ausbildung bei verschiedenen Künstlern und Institutionen in verschiedenen Städten. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit Künstlern und Stilrichtungen.
München wird in vieler Hinsicht prägend: sie setzt sich dort mit der „naturalistischen Freilichtmalerei“ auseinander. Max Liebermann wird zu ihrem Vorbild. Sie beginnt, sich intensiv mit dem Arbeiterleben in seinen charakteristischen Situationen zu beschäftigen. Sie beginnt, sich mit der Geschlechterproblematik auseinander zu setzen.

Kollwitz erstellt Radierungen, Lithografien, Holzschnitte, Zeichnungen und Plastiken.
Sie bekommt künstlerische Anerkennung, auch international.
Sie erlebt aber auch Ablehnung
– wegen ihrer Themen: Trauer und Tod, Armut und Arbeit, Liebe und Mutterschaft, Protest und Widerstand
– weil sie eine Frau ist. Bekanntestes Beispiel: der Kaiser verweigert ihr mit dieser Begründung den „Preußischen Staatspreis für Kunst“ im Jahr 1919.

Sie engagiert sich in Kunstverbänden. 1913 ist Käthe Kollwitz Mitbegründerin und bis 1923 erste Vorsitzende des Frauenkunstverbandes

1919 wird sie als erste Frau ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und gleichzeitig zur Professorin ernannt.

Ihr allgemein bekanntestes Werk ist das Plakat „Nie wieder Krieg!“ (1924), das nach dem 2. Weltkrieg zu einem wichtigen Symbol der Friedensbewegung wurde.

1929 wird ihr als erster Frau am 29. Mai 1929 der Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste verliehen.

Seit 1960 erinnert der Käthe-Kollwitz-Preis der „Akademie der Künste, Berlin“ an Mitgliedschaft und Wirken von Käthe Kollwitz in der Institution sowie an ihren von den Nationalsozialisten erzwungenen Austritt 1933.

Politisches

1919 wird sie Mitglied im Hauptausschuss des Bundes Neues Vaterland (ab 1922 Deutsche Liga für Menschenrechte)

1927 reist sie, zusammen mit ihrem Mann, als Mitglied der Gesellschaft der Freunde des Neuen Russland zu den Feierlichkeiten des 10. Jahrestages der Oktober-Revolution in Moskau und zum Weltkongress der Freunde der Sowjetunion.

Käthe Kollwitz war nie Mitglied einer Partei, empfand sich aber als Sozialistin.
1932 initiierte sie gemeinsam mit Heinrich Mann und Albert Einstein einen Aufruf zur Zusammenarbeit von SPD und KPD – Mitunterzeichner neben Karl Kollwitz: u.a. Erich Kästner, Ernst Toller und Arnold Zweig.

Dazu unterschrieb sie 1933 den „Dringenden Appell zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront gegen den Nationalsozialismus“.

1937 werden im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ Arbeiten von K. Kollwitz aus mindestens elf deutschen Museen beschlagnahmt.

Erinnerung und politische Vereinnahmung nach ihrem Tod

In Westdeutschland geehrt als: Trösterin, aufopfernde Mutter, christlich-bürgerliches Idol .
In der DDR geehrt als: Anti-Faschistin und Verfechterin des Proletariats.

Viele Straßen, Museen, Schulen … sind nach ihr benannt.
Der Asteroid „Kollwitz (8827)“ trägt ihren Namen.

Was bleibt?

Was bleibt, wenn man die Lebensstationen dieser Frau anschaut?
Eine Frau, die von Kindheit an für ihre Kunst brannte. „In mir war Zielrichtung.“ sagte sie 1941 in Rückschau.
Eine Frau, die ihr Leben lang gegen frauenfeindlicheVorurteile und Diskriminierungen ankämpfte.
Eine Mutter, die 1914 selbst dafür eintrat, dass ihr 18-jähriger Sohn Peter in den Krieg ziehen durfte – und ihn wenige Wochen später verlor.
Eine Künstlerin, die 18 Jahre an einem einzigen Mahnmal arbeitete, um diesen Verlust in Stein zu hauen.
Eine Großmutter, die erlebte, wie ihr 21-jähriger Enkel – nach dem toten Sohn benannt – als Nationalsozialist starb und sich weigerte, „ihr Enkel zu sein“.
Und die das alles aushielt, ohne zu schweigen. Vielleicht erklärt das, warum uns ihre Kunst bis heute nicht gleichgültig läßt.

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Stand: Artikel vollständig überarbeitet 04.2026

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Wussten Sie schon…? (4)

Frauen in Sonneberg, Thüringen

Text

Text

  • der Landkreis bunt ist und sich seine geschichtliche und heutige Vielfalt zu entdecken lohnt?
  • Der Landkreis am 23.09.2008 den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“ erhielt?
  • es sich lohnen würde, diese Vielfalt auch auf den offiziellen kommunalen Seiten stolz zu präsentieren – für die Geehrten, für BewohnerVielfaltinnen und GästVielfaltinnen, aber auch PR-mäßig für den Landkreis?

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Stand: 03.2024 – Layout 04.2026

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APOLLONIA MARGARETE STEIFF

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siehe auch Fotos (am Ende dieser Seite) vom Steiff-Museum

Als achtzehn Monate altes Baby erkrankte Margarete Steiff an Kinderlähmung, was sie für den Rest ihres Lebens an den Rollstuhl fesselte. Trotzdem war Steiff ein fleißiges und organisiertes Mädchen, bereit zu arbeiten und einen Beruf zu finden, der ihrem Gesundheitszustand und den damit verbundenen täglichen Herausforderungen gerecht werden konnte.

Mit ihren Ersparnissen kaufte sie eine Nähmaschine und begann Kleidung zu nähen und zu verkaufen. Einige Jahre später eröffnete sie sogar ein Geschäft für Filzprodukte. Eines Tages stieß sie in einer Zeitschrift auf einen Schnitt für einen Spielzeugelefanten und erkannte, dass Filz ein ausgezeichnetes Material für die Herstellung war.

Bald begann sie auch andere Tiere wie Mäuse, Hasen und Teddybären zu nähen, deren Muster sie ebenfalls in Zeitschriften fand. Sie verkaufte ihre Spielzeuge sogar auf Messen. Auf der Leipziger Messe im Jahr 1903 kaufte ein Vertreter eines amerikanischen Spielwarenladens 3000 Teddybären, was den unglaublichen Erfolg von Steiff-Spielzeugen, insbesondere Teddybären, einläutete.

Im Jahr 1910 gewann Steiff den Großen Preis auf der Brüsseler Internationalen Ausstellung und etablierte sich weiterhin als eine der bekanntesten Marken für Stofftiere weltweit. Nicht nur neue Spielzeuge waren und sind beliebt, sondern auch Antiquitäten erfreuten und erfreuen sich bis heute bei Sammlern großer Wertschätzung.

Margarete Steiff wurde zu einer äußerst bedeutenden Unternehmerin in Deutschland. Trotz ihrer lebenslangen Behinderung und ihrer Herkunft aus einer Kleinstadt in Süddeutschland gründete und entwickelte sie ein weltweit bekanntes Unternehmen.

Foto „Das Nadelkissen „Elefäntle“: Von Flominator (talk) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12001315

Steiff Museum
Margarete-Steiff-Platz 1
89537 Giengen an der Brenz

🔍 Weiterführende externe Links

Danke Tijana für Text und Fotos vom Museum 🙂

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Blog-Serie „Themenwelt Sonneberg“.
Auch wenn Frau Steiff nichts mit Sonneberg zu tun hat: Sie passt thematisch hervorragend zum Thema „Künstlerinnen in Sonneberg“ und dem „Deutschen Spielzeugmuseum“.

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Stand: 04.2024

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Renate Müller

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geb. 24.10.1945, geb. Lindemann, Sonneberg

Schon ihre Familie stellte pädagogisch anspruchsvolle „reformpädagogische“ Spielwaren her. So ist es kein Wunder, dass sie nach Abitur und einer Maurerlehre Design an der Sonneberger „Fachschule für angewandte Kunst“ studierte. Ihre Lehrerin H. Haeusler begeisterte sie für die robusten (mit Holzwolle gestopfte) Rupfen-Tiere. („Rupfen“ = grobes Sackleinen)

Um 1970 heiratet sie und bekommt zwei Kinder.

Bis zur Verstaatlichung 1972 arbeitete sie in der elterlichen Werkstatt mit und stellte Rupfentiere her – groß, robust und strapazierfähig, geeignet für die Entwicklung der Sinne wie Tasten und Greifen.

Die Familie verliert ihre Markenrechte, die Werkstatt wird umbenannt in „VEB Therapeutisches Spielzeug“. Wie Haeuslers Spielzeug wird auch ihres ein Exportschlager, in der DDR nur an therapeutische Einrichtungen verkauft.

1967 wird sie Mitglied im „Verband Bildender Künstler der DDR“.

1982 – 1991 unterrichtet sie auch an der Ingenieurschule Sonneberg. Danach bis 1998 angehende Kindergärtnerinnen, und an der VHS Sonneberg. „Spielzeugdesign“.

Ab 1990 arbeitet sie als Selbständige. Sie erweitert ihren Arbeitsbereich, entwirft u.a. Spielplätze.

Nach der „Wende“ kauft sie die Markenrechte zurück und gründet „Spielzeug & Design“, Entwurfsatelier und Werkstatt

Sie wird Mitglied des Verbandes Bildender Künstler e.V./BBK, des Bundes Thüringer Kunsthandwerker e.V., des Vereins des Vereins „Fördern durch Spielmittel e.V.“ – Spielzeug für behinderte Kinder, Berlin.

Ihr therapeutisches Spielzeug, aus Naturmaterialien und handgefertigt wird weltweit (von den USA bis hin nach Japan) gehandelt – und gesammelt.
Ihr Spielzeug gilt heute als Designklassiker.

Sie gestaltet Ausstellungen, hält Vorträge.
Ihre Arbeiten finden sich in Schulen, in Therapieeinrichtungen, in vielen Museen.
Ihre Rupfentiere sind 2012 Teil einer Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art. Sie arbeitet mit einer New Yorker Galerie zusammen.

2016 beteiligt sie sich mit Teppichentwürfen an der 15. Biennale 2016 in Venedig.

🔍 Weiterführende externe Links (Auswahl):

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Helene Häusler

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26.8.1904, Metz, Lothringen
10.7.1987, Sonneberg, DDR

Häuslers beruflicher Werdegang und ihr Lebenswerk ist beeindruckend.

Sie lernte Haushaltsführung – studierte an der Kunstgewerbeschule Kassel (Textil) – wurde am Fröbel-Seminar Kassel Kindergärtnerin (Abschluss 1924) – hörte in Hamburg Vorlesungen in Kunstgeschichte– arbeitete nebenbei für ihren Lebensunterhalt.

Sie studierte an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in München (Buch- und Gebrauchsgraphik). Parallel arbeitete sie dreidimensional und stellte Krippenfiguren und Puppen her.

1927 beginnt sie in Sonneberg in der Puppenfabrik von M. Eichhorn.1928 wechselt sie zur Spielzeug-Fabrik von C. & O. Dressel. 1931 kommt die von ihr entworfene Puppe „Heinerle“ auf den Markt, eine Puppe aus Stoff mit weichem Füllmaterial – nicht zu verwechseln mit Käthe Kruses Puppe.

1932 macht sich H. Haeusler selbständig. Sie bekommt (unverheiratet) eine Tochter.

Ihre Puppenproduktion bleibt wirtschaftlich erfolglos. So verdient sie ihren Lebensunterhalt bis 1954 mit Gelegenheitsarbeiten, als Haushälterin und Kinderfrau in Oberbayern.

Ab 1954 unterrichtet sie in Sonneberg als Lehrerin für Spielzeugdesign an der dortigen Fachschule für angewandte Kunst. Eine ihrer Schülerinnen war die später erfolgreiche Spielzeug-Designerin Renate Müller. Diese beschreibt H. Haeusler als eine vom Bauhaus beeinflusste Künstlerin, die einfache Formgebung und Naturmaterialien bevorzugte. So waren ihre gestopften Rupfentiere für alle Plüsch-Überzeugte eine Provokation.

Mit 61 Jahren Ruhestand (1965) – nur um mit ehemaligen Schülerinnen neu als Selbständige durchzustarten, eine Werkstatt zur Produktion therapeutischen Spielzeugs in Jena („Jenaspiel“) aufzubauen. Die Bürokratie verhinderte aber ihren Plan! Eine Sonneberger Firma produzierte schließlich ihr Spielzeug – es wird ein Verkaufs- und Exportschlager!

Mit 73 Jahren (1977) gründete H. Haeusler in Sonneberg eine Förderwerkstatt, in der geistig behinderte Menschen Puppen nähten und anderes Spielzeug anfertigten. Ein Vorbild für weitere Förderwerkstätten.

🔍 Weiterführende externe Links

  • Helene Haeusler (wikipedia)
  • Helene Haeusler-Schule, Berlin (H. Haeusler)
  • Helene Haeusler wurde 1982 der Designpreis der DDR verliehen.
    Designpreis der Deutschen Demokratischen Republik (wikipedia)
  • Renate Müller, Glück im Spiel (Interview)
  • Seite über Renate Müller auf dieser Webseite
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Wussten Sie schon…? (3)

Frauen in Sonneberg, Thüringen

Text

Text

  • der Landkreis bunt ist und sich seine geschichtliche und heutige Vielfalt zu entdecken lohnt?
  • das „Deutsche Spielzeugmuseum Sonneberg“ das älteste Spezialmuseum für Spielzeug in Deutschland ist, gegr. 1901?
  • im „Deutschen Teddybären Museum Sonneberg“ der Fa Martin Bären Europas größter Teddybär (5,60 m Höhe) ausgestellt ist?
  • ein engagiertes Vereinsteam im Astronomiemuseum der Sternwarte Sonneberg zu einem vielseitigen Programm für Erwachsene und Kinder einlädt?

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Gräfin Jutta von Henneberg

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1298/1300, geb. Jutta von Brandenburg
† 1.02.1353, Coburg

Jutta, Gräfin von Henneberg-Schleusingen – Erbin der „Neuen Herrschaft“ („Neue Pflege“) Coburg-Schmalkalden

Sie heiratete 1314 ihren Vetter Heinrich VIII. von Henneberg-Schleusingen.

Von ihrer gleichnamigen Großmutter erbte sie die „Neue Herrschaft“ Coburg-Schmalkalden.

Nach dem Tod ihre Mannes 1347 teilte sie sich das gesamte Erbe mit ihrem Schwager Johann I. Sie regierte weiter als Eigentümerin der „Neuen Herrschaft“, mit welcher sie 1350 von Kaiser Karl IV. beliehen wurde.

Sie verlieh Sonneberg am 5.01.1349 das Stadtrecht.

1317 erwarb die „Grafschaft Henneberg“ die Burg Sonneberg der inzwischen ausgestorbenen Herren von Sonneberg. Gräfin Jutta verpfändete die Burg Sonneberg 1350 an ihren Schwiegersohn, den Burggrafen Albrecht den Schönen von Nürnberg. Als Teil der Pflege Coburg fiel die Burg Sonneberg 1353 an das Haus Wettin und wurde zum militärischen Stützpunkt.
Heute ist die Burg eine Ruine.

Gräfin Jutta hatte keinen Sohn. Deshalb erbten ihre Töchter ihre Besitzungen. Dadurch wurde die „Neue Herrschaft“ aufgeteilt.

Töchter – Aufteilung des Erbes:
1. Elisabeth von Henneberg-Schleusingen, Erbin von Irmelshausen ∞ Graf Eberhard von Württemberg
2. Katharina von Henneberg, Erbin von Coburg ∞ Friedrich der Strenge von Meißen
3. Sophie von Henneberg, Erbin von Hildburghausen und Schmalkalden († 1372) ∞ Albrecht der Schöne († 1361), Burggraf von Nürnberg
4. Anna von Henneberg, Äbtissin im Kloster Sonnefeld. Sie führte das Zisterzienserinnenkloster Sonnefeld zu einer unverhofften Blüte.

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Wussten Sie schon…? (2)

Frauen in Sonneberg, Thüringen

Text

Text

  • der Landkreis bunt ist und sich seine geschichtliche und heutige Vielfalt zu entdecken lohnt?
  • 2024 der Landkreis Sonneberg „675 Jahre Stadtrecht“ feiert?
  • der Landkreis und seine Kreisstadt Sonneberg am 2.04.2014 einstimmig als erste Mitglieder der „Europäischen Metropolregion Nürnberg“ außerhalb Bayerns aufgenommen wurden?

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Sophia von Weiß (*15.02.1840 – ?)

eine Geschichte über Unsichtbarkeit

Frauen in Sonneberg, Thüringen

Nicht weit entfernt von der „Grube Minna“ war die „Grube Sophie“. Beide Gruben sind heute Teil des „GeoPfad Steinkohle“ im GeoPark Schieferland“ (Föritztal)

Auf der Seite des GeoPfads steht: „Am 15. Februar 1840 wurde Christian von Weiß ein weiteres Grubenfeld durch den Sachsen-Meininger Hof verliehen. Er gab ihm den Namen seiner Frau ‚Sophie‘.“

Offensichtlich handelt es sich um den erfolgreichen Textilunternehmer (1779 – 1850) und seine Frau Sophia, geb. Polex, geb. 1790 in Langensalza.

1824 errichtete Christian v. W. die erste mechanische Spinnerei Schweinas (OT von Bad Liebenstein) und setzte ab 1827 eine Dampfmaschine ein, die erste der Stadt. Weiß wurde 1836 als Ritter des Ernestinischen Hausordens geadelt. Die Steinkohlen-Grube kaufte er im Jahr der Hochzeit ihres gemeinsamen Sohnes.

Damit erschöpft sich das öffentliche Wissen über Sophia von Weiß und den Kauf der Grube.

Augenscheinlich interessierte sich weder damals noch heute jemand für Sophia von Weiß: Was war Sophias familiärer Hintergrund? Welche Bildung hatte sie? Was waren ihre Interessen? Interessierte sie sich für die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen in den Spinnereien? Welchen Anteil hatte sie am unternehmerischen Erfolg ihres Mannes? …

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