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Kyra Steckeweh

Die freiberufliche Leipziger Pianistin

Kyra Steckeweh (geb. 1984)

hat es sich zur Aufgabe gemacht, verstärkt die (meist wenig bis unbekannte) Musik von Komponistinnen des 18. bis frühen 20. J.h. aufzuführen und einzuspielen. Oft muss sie sich dabei auf Autographen [sind eigenhändige Niederschriften der betreffenden Komponistin] stützen, weil es keine gedruckten Noten gibt.

Zusammen mit Tim van Beveren (Journalist, Fotograf, Kameramann und Filmemacher) realisierte sie 2018 und 2019 die Film-Dokumentationen Komponistinnen. (komponistinnen.com). Dabei geht sie den historischen und persönlichen Umständen nach, unter denen diese ihre Werke geschaffen haben.

Bislang haben sie diese Komponistinnen portraitiert: Sophie Westenholz (1759-1883), Fanny Hensel (1805-1847), Emilie Mayer (1812-1883), Mel Bonis (1858-1937), Ethel Smyth (1858-1944), Dora Pejačević (1885-1923), Lili Boulanger (1893-1918)

Kyra Steckeweh selbst studierte Klavier und Instrumentalpädagogik, Schulmusik und Geschichte, später zusätzlich historisch-kritische Notenedition.

2012 gründete sie mit der Mezzosopranistin Hanna Roos das Duo LiedKunst KunstLied, um sich vermehrt der Gattung Lied widmen zu können. In jährlichen Abständen erarbeiten sie neue ungewöhnliche Liederabendprogramme, z.B. 2020 Dialoge

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Fanny Hensel

Büste Fanny Hensel vor der Mendelssohn-Remise in Berlin-Mitte von Lore Plietzsch;

Auch nach ihr wurde 2020/21 eine Straße in Hof (Saale) benannt. Allerdings gibt es – im Gegensatz zu M. C. Benda – schon mehrere Städte, die Straßen nach ihr benannt haben. Ein Kleinplanet trägt ihren Namen. Und viele (posthume) Ehrungen mehr …

Nur ein kleiner Teil ihrer über 460 Werke ist veröffentlicht. Ihr Gesamtwerk wird erst seit den 1980ern erforscht. Ihre Werke sind heute im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es gibt mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Publikationen und Veranstaltungen, Welturaufführungen sowie CD-Einspielungen. Und trotzdem ist das erst der Anfang der Forschung!

Sie hatte das Pech, dass ihr Vater und ihr Bruder ihr eine Komponistinnenkarriere und die Veröffentlichung ihrer Werke verboten, „weil sich das für eine Frau nicht schickt“. – Mir erschließt sich allerdings nicht, warum es schicklich war, dass Felix sieben ihrer Werke unter seinem Namen veröffentlichte!*

Sie hatte das Glück, dass sie in ihrem Mann Wilhelm Hensel (einem berühmten Hofmaler an der Akademie der Künste zu Berlin) einen Förderer und Unterstützer besaß, der es ihr ermöglichte, zu komponieren und zumindest im privat-halböffentlichen Raum ihre Werke aufzuführen.

Erst ein Jahr vor ihrem plötzlichen Tod durch einen Schlaganfall entschloss sich Fanny Hensel, einige ihrer Werke herauszugeben und startete mit der Nummerierung ihrer Werke.

Fanny Hensel (14.11.1805 – 14.05.1847)
gebürtig Fanny Zippora Mendelssohn; getauft Fanny Cäcilie Mendelssohn Bartholdy

* Caroline Criado-Perez „Unsichtbare Frauen“, btb Verlag 2020

Foto: Von Membeth – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38806237

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Maria Carolina Benda (2)

Maria Carolina Wolf als Baronin vor Forstheim in Lustspiel „Der Postzug“, das im Januar 1776 im Weimarer Liebhabertheater aufgeführt wurde. (Radierung von Georg Melchior Kraus, Klassik Stiftung Weimar)

Maria Carolina Benda (1742 – 1820) entstammt einer beruflich erfolgreichen und bekannten Musikerfamilie. Sie ist eine der damals offensichtlich wenigen Musikerinnen, die seit ihrer Kindheit eine gründliche musikalische Ausbildung (durch ihren Vater Franz) genossen hat. Sie verbringt ein ganzes eigenständiges Berufsleben als Sängerin, Pianistin, Komponistin und Kammersängerin am Hof der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (u.a. ebenfalls Komponistin).

Sie ist mit dem Hofkapellmeister, Pianisten und Komponisten Ernst Wilhelm Wolf verheiratet, von Kindern steht nichts in ihrer Biografie. Sie komponiert nicht nur allgemein für den Hof, sondern auch für das „Liebhabertheater“, welches 1775 am Hof der Herzogin entstand und von Johann Wolfgang von Goethe geleitet wurde.

Was entscheidet also darüber, ob eine (sehr) gute, anerkannte Komponistin in weiten Kreisen bekannt wird – und vor allem, ob sie und ihre Werke über ihren Tod hinaus bekannt bleiben? Das Klischee der von der Familie unterdrückten, durch Haushalt, Kinder und Gesellschaft gehinderten Frau kann also nicht unbedingt das alles entscheidende Kriterium sein.

Übrigens:
Über ihre jung verstorbene, jüngste Schwester Juliane Bernhardine Benda (1752 bis 1783, ebenfalls Pianistin, Sängerin und Komponistin) finden sich etwas ausführlichere Informationen. Ob es daran liegt, dass diese in Berlin lebte und arbeitete? Mehr Selbstbewusstsein, mehr Geld für Kopisten, mehr PR-Geschick hatte? Von einem/r adligen Arbeitgeber/in wenig bis gar nicht abhängig war?
Auf jeden Fall gibt es von ihr ein längeres Werkverzeichnis. Es existiert eine Druckausgabe von 1782 mit zwei Klaviersonaten und siebzehn Gesängen, die bei Bohn in Hamburg verlegt wurden.

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Maria Carolina Benda

Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek „Rokokosaal”, Weimar, Platz der Demokratie 1

In diesem Jahr könnte man sie in Erinnerung an ihren Geburtstag vor 280 Jahren (27.12.1742) ehren. – Das Datum ist offiziell der Tauftag. Aber da es damals wegen der großen Säuglingssterblichkeit üblich war, gleich nach der Geburt zu taufen, kann man annehmen, dass es auch ihr Geburtstag ist.
2020 hätte man anlässlich ihres Todestages vor 200 Jahren (02.08.1820) ebenfalls an sie erinnern können, an die Komponistin

Maria Carolina Benda

der seit 2020/21 eine Straße in Hof (Saale) gewidmet ist.

Zu allen der anfangs erwähnten drei Punkte finde ich nichts. Weder ein ehrendes Statement, noch ein ehrendes musikalisches Programm in Hof, Weimar oder … – noch ein Statement der Stadt Hof, warum man M. C. Benda, neben Emilie Mayer und Fanny Hensel, für eine Straßenbenennung ausgewählt hat! Auch sonst findet sich im Internet nichts Weiterführendes über sie außer mehr oder weniger kurze biografische Artikel oder Erwähnungen als Tochter, Schwester, Nichte, Ehefrau von … einer durchaus bedeutenden Musikerfamilie – auch keine Werke, gedruckt, gespielt oder als CD aufgenommen.
Warum eigentlich?

Die Original-Noten müssten in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (1691 gegründet) erhalten und aufbewahrt sein.
Allerdings wurde 2004 durch einen Brand viel zerstört. Es ist fraglich, ob noch Noten erhalten blieben.

Foto: Von NoRud – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42874816

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Sofia Asgatowna Gubaidulina

Coat of Arms of Kazan (Tatarstan)

Eine zeitgenössische Komponistin, die sich mit dem Werk von Hildegard von Bingen beschäftigt (hat), ist die tartarisch-russische Komponistin

Sofia Asgatowna Gubaidulina (geb. 24.10.1931)

Sie studierte Komposition und Klavier am Konservatorium von Kasan (Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan). Sie wird mit einem Stalin-Stipendium ausgezeichnet. Das verhindert allerdings nicht, dass später ihre Werke in der Sowjetunion über viele Jahre verboten werden, weil sie nicht dem „Sozialistischen Realismus“ entsprachen.

Qualität schlägt Politik: Sie schreibt viele säkulare und spirituelle Stücke für die verschiedensten Instrumente, gelegentlich auch für Chöre.

Seit 1987 erhielt sie 30 renommierte Auszeichnungen und Preise.
Sie ist Mitglied mehrerer Akademien in Deutschland, Schweden, USA.
Sie ist Ehrenprofessorin der Konservatorien von Kasan, Beijing und Tianjin.

1992 zieht sie nach Deutschland.

1994 komponiert sie
Aus den Visionen der Hildegard von Bingen – für Contraalt Solo, nach einem Text von Hildegard von Bingen

Foto: https://de.wikipedia.orgwiki/Datei:Coat_of_Arms_of_Kazan_(Tatarstan).svg

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Hildegard von Bingen

77 liturgische Gesänge in Diastematischer Neumennotation (siehe Foto), sind uns noch nach rund 1000 Jahren von ihr bekannt. Sie ist nach Kassia die nächstfolgende uns bekannte Komponistin des Abendlandes. Ihre Werke gelten für deren Zeit außergewöhnlich und unverwechselbar.

die „Kämpferin“ oder auch die „Beschützerin“
 (hiltja + gard)

Sie war eine inspirierende, selbstbewusste und durchsetzungsstarke Universalgelehrte. Im Alltag ist sie uns heute mehr bekannt als Ratgeberin und Rezepte-Lieferantin für alles, was gesund ist und gesund macht.

Allerdings: Komponist*innen unterschiedlicher Stilrichtung, von klassisch bis modern, beziehen sich bis heute direkt auf ihre Musik oder Texte, auf sie selbst

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

Nach ihr benannte Straßen gibt es z. B in Bamberg, Hof, Regensburg, Bremen, Weyhe (Niedersachsen) – und in vielen weiteren Städten.

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Kassia

geb. um 810, gest. um 865 – lebte in Konstantinopel

Sie stammte aus einem gesellschaftlich „hochstehenden“ Elternhaus und genoss dadurch eine gute und breite Bildung. Ihre klugen, selbstbewussten Antworten schreckten Kaiser Theophilos ab, sie zu heiraten. Ob sie das vielleicht als ihr Glück ansah?

843 gründete sie das Kloster „Die Gemeinschaft der geweihten Jungfrauen“.

Ihre bis heute bleibende Bedeutung hat sie als Dichterin von (uns bekannten) 261 Epigrammen und als Komponistin. Sie gilt uns als die früheste Komponistin des Abendlandes. Über 50 ihrer Hymnen sind erhalten, die z. T. bis heute Teil der orthodoxen Liturgie sind.
Als Heilige Kassia wird ihrer in den orthodoxen Kirchen am 7. September gedacht.

Im Herbst 2021 beschäftigte sich eine analog-digitale Konferenz-Serie mit ihr und mit Menschen und Themen, die sich explizit auf sie beziehen. Eine Online-Ausstellung und eine neu geschriebene „(post-)feministische Oper“ waren Teil dieses interdisziplinären, interkulturellen „Kassia-Projekts“. Es sollte „explizit einen Beitrag zur aktuellen feministischen Debatte leisten“ und „die aktuellen feministischen Debatten und Diskurse in verschiedenen Ländern“ aufgreifen (www.aufbauhaus.de)
An diesem Projekt beteiligten sich u.a.: das Frauenmuseum Istanbul (Leiterin: Meral Akkent), Burak Özdemir & Musica Sacra, kainkollektiv, Theater Aufbau Kreuzberg, Heinrich-Böll-Stiftung, Goethe Institute, verschiedene Universitäten aus Deutschland, Polen und der Türkei … und viele mehr.

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Meral Akkent

geb. 1949 in Istanbul

Diplom-Soziologin, freiberuflich tätig, Feministin
Typisch für ihre Biografie sind ihre Aussage „Nur reagieren ist nicht handeln!“ und das Zitat von Alev Ebüzziya Siesbye , das sie am Anfang eines ihrer Artikel stellt: „Das Wesentliche ist nicht, wer gewinnt, sondern dass niemand verliert.“

Über ihre Lebensstationen Türkei, Deutschland, Kasachstan und Ukraine und all ihre Aktivitäten zu schreiben sprengt diesen Text. Deshalb hier als Beispiel drei Gründungen, die sie gemeinsam mit anderen engagierten Frauen auf den Weg brachte, die ihre Einstellung mehr als bestätigen.

A. Das Internationale Frauen- und Mädchenzentrum e. V. in Nürnberg (Name seit 1996)
Das Zentrum begann 1979/ 80 die Arbeit als Modellprojekt mit dreijähriger Laufzeit zur Erforschung der Sozialisationsbedingungen ausländischer Kleinkinder und Entwicklung von Beratungsformen für die Eltern. Weiterführung als Verein Mutter-Kind-Stube e. V. ab 1982.

B. Der Verein Frauen in der Einen Welt – Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung und internationalen Austausch e.V. (1989)
Neben vielen wichtigen und vielseitigen Aktivitäten:
2003 Gründung des Mobilen Museums in Fürth/Bay. 2006 weitergeführt als Museum Frauenkultur Regional International, ebenfalls in Fürth/Bay.

C. Das virtuelle Frauenmuseum Istanbul, „2012 in Istanbul als erstes Frauenmuseum der Türkei gegründet. Es dokumentiert die Geschichte von schöpferischen Frauen seit der Stadtgründung durch alle geschichtlichen Epochen als Byzantion, Konstantinopel und Istanbul bis heute“ (www.wikiwand.com/de)

Foto: By Iercan – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53883770

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Ellen Johnson Sirleaf

geb. 29.10.1938, Monrovia

Für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und Frauenrechte wurde ihr 2011 gemeinsam mit ihrer Landsfrau Leymah Gbowee und der Jemenitin Tawakkul Karman der Friedensnobelpreis verliehen.

Ihre Biografie und ihr Lebenswerk sind beeindruckend. Natürlich finden sich, wie bei jedem langen Leben, Schwachstellen, Kritisierbares und Abzulehnendes. Aber diese verhindern, dass wir sie zu einer furchteinflößenden, nie zu erreichenden Heiligen machen. Sie kann und darf ein menschliches Vorbild bleiben! Ein Vorbild mit viel Selbstbewusstsein, die es deshalb nicht nötig hatte, sich am Ende ihrer Laufbahn 2018 zum Machterhalt zur gefürchteten Diktatorin und Kriegsherrin zu wandeln!

Sie hat afrikanisch-deutsche Wurzeln. Sie heiratet früh und bekommt vier Kinder.
Mit eigenem Stipendium geht sie mit ihrem Mann in die USA und studiert erst Betriebs-, später Volkswirtschaft. Sie macht Karriere.
Ihre Ehe zerbricht, weil ihr Mann ihr wachsendes Selbstvertrauen und ihre Erfolge nicht verkraftet und sie deshalb massiv bedroht. Eine Erfahrung, die ihr weiteres Engagement in allen Ämtern mit prägt. Im Laufe ihres Lebens arbeitete sie in vielen internationalen Organisationen in führenden Positionen – mehrheitlich im Finanz- und Wirtschaftsbereich.

Sie wird Finanzministerin in Liberia. Ihr Kampf gegen Diktator Doe führt sie ins Gefängnis, später ins Exil in die USA. Dort arbeitet sie für die Weltbank und die UNO.
Nach Ende des Bürgerkriegs in Liberia kehrt sie zurück und wird 2003 Präsidentin des Landes bis 2018.

Innenpolitisch muss sie das Land wieder aufbauen und die vielen Kindersoldaten ins Zivilleben zurückführen. Sie benennt Ministerinnen in Schlüsselpositionen. Sie führt Grundschulunterricht für alle Kinder als Pflicht ein. Sie erlässt Gesetze zum Schutz und zur Stärkung von Frauen.

Außenpolitisch erreicht sie einen Schuldenerlass für ihr Land, holt Entwicklungshilfe und Investoren ins Land. Sie vervierfacht das Bruttoinlandsprodukt.

Sie ist 2007 Gründungsmitglied des International Institute for Women in Political Leadership.

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Leymah Roberta Gbowee

geb. 01.02.1972, Monrovia

„Leymah R. Gbowee ist der Kopf und das Herz der afrikanischen Frauenfriedensbewegung“, wirbt der Verlag für deren Autobiografie. Sie gründet 2012 die Gbowee Peace Foundation Africa und wird ihre Präsidentin. Mit Hilfe dieser Foundation will sie die Bildung von Frauen und Mädchen in Liberia voranzutreiben.

Nicht umsonst bekam sie 2011 zusammen mit Ellen Johnson-Sirleaf den Friedensnobelpreis. Dass jene als erste Frau Präsidentin eines afrikanischen Staates werden konnte, ist ohne Gbowees Engagement, Mut und Versöhnungsarbeit nicht vorstellbar.

Ihren Traum, Medizinerin zu werden verhinderte der zweite Bürgerkrieg Liberias. Stattdessen: Kümmern um traumatisierte Familienangehörige, Flucht, Trennung vom gewalttätigen Vater ihrer vier Kinder.

In einer kurzen Friedensphase zwischen beiden Bürgerkriegen initiiert UNICEF im Land einen Ausbildungsgang zur Sozialarbeiterin, damit diese traumatisierten Menschen helfen können. L.R.G. nimmt an der Ausbildung teil und arbeitet in den folgenden Jahren mit traumatisierten Frauen, Kindern und Jugendlichen.

Sie gründet die Organisation Women of Liberia Mass Action for Peace. Sie ruft zu gewaltfreien Protestmärschen auf gegen das brutale und mörderische Handeln des Diktators Taylor und seiner Gefolgsleute. Und: Frauen folgen landesweit ihrem Aufruf, über ethnische, christliche, muslimische Grenzen hinweg. Ihr gemeinsames Symbol als Zeichen ihres Friedenswillens: sie tragen weiße Kleidungsstücke.

Friedensgespräche nach 14 Jahren Bürgerkrieg stehen vorm Scheitern. L.R.G. erreicht mit weiteren Aktivistinnen und kreativen Methoden, dass die Verhandlungen weiter gehen. Schließlich wird ein Friedensabkommen unterzeichnet.

Sie wird Mitglied der Kommission für Wahrheit und Versöhnung von Liberia, außerdem regionale Beraterin des Women Peace and Security Network Africa.

Sie macht einen M.A. in Conflict Transformation.

Gini Reticker dokumentiert 2008 in ihrem Film deren Engagement: „Pray the Devil Back to Hell – Zur Hölle mit dem Teufel“.

L. R. Gbowees Arbeit ist nicht zu Ende. Als Anerkennung und auch Ermutigung dafür bekam sie international weitere Preise und Ehrendoktorwürden.