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Biografisches — Das Kochbuch — Weiterführendes
Adelheit Gleim, später erscheint sie als Betty (Ilsabetha) Gleim (wann, warum und wie weit offiziell ist unbekannt)
* 13. August 1781, Bremen
† 27. März 1827, Bremen

Ich finde u.a. diesen Text über sie: „Vielen in Bremen fällt zu Betty Gleim nur ihr Kochbuch ein, mit dem die Schulgründerin beweisen wollte, dass Hausfrauenarbeit und intellektuelle Interessen durchaus keine unüberbrückbaren Gegensätze sein müssen. Für die nachfolgenden Frauenrechtlerinnen wurde sie zum Vorbild.“

Biografisches
Lese- und Schreibkenntnisse
Betty Gleim wuchs in einem angesehenen, großbürgerlichen Bremer Elternhaus auf. Es finden sich keine Angaben zu ihrem Bildungsweg.
Es ist anzunehmen, dass sie, wie für ‚höhere Töchter‘ üblich, sehr guten und breiten Privatunterricht zu Hause durch Hauslehrer bekam. Anders ist nicht zu erklären, dass sie selbst Lehrerin für mehrere Schulfächer an der von ihr gegründeten Schule war. Pädagogisch-didaktisches Wissen eignete sie sich im Selbststudium an. Besonders Pestalozzi und seine Grundsätze beeindruckten sie.
In Bremen wurde die allgemeine Schulpflicht erst 1844 eingeführt. Mädchenbildung blieb bis 1916 ausschließlich Sache von Privatschulen. So ist gut nachvollziehbar, dass Betty 1806 eine private Mädchenschule gründete, der noch zwei weitere Schulgründungen folgten.
→ Betty Gleim, persönlich Blog vom 2.12.2023
Ihre Familie
Bettys Mutter Adelheid geb. Tidemann, (14.01.1760–1801).stammte aus einer angesehenen Bremer Kaufmannsfamilie. Sie war Tochter eines Bremer Ältermanns (ein führender Vertreter der Kaufmannschaft bzw. einer kaufmännischen Vereinigung). Ihr Bruder Franz (*1772) war Bremer Bürgermeister.
Bettys Vater war Johann Christian Gottlieb Gleim (1744–1801), ein aus Halberstadt stammender Weinhändler.
Besonders wichtig für Betty ist der Onkel ihres Vaters, der Bruder ihres Großvaters: der Dichter und protestantische Kanonikus Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803).
Betty Gleim hielt sich als junge Frau wiederholt bei Verwandten in Halberstadt auf, wo sie Zugang zum literarischen Umfeld ihres Großonkels J. W. L. Gleim hatte. Für 1799 ist ein längerer Aufenthalt in Halberstadt überliefert. Der konkrete Anlass dieses Aufenthalts ist online nicht feststellbar.
Betty (1781–1827) hatte sechs Geschwister:
Johann Wilhelm Daniel (*1783), Gottlieb (*1786), Dorothea „Doris“ (*1788), Elisabeth (*1789), Marianne Susanne (*1793), Ernestina (*1796)
Bremisches Koch- und Wirtschaftsbuch: Mehr als eine Rezeptsammlung

„Nur ein Kochbuch“ (1808), durch das Betty Gleim der Mitwelt auch beweisen wollte, wie gut sich hauswirthschaftliche Tüchtigkeit einer Frau mit höheren geistigen Interessen verträgt.
Als Gründerin von drei Mädchenschulen verfolgt sie mit dem Kochbuch natürlich auch pädagogische Ziele. Schon der Titel macht deutlich, an wen Betty Gleim sich richtet: an junge Frauen, die „ihre Küche und Haushaltung selbst besorgen und ihre Geschäfte mit Nutzen betreiben wollen.“ Sie wendet sich an junge Frauen aller Stände, die ihren Haushallt ohne Dienstboten managen müssen.
Sie selbst stammte zwar aus einem großbürgelichen, reichen Elternhaus. Aber durch die Krankheit und den Tod des Vaters 1806 hatte sie selbst erlebt, wie schnell ein Vermögen dahinschmelzen kann.
Die Kennzeichnung „Bremisch“ im Buchtitel bedeutet nicht, dass ausschließlich Bremer Gerichte aufgenommen wurden. Gleim unterscheidet zwischen Gerichten, die „allein in Bremen gekannt und gebräuchlich“ waren, und „ausländischen“ Gerichten, die inzwischen allgemein eingeführt und „gleichsam einheimisch“ geworden waren.
Man darf allerdings nicht vergessen, dass 1808 „ausländisch“ bei der deutschen Kleinstaaterei etwas anderes bedeutete als heute.
Zum hauswirtschaftlichen Wissen gehören außerdem die Herstellung von Backwerk, Weinen, Likören und Essigen.
Bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch, enthaltend eine sehr deutliche Anweisung wie man Speisen und Backwerk für alle Stände Gut zubereiten lernt. Für junge Frauenzimmer, welche ihre Küche und Haushaltung selbst besorgen und ihre Geschäfte mit Nutzen betreiben wollen. Bremen und Aurich 1808.
Bemerkenswert ist seine lange Wirkungsgeschichte: Auf die Erstausgabe von 1808 folgten zahlreiche weitere Ausgaben. Auf Verkaufsseiten fand ich diese Auflagen:
1. Auflage 1808; 2. Auflage 1817; 3. Auflage 1823, 1826 …, 5. Auflage 1830, 6. Auflage 1834, 7. Auflage 1840, 11. Auflage, Bremen 1869 … 13. Auflage 1892 … Auflage 1903
Alle Auflagen haben eine eigenes Vorwort. Das Vorwort der Betty Gleim wurde leider in den frei zugänglchen Auflagen nicht mehr zitiert.
Überraschend ist das Vorwort der Ausgabe von 1817 („Neues Bremisches Kochbuch“ nach Betty Gleim). Hier geht es über mehrere Seiten um die Aueinandersetzung des Herausgebers mit der Schwester von Betty Gleim, die offensichtlich scharf und öffentlich geführt wurde. Allerdings wird nicht klar, woran genau sich der Streit entzündet hat.
1975 wurde noch eine, inzwischen vergriffene, Faksimile-Ausgabe veröffentlicht.
Weiterführendes
🔍 Literatur und Quellen zur Familie Gleim und Tidemann
Vaterseite: Familie Gleim
- Deutsche Biographie: Gleim, Betty – biografischer Eintrag mit Angaben zu Herkunft und Familie; genannt werden Bettys Vater Johann Christian Gottlieb Gleim und dessen Verwandtschaft mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim.
https://www.deutsche-biographie.de/sfz21171.html - Gleimhaus Halberstadt: Johann Wilhelm Ludwig Gleim – Lebenslauf, Herkunft und Familienzusammenhang; mit historischem Stammbaum der Familie Gleim.
https://www.gleimhaus.de/themen/johann-wilhelm-ludwig-gleim - Deutsche Digitale Bibliothek: Johann Wilhelm Ludwig Gleim – Normdatensatz mit digitalisierten Werken, Briefen und weiteren Objekten.
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/person/gnd/118717758 - Wikisource: ADB: Gleim, Ludwig – digitalisierte Fassung des Artikels von Wilhelm Creizenach, Allgemeine Deutsche Biographie, Band 9 (1879), S. 228–233.
https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Gleim,_Ludwig - Wilhelm Körte: Johann Wilhelm Ludewig Gleims Leben aus seinen Briefen und Schriften, Halberstadt 1811. Digitalisat über Wikisource.
https://de.wikisource.org/wiki/Johann_Wilhelm_Ludwig_Gleim
Mutterseite: Adelheid Tidemann
Adelheid Tidemann, geboren in Bremen und am 14. Januar 1760 in St. Ansgarii getauft, war die Mutter von Betty Gleim.
Die entscheidende genealogische Frage – ob Adelheid Tidemann die Schwester des späteren Bremer Bürgermeisters Franz Tidemann war – ist durch die erhaltenen Taufbucheinträge belegt:
- Adelheid Tidemann, Taufe 14. Januar 1760: St. Ansgarii, Bremen, Taufbuch 1735–1769, Staatsarchiv Bremen StAB 6.18/20, Nr. 103. Als Eltern sind Johann/Jan Tidemann und Ilsabetha Warneken eingetragen.
https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/digitalMediaViewer.action?archivalDescriptionId=8658224&selectId=24641198 - Franz Tidemann, Taufe 1752: ebenfalls St. Ansgarii, Bremen, Taufbuch 1735–1769, Staatsarchiv Bremen StAB 6.18/20, Nr. 103. Als Eltern sind ebenfalls Jan Tidemann und Ilsabetha Warneken eingetragen.
https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/digitalMediaViewer.action?archivalDescriptionId=8658224&selectId=24641312
Bestandsergebnis: Die beiden Taufbucheinträge nennen dieselben Eltern. Damit ist die Geschwisterschaft von Adelheid Tidemann und Franz Tidemann durch eine primäre genealogische Quelle belegt.
Eltern von Adelheid und Franz Tidemann
- Johann/Jan Tidemann und Ilsabetha Warneken: Die Eheschließung bzw. Aufgebotsangabe ist im Aufgebotsbuch von St. Ansgarii 1748–1817 überliefert: Staatsarchiv Bremen StAB 6.18/20, Nr. 121, S. 14, Eintrag vom 28. Oktober 1749.
https://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/digitalMediaViewer.action?archivalDescriptionId=8658218&selectId=24648888
Für die genealogische Verbindung ist vor allem der Abgleich der beiden Taufbucheinträge maßgeblich. Weitere Angaben zu den Eltern wurden für den Betty-Gleim-Artikel nicht weiterverfolgt.
Franz Tidemann (1752–1836)
- Franz Tidemann: geboren 23. Dezember 1752 in Bremen, gestorben 9. April 1836 in Bremen; Jurist, Bremer Senator und Bürgermeister. Für die hier relevante Genealogie entscheidend ist der Taufbucheintrag von 1752 mit den Eltern Jan Tidemann und Ilsabetha Warneken.
Zeitgenössische Quelle zu Gottlieb Gleim und Adelheid Tidemann
- SuUB Bremen – Digitale Sammlungen: An Herrn Gottlieb Gleim und Demoiselle Adelheid Tidemann zu Bremen. Den 12ten October 1779. – zeitgenössische Gelegenheitsschrift, Bremen 1779, 8 Seiten, Signatur brem.b.1112-1.
https://brema.suub.uni-bremen.de/suubcasual/content/titleinfo/3635429
Quellenkritischer Hinweis
Die Bremer Frauengeschichte bezeichnet Adelheid Tidemann als „Nichte“ des Bürgermeisters Franziskus Tidemann. Diese Angabe steht im Widerspruch zu den beiden erhaltenen Taufbucheinträgen von 1752 und 1760: Beide Kinder haben Jan/Johann Tidemann und Ilsabetha Warneken als Eltern. Für die genealogische Einordnung ist daher der Primärquellenbefund maßgeblich.
🔍 Literatur und Quellen zu Betty Gleim und ihrem Werk
Betty Gleim (1781–1827)
- Deutsche Biographie: Gleim, Betty – biografischer Eintrag mit Angaben zu Herkunft, Familie, Ausbildung, pädagogischem Wirken und schriftstellerischem Werk.
https://www.deutsche-biographie.de/sfz21171.html - Bremer Frauengeschichte: Gleim, Adelheid, Ilsabetha gen. Betty – Angaben zu Eltern, Geschwistern, Ausbildung, pädagogischem Konzept und Lebenslauf sowie weiterführende Literatur.
https://www.bremerfrauengeschichte.de/2_Biografien/gleimB.html - Bremer Frauenmuseum: Gleim, Betty (1781–1827) – biografische Darstellung und Angaben zu ihrem pädagogischen und schriftstellerischen Werk.
https://bremer-frauenmuseum.de/gleim-betty/ - August Kippenberg: Betty Gleim – ein Lebens- und Charakterbild als Beitrag zur Geschichte der deutschen Frauenbildung und Mädchenerziehung, Bremen 1882. Zeitgenössische Biografie und wichtige Quelle zur Person und ihrem pädagogischen Wirken.
Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803)
- Deutsche Biographie: Gleim, Johann Wilhelm Ludwig – biografischer Eintrag und weiterführende Nachweise.
https://www.deutsche-biographie.de/sfz21173.html - Gleimhaus Halberstadt: Johann Wilhelm Ludwig Gleim – Lebenslauf, Herkunft, Familie und Werk; mit historischem Stammbaum.
https://www.gleimhaus.de/themen/johann-wilhelm-ludwig-gleim - Deutsche Digitale Bibliothek: Johann Wilhelm Ludwig Gleim – Normdatensatz, digitalisierte Werke, Briefe und weitere Objekte.
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/person/gnd/118717758 - Wikisource: ADB: Gleim, Ludwig – digitalisierte Fassung des Artikels von Wilhelm Creizenach, Allgemeine Deutsche Biographie, Band 9 (1879), S. 228–233.
https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Gleim,_Ludwig - Wilhelm Körte: Johann Wilhelm Ludewig Gleims Leben aus seinen Briefen und Schriften, Halberstadt 1811. Digitalisat über Wikisource.
https://de.wikisource.org/wiki/Johann_Wilhelm_Ludwig_Gleim
Betty Gleims Werke
- SuUB Bremen – Digitale Sammlungen: Neues bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch, Ausgabe von 1817, herausgegeben nach Betty Gleim.
https://brema.suub.uni-bremen.de/urn/urn:nbn:de:gbv:46:1-456 - Deutsche Digitale Bibliothek: Bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch [Wirtschaftsbuch] – digitaler Nachweis des in der DDB verzeichneten Objekts.
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/2GCBYV7DTCMWTO2IMVRTZ4TNQQEB3RUB - Bremer Frauengeschichte: Bibliografie der Werke Betty Gleims, darunter Erziehung und Unterricht des weiblichen Geschlechts (1810), Fundamentallehre (1810), Lesebuch zur Uebung in der Declamation (1809/1810) und weitere Schriften.
https://www.bremerfrauengeschichte.de/2_Biografien/gleimB.html
Das „Bremische Koch- und Wirthschaftsbuch“
- Erstausgabe: Betty Gleim, Bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch, Bremen und Aurich 1808. Die Erstausgabe ist bibliografisch nachgewiesen; das Vorwort der ersten Ausgabe befindet sich auf S. III–IV.
- SuUB Bremen: Neues bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch, Ausgabe von 1817, herausgegeben nach Betty Gleim.
https://brema.suub.uni-bremen.de/urn/urn:nbn:de:gbv:46:1-456 - Deutsche Digitale Bibliothek: Bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch [Wirtschaftsbuch] – digitaler Nachweis eines Exemplars; frei zugänglich ist hier das Inhaltsverzeichnis.
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/2GCBYV7DTCMWTO2IMVRTZ4TNQQEB3RUB - Faksimile der Erstausgabe: Bremisches Koch- und Wirthschaftsbuch. Faksimile der Erstausgabe von 1808, Bremen: Heinrich Döll, 1975. ISBN 3-920245-41-5 / 978-3-920245-41-6. XXXII, 304 Seiten, Frakturdruck. Das Faksimile ist nicht vollständig frei digital zugänglich.
- Deutsche Nationalbibliothek: Rechteinformation zum digital zugänglichen Inhaltsverzeichnis des Faksimiles von 1975.
https://d-nb.info/770194540/04
Vorwort der Erstausgabe von 1808
Das ursprüngliche Vorwort Betty Gleims ist in der Erstausgabe von 1808, S. III–IV überliefert. Eine wissenschaftliche Arbeit zitiert daraus die Begründung, dass bis dahin kein bremisches Kochbuch vorhanden gewesen sei und die besondere Art der Speisenzubereitung in Bremen die Herausgabe eines solchen Buches nahegelegt habe.
Der vollständige deutsche Wortlaut des Vorworts konnte bislang in einem frei zugänglichen Digitalisat der Erstausgabe nicht überprüft werden. Das Faksimile von 1975 bietet grundsätzlich die Möglichkeit, auf den Originaltext zurückzugreifen; frei zugänglich ist davon bislang jedoch nur das Inhaltsverzeichnis. Die späteren Ausgaben von 1817 und 1847 sind daher nicht als Ersatz für das Vorwort der Erstausgabe zu verwenden.

