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16.10.1921 Fürth – 11.04.2017 Fürth
Was für eine ungewöhnliche, beeindruckende Frau!
Nachdem ihre Mutter starb, lebte sie ein Jahr noch bei ihrem Vater, dann ein Jahr bei den Großeltern, ab 1929 im Fürther jüdischen Waisenhaus.
NS- und Kriegszeit

1938 wurde sie von der Gestapo wegen ihres polnischen Vaters als jüdische Polin nach Polen deportiert.
Nach ungefähr einem Jahr, nach dem Einmarsch der Deutschen, wurde sie von den Russen weiter in die Sowjetunion deportiert (so formuliert sie es im „Zeitzeugeninterview“, Video auf FürthWiki).
Ihre Odyssee überlebt sie mit viel Überlebenswillen – mit der Bereitschaft, jede sich bietende Gelegenheit beim Schopf zu packen, Neues zu lernen und neue Tätigkeiten anzunehmen, seien sie noch so ungewohnt und ungelernt – und mit einer offensichtlich „eisernen (psychischen und physischen) Gesundheit“.
Wie sonst konnte sie diese unmenschlichen Behandlungen und Transporte, Schwerstarbeit im Straflager und auf Frachtern, Gefängnisaufenthalte, und viele weitere Bedrohungen und Strapazen überleben?
Margarete Buber-Neumann* beschreibt diesen Selbsterhaltungstrieb in ihrem Artikel „Die Geschichte der Bella Rosenkranz“ so: „…, erkennt man zum ersten mal das, was diesen jungen Menschen besonders kennzeichnet: die außerordentliche Lebensfähigkeit. Ein instinktiver Trieb, ihr Überleben zu sichern, lässt sie auch in hoffnungslosesten Situationen immer das tun, was sich ihr als größte Chance zum Überleben bietet, selbst dann, wenn es auf den ersten Blick unmöglich scheint. Während ihrer 23-jährigen Odyssee …hat dieser Instinkt sie nie im Stich gelassen.“
*FIDEW-Zeitschrift 1990 Sonderband 1: „Flucht – Vertreibung – Exil – Asyl: Frauenschicksale im Raum Erlangen, Fürth, Nürnberg, Schwabach“, S. 147ff – als pdf online
Dass sie hin und wieder das Glück hatte, auf hilfsbereite Menschen zu stoßen, hat sicher auch zum Überleben beigetragen – aber: sie musste dieser Hilfe auch trauen, sie annehmen und befolgen!
Mit einer solchen Hilfe, einem russischen Seemann, der ins Ausland durfte, konnte sie z.B. einen Brief ans Rote Kreuz in Deutschland, und damit auch nach Israel zu Verwandten, schmuggeln.
Rückkehr nach Fürth
1961 durfte sie endlich nach Fürth zurückkehren – auch weil sich der Suchdienst des Roten Kreuzes für sie einsetzte.
Nach all dem Grauen und den Strapazen versuchte sie, in Israel und in den USA Fuß zu fassen. Dort hatte sie – im Gegensatz zu Fürth – jeweils Familie und Freunde.
Es gelang ihr nicht. Israel war schlicht zu heiß (nach dem sibirischen Klima war eine körperliche Umstellung nicht möglich). In New York konnte sie aus anderen Gründen nicht heimisch werden.
An mangelnden sprachlichen Kenntnissen lag es bestimmt nicht. Sie scheint Sprachen leicht gelernt zu haben. Auch in Russland hat sie so gut Russisch gelernt, dass man sie später – als sie zwar frei war, aber das Land nicht verlassen durfte – nicht als Ausländerin identifizieren konnte.
Zum Zeitpunkt eines langen Zeitzeugengespräches 1997 (auf fürthwiki anzusehen) liebäugelt sie noch mit einer Auswanderung nach England oder Straßburg. Sie redete nicht darüber, was sie schlussendlich von der Auswanderung abhielt. „Ich muss ja nicht alles erzählen.“
Sie sagt im Interview, dass sie sich in Deutschland nicht wirklich wohl fühlt – trotz angenehmer, gut bezahlter Arbeitsstelle und netten Bekannten. Sie fühlt sich einsam ohne Familie und jüdische Freunde, jüdische Gemeinde, jüdische Rituale.
Letztlich blieb sie bis zu ihrem Tod in Fürth.
Ihre Energie scheint unerschöpflich, ihre Lebensbejahung und ihr Lebensmut ungebrochen.
Sie engagierte sich in der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg. Sie setzte sich für den christlich-jüdischen Dialog ein. Sie half zugewanderten Juden beim Einleben in Deutschland. Sie gab ihnen auch Deutschunterricht.
Viel Freude bereitete ihr, den Bauchtanz zu lernen und mit russischen und jüdischen Liedern aufzutreten.
Sie veröffentlichte 2005 ihre Autobiographie „Bella – Odyssee einer Fürtherin in der Sowjetunion“.
2011 bekam sie den Ehrenbrief der Stadt Fürth.
2017, im Jahr ihres Todes, wurde die üble Rolle des bis dahin angesehenen Fürther Stadtarchivdirektors Dr. A. Schwammberger während der NS-Zeit, speziell in Polen, bekannt.
Daraufhin beschloss der Fürther Stadtrat noch 2017, die nach ihm benannte Straße in der Fürther Innenstadt umzubenennen.


Seit 2018 heißt die betreffende Straße nun: Bella-Rosenkranz-Straße.
💡 Quellen und weiterführende Links
- Film von Stephanie Hecht und Thomas Steigerwald (Juni 1997): »Ich bin die Einzige, die übrig geblieben ist« – die Odyssee der Bella Rosenkranz. In: Medienpraxis – Reportage.
- Bella Rosenkranz. Mit langem Zeitzeugengespräch (1997). In: FürthWiki. [abgerufen 19.08.2025] – besondere Empfehlung!
- * Margarete Buber-Neumann : „Die Geschichte der Bella Rosenkranz“. FIDEW-Zeitschrift 1990, Sonderband 1 „Flucht – Vertreibung – Exil – Asyl: Frauenschicksale im Raum Erlangen, Fürth, Nürnberg, Schwabach“, S. 147ff – als pdf online – besondere Empfehlung (ausführliche Biografie)!
- Bella Rosenkranz (o. J.). In: Nürnberger Videoarchiv der Erinnerung. – Text und dazugeöriges Video
- ja: „Wer war Bella Rosenkranz?“ In: www.nordbayern.de/fuerth 22.11.2017 – online
- Bella Rosenkranz. In: Renate Trautwein: „FrauenLeben in Fürth. Spurensammlung und Wegweiser“ (emwe-Verlag – Nürnberg 2003), S. 40-42
- Rosenkranz, Bella (2017): Traueranzeige. In: NN, 11.04.2017 – online
- Bella Rosenkranz und Michael Kerstan: „Bella: Odyssee einer Fürtherin in der Sowjetunion“. Verlag: Metropol, Berlin, ©2005
- Meinhard Stark Findbuch „Gulag-Archiv“, S. 278: Dokumentation zu „Bella Rosenkranz, Interview 2006 in Fürth“. In: „Bundesstiftung Aufarbeitung“ (pdf)
- „Schwammbergerstraße“ In: FürthWiki. [abgerufen 19.08.2025]
💡 interne Links:
Stand: 08.2025
