ANNA WECKER(IN): KOCHBUCHAUTORIN

Überblick Kochbuch-Autorinnen

Biografisches — Kochbuch — vor dem Kochbuch — Autor Ehemann — Weiterführendes

geb. Keller, verw. Aeschenberger
geb. vor 1536, Basel
† 1596, Altdorf bei Nürnberg

Historisches Titelblatt des „Köstlich Kochbuchs“ von Anna Wecker, 1598, eines der frühesten deutschsprachigen Kochbücher einer namentlich bekannten Autorin.

Die Frau links im Bild wird gelegentlich als Anna Wecker identifiziert; ein gesicherter Nachweis dafür liegt nicht vor.

Biografisches

Anna Weckerins Lese- und Schreibkenntnisse

Es lässt sich nicht feststellen, wann und in welchem Umfang Anna Schulbildung erhielt. Eine genealogische Darstellung vermutet eine mögliche Beteiligung älteren Geschwister an ihrer Bildung und spricht von einer außergewöhnlich guten Bildung und Lateinkenntnissen.

Allein die Berufslaufbahn eines ihrer Brüder zeigt das hohe Bildungsniveau ihrer Familie. Ihr Bruder Isaak ist bekannt als Professor der Medizin in Basel. Er war zweimal Rektor der Universität Basel (1559 und 1569). 1571 wurde er zum Verwalter („Schaffner“) des säkularisierten Chorherrenstifts St. Peter bestellt.

Annas Familie

Annas Vater ist Clemens Keller (wohl 1488–1536). Er hatte ab 1498 das Bürgerrecht in Basel. Er stammte aus einer Tuchhändlerfamilie und war selbst Tuchhändler.

Annas Mutter ist nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden Clemens zweite Frau Anna NN oder seine dritte Ehefrau Katharina Lombard.

Vier ihrer älteren Brüder sind namentlich bekannt:
Thomas (1516–1571), Melchior († 1587), Isaak (1530–1596), Hans (1531–1603). Isaak und Hans sind Söhne der Katharina Lombard.

Ehen und Kinder

Sie wurde zwei Mal Witwe.
Zuerst heiratete sie den Stadtschreiber von Altdorf bei Nürnberg: Israel Aeschenberger. Ihre Tochter ist Katharina, die mit dem Mediziner und Philosophen Nicolaus Taurellus verheiratet war. Katharina bekam 12 oder 13 Kinder. Ob Anna selbst in ihren beiden Ehen weitere Kinder neben Katharina bekam, ist nicht bekannt.

Mit ihrem zweiten Mann, dem Stadtphysikus (Arzt!) J. Wecker, lebte sie in Colmar.
Johann Jacob Wecker (1528–1586) war Arzt, Professor und seit 1566 Stadtphysikus in Colmar. Er veröffentlichte unter anderem Schriften zu Medizin, Arzneimitteln und sogenannten „Geheimnissen“.

Nach Weckers Tod zog sie zu ihrer Tochter Katharina nach Altdorf zurück.

Kochbuch

Anna schrieb das erste von einer Frau verfasste und gedruckte Kochbuch in deutscher Sprache: „Ein Köstlich new Kochbuch“. Sie beendete es im Jahr ihres Todes 1596.
Entscheidend ist bei ihr die Tatsache, dass das Kochbuch gedruckt wurde. Natürlich gab es vorher Rezeptesammlungen. Einige Verfasserinnen davon sind namentlich bekannt. Die meisten Sammlungen sind anonym, nicht zuordnungsbar oder auch unsichtbar vorhanden in den Büchern ihrer Ehemänner.

Ihre Tochter Katharina Taurellus veröffentlichte das Kochbuch 1597. In der Widmung der Tochter steht „Altorf, den 10. August 1597“. Katharina erklärt dort, dass ihre Mutter das Kochbuch kurz vor ihrem Tod fertiggestellt und für den Druck vorbereitet hatte. Sie selbst habe den letzten Wunsch der Mutter erfüllt und es zum Druck gebracht.

Titel  des „Köstlich Kochbuchs“ von Anna Wecker, 1598, eines der frühesten deutschsprachigen Kochbücher einer namentlich bekannten Autorin.

Das Kochbuch verbindet Kochen, Ernährung und medizinisches Wissen:

TITEL DES KOCHBUCHS:
„Ein besonderes, neues Kochbuch von allerhand Speisen aus Gemüse, Obst, Fleisch, Geflügel, Wildbret, Fischen und Gebackenem. Nicht nur für Gesunde, sondern auch und besonders für Kranke mit verschiedenen Krankheiten und Gebrechen, aber auch für schwangere oder im Wochenbett liegende Frauen und für alte Menschen herrschaftlich [= für oberste Gesellschaftsklasse] zuzubereiten und zu verwenden.

Dieses Buch wurde noch nie gedruckt.
Selbst aufgeschrieben von
F. Anna Weckerin
Witwe des berühmten Arztes D. Johann Jacob Wecker
Amberg, im Verlag Michaëln Forstern 1598″

Katharinas Vorwort liefert eine zusätzliche Information: Anna habe das Buch über viele Jahre aus eigener Erfahrung und Praxis sowie durch das Befragen von „vielen guten und kundigen Leuten“ zusammengestellt.

Titelblatt des „Köstlich Kochbuchs“ von Anna Wecker, 1598, eines der frühesten deutschsprachigen Kochbücher einer namentlich bekannten Autorin.

Anna Wecker war schon vor dem Kochbuch Autorin

1586, also zehn Jahre vor ihrem Tod und elf Jahre vor der ersten Kochbuchausgabe, erschien in Nürnberg ihr „Ein Hochzeit Spruch“. Sie unterschrieb als: „Anna Kellerin: Doctor Hannß Jacob Wecker seligen hinderlassene Wittfraw“

→ Ein Hochzeit Spruch/ zu Ehren und glücklicher Wolfart

Sie war offenbar an der Buchproduktion ihres Mannes beteiligt

Johann Jacob Wecker war nicht nur Stadtphysikus in Colmar, sondern ein weithin tätiger medizinischer Autor. Zu seinen bedeutenden Schriften gehörte ‚das Antidotarium speciale‘, ein umfangreiches Werk über Arzneimittel und deren Zubereitung, das nach seinem Tod weiterveröffentlicht wurde.

Neuere Forschung zur frühneuzeitlichen Buchproduktion weist darauf hin, dass Anna Wecker spätestens bei der Ausgabe des Antidotarium speciale von 1588 ihres verstorbenen Mannes als Akteurin im Umfeld seiner Buchproduktion sichtbar wird. Die Forschung ordnet sie dabei in jene häufig unsichtbaren weiblichen Beteiligten an frühneuzeitlicher Buchproduktion ein.

Johann Jacob Weckers De Secretis libri XVII (1582) entstand als umfangreiche Zusammenstellung aus unterschiedlichen Wissensbeständen und Autoren. Das Werk enthält neben medizinischem, pharmazeutischem und naturkundlichem Wissen auch zahlreiche Rezepte und einen größeren Bereich zur Kochkunst. Anna Wecker war an diesem Wissens- und Rezeptesammeln beteiligt. Sie brachte dabei auch ihr eigenes Wissen über Küche und Rezepte ein.

Weiterführendes

🔍 Weiterführende Links und Quellen „Anna Weckerin“

Das „Köstlich new Kochbuch“

Anna Wecker als Autorin

Anna Wecker, Katharina Taurellus und die Entstehung des Kochbuchs

Kochen, Ernährung und medizinisches Wissen

Anna Wecker und die Weckersche Buchproduktion

Johann Jacob Wecker

Johann Jacob Wecker (1528–1586), Annas zweiter Ehemann, war Arzt, Professor und seit 1566 Stadtphysikus in Colmar. Zu seinen bedeutenden medizinischen Schriften gehörte das Antidotarium speciale, ein umfangreiches Werk über Arzneimittel und deren Zubereitung, das nach seinem Tod weiterveröffentlicht wurde.

Sein De Secretis libri XVII (1582) entstand als umfangreiche Kompilation aus unterschiedlichen Wissensbeständen und Autoren. Das Werk enthält neben medizinischem, pharmazeutischem und naturkundlichem Wissen auch zahlreiche Rezepte und einen größeren Bereich zur Kochkunst.

Eine neuere Forschung zur frühneuzeitlichen Buchproduktion weist darauf hin, dass Anna Wecker spätestens bei der Ausgabe des Antidotarium speciale von 1588 ihres verstorbenen Mannes als Akteurin im Umfeld seiner Buchproduktion sichtbar wird. Die Forschung ordnet sie dabei in jene häufig unsichtbaren weiblichen Beteiligten an frühneuzeitlicher Buchproduktion ein.

Familie Keller

Biografischer Kontext

Eine populärwissenschaftliche Darstellung auf der Seite Deutsche historische Genusswelt enthält die Aussage, Hans Wecker habe Anna eine für eine Frau ungewöhnlich gute Bildung zugeschrieben und sie habe Latein gesprochen. Es konnte online bislang keine ältere wissenschaftliche oder primäre Quelle gefunden werden.

Bildquellen

Literatur

  • Simone Zweifel: Aus Büchern Bücher machen. Zur Produktion und Multiplikation von Wissen in frühneuzeitlichen Kompilationen. De Gruyter Oldenbourg, 2022.
  • Albrecht Classen: „Eine weibliche Stimme im poetischen Ehediskurs – Anna Keller“, in: Der Liebes- und Ehediskurs der frühen Neuzeit, Waxmann, 2005, S. 294–300.
  • Willem F. Daems: „Die Baslerin Anna Wecker und ihr Kochbuch von 1597“.

Hinweis: Einige historische Internetquellen sind wissenschaftlich unterschiedlich einzuordnen. Bei strittigen oder nicht eindeutig belegten Angaben wird dies im Text ausdrücklich kenntlich gemacht.

→ ANNA WECKER(IN) Blog vom 18.11.2023