Alma Maximiliane Karlin

Alma M. Karlin war zwischen den beiden Weltkriegen die meistgelesene deutschsprachige Reiseschriftstellerin. Sie ist zugleich Zeitzeugin einer heute untergegangenen Weltordnung.

* 12. Oktober 1889 in Cilli, Österreich-Ungarn (heute Celje, Slowenien)
† 14. Januar 1950 in in Pečovnik, Celje, Slowenien

Im StadtraumZur PersonAlma M. Karlin in europäischer Perspektive: ein ProjektForschungskonzept

Im Stadtraum

Alma M. Karlin heute in Celje, Slowenien

Wer Alma M. Karlin in Celje folgen möchte, findet ihre Spuren an mehreren Orten:

  • Bronzestatue am Krekov trg (Bildhauer: Vasko Četkovič) – vor dem ehemaligen Deutschen Haus (heute Celjski dom), seit 2010.
  • Geburtsort: Gedenktafel an der Ljubljanska cesta.
    Das eigentliche Geburtshaus an der Ljubljanska cesta wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
  • Regionalmuseum Celje: Dauerausstellung mit persönlichen Gegenständen und Objekten ihrer Weltreise (kuratiert von Barbara Trnovec).
  • Alma-Karlin-Gedenkhaus in Pečovnik: ihr letztes Wohnhaus mit einer kleinen Ausstellung.
  • Alma-Karlin-Rundweg: verbindet die wichtigsten Erinnerungsorte der Stadt.
  • Straße: Ulica Alme Karlinove
  • Eine Berufs- und Fachschule in Celje trägt ihren Namen: „Strokovni izobraževalni center Alme M. Karlin“. Auf Deutsch: Berufsbildungszentrum Alma M. Karlin.

Zur Person

Alma M. Karlin: Österreicherin – im Sinne der k.u.k. Monarchie, Jugoslawin, Weltbürgerin

Sie wurde 1889 im habsburgischen, zweisprachigen, untersteirischen Cilli (slowenisch: Celje) geboren und starb 1950 ebenfalls dort als jugoslawische Staatsbürgerin.
Dazwischen: kein Umzug, nur wechselnde Staaten, verursacht durch zwei Weltkriege und mehrere Systemwechsel. Ein europäisches Schicksal.

A. Karlin zieht 1908, mit finanzieller Unterstützung ihrer Mutter, nach London. Als Grund wird gesagt: um sich ihrer dominanten Mutter, aber auch den Einschränkungen und politischen Auseinandersetzungen ihrer Geburtsstadt zu entziehen. Aus dem geplanten kurzen Aufenthalt wurden fast sechs Jahre. Sie arbeitete dort als Übersetzerin und Sprachlehrerin. Daneben lernte sie mehrere europäischenSprachen, die sie sehr erfolgreich mit Prüfungen abschloss.

Wahrscheinlich 1913 verbringt sie auch sechs Monate in Paris, studiert an der Sorbonne Französisch und erwirbt zusätzliche Grundkenntnisse in Chinesisch und Esperanto.

1914 zieht sie zurück nach Celje. Sie eröffnet eine Sprachenschule, nimmt selbst Unterricht in verschiedenen Sparten, z.B. Malen, und spart Geld für ihre Weltreise.

Am 24. November 1919 verlässt A. Karlin als Bürgerin des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen den Bahnhof ihrer Heimatstadt Celje (vorher Cilli) und bereiste gut acht Jahre lang alle fünf Kontinente. Häufig ist von mehr als 60 bereisten Ländern die Rede. Wikipedia benennt nur diese Länder: USA, Panama, Neuseeland, Australien, Fidschi- und die Salomoninseln, Neuguinea, Borneo, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Singapur, Britisch-Indien, China und Japan.

Was sicher ist: sie hatte für die lange Reise, auch länger als geplant, nicht genug Ersparnisse. Sie schrieb deshalb Reiseartikel für deutschsprachige Zeitungen, sie übersetzte und gab Sprachunterricht. Manchmal musste sie auch Schulden machen. Als Handwerkszeug war immer dabei: die bekannte Schreibmaschine „Erika“, die häufig bei Denkmälern mit dargestellt wird.

Alma M. Karlin gehört bis an ihr Lebensende der römisch-katholischen Kirche an. Trotzdem durchzieht ihr Leben und Schreiben die intensive Beschäftigung mit verschiedenen Religionen, mit Theosophie und mit „Aberglauben“.

Mit „Einsame Weltreise“ und „Im Banne der Südsee“ wurde sie zu einer der meistgelesenen deutschsprachigen Reiseschriftstellerinnen der Zwischenkriegszeit. Nach ihrem Tod geriet sie jedoch weitgehend in Vergessenheit. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Seit den 1960er Jahren wird ihr Werk vor allem in Slowenien schrittweise wiederentdeckt, insbesondere durch Ethnologinnen, Literaturwissenschaftlerinnen, Journalistinnen, Übersetzerinnen und Museumsfachleuten.
Seit den 2000er Jahren wächst auch die öffentliche Aufmerksamkeit deutlich. Es erscheinen zunehmend wissenschaftliche und biographische Arbeiten außerhalb Sloweniens, insbesondere in Österreich und Deutschland.

Alma M. Karlin in europäischer Perspektive – ein Projekt

Dieses Projekt betrachtet Alma M. Karlin aus heutiger europäischer Perspektive: als Zeitzeugin einer in weiten Teilen untergegangenen Welt. Sie ist dadurch nicht allein als Reiseschriftstellerin interessant, die zwischen 1919 und 1927 eine ungewöhnliche, unbequeme und gefahrvolle Weltreise unternahm.

Kein Mensch lebt losgelöst von seiner Familie, seiner natürlichen Umwelt, seiner Zeit und seiner Kultur. Im Mittelpunkt stehen deshalb für mich diese Fragen:
1. Welche natürlichen, aber auch welche von Menschen geschaffenen Lebensbedingungen prägten die Welt, in der Alma M. Karlin aufwuchs und später lebte und arbeitete?
2. Welche Themen ihrer Zeit sind aus heutiger europäischer Perspektive noch aktuell? Welche haben sich durch politische und gesellschaftliche Veränderungen überholt? Welche Fragen müssen wir heute vielleicht neu bewerten oder sogar neu stellen?
3. Welche Themen sind uns inzwischen fremd geworden, gelten vielleicht sogar als Tabu und wirken dennoch bis heute unterschwellig fort?

Zugleich richtet die Artikelreihe den Blick auf die heutige digitale Erinnerung an Alma M. Karlin. Im Internet entstehen Bilder ihrer Person, ihrer Lebenswelt und ihres Werks, die das öffentliche Gedächtnis mitprägen. Welche werden sichtbar? Welche fehlen?

Jeder Artikel geht einer Frage nach. Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Familie, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.

Die Artikelreihe

Einführung: Die Welt der Alma Maximiliane Karlin
Leitartikel: Alma M. Karlin: eine europäische Grenzgängerin

Einzelartikel:
1. Alma M. Karlin und Familie
Alma Maximiliane Karlin und die Sprachen
Reisen um 1920: Mehr als nur eine Frage des Geldes
Alma, die Naturbeobachterin
Alma M. Karlins Familie (Überblick)
Almas Mutter: Vilibalda Miheljak
Lehrerinnen im Habsburgerreich: Ein neuer Frauenberuf I
Lehrerinnen im Habsburgerreich: Ein neuer Frauenberuf II
Thea Schreiber-Gammelin („Seelenschwester Almas“)
Thea Schreiber-Gammelin

2. Lebenswelt: Geschichte und Gesellschaft
Die Slawen: eine Einordnung
Cilli/Celje zur Lebenszeit A. M. Karlins: eine Stadt, zwei Sprachen, drei Staaten
Zwischen Sprache und Nation: Identitäten in der Habsburgermonarchie
Die Entwicklung der Schulbildung in Cilli/Celje 1770–1918
Cillier Schulstreit 1895
Cilli/Celje: vier Glaubensgemeinschaften, drei verschwunden
Die ‚Theosophische Gesellschaft‘: eine Einordnung

3. Lebenswelt: Natur
Wo Europas Landschaften zusammentreffen: Sloweniens geologische Vielfalt
Flora und Fauna Sloweniens

Forschungskonzept

Diese Artikelreihe untersucht die digitale Erinnerungskultur zu Alma M. Karlin. Deshalb beruhen die einzelnen Beiträge überwiegend auf der Auswertung digital zugänglicher Quellen, darunter Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Datenbanken, Digitalisate sowie seriöse Internetpublikationen. Die jeweiligen Quellenverzeichnisse bestehen daher vor allem aus Internetquellen.

Die gedruckte Forschung bildet dabei eine wichtige Ergänzung. Die nachfolgende Auswahl nennt Werke, die den aktuellen Forschungsstand zu Alma M. Karlin repräsentieren.
Die Konzentration der Artikelreihe auf die digitale Erinnerungskultur und auf die Rekonstruktion von Alma Karlins Lebenswelten aus heutiger europäischer Perspektive eröffnet jedoch eigene Erschließungslinien. Umgekehrt ist nicht auszuschließen, dass die gedruckte Forschung bereits Themen behandelt oder Zusammenhänge klärt, die im Internet bislang nicht oder nur unzureichend zugänglich sind.
Für eine vollständige Einordnung der in dieser Artikelreihe behandelten Themen ist die ergänzende Berücksichtigung der einschlägigen gedruckten Forschung daher unerlässlich.

📚 Ausgewählte Forschungsliteratur und Primärquellen „Alma Maximiliane Karlin“ (aufklappen)
Aktuelle Standardwerke
  • Barbara Trnovec: Die endlose Reise der Alma M. Karlin. Celje / Ljubljana, 2020.
  • Jerneja Jezernik: Alma M. Karlin. Mit Bubikopf und Schreibmaschine um die Welt. Klagenfurt/Celovec: Drava, 2020.
  • Vida Jesenšek, Horst Ehrhardt, Natalia Kaloh Vid (Hrsg.): Language and Style in the Work of Alma M. Karlin / Jezik in slog v delih Alme M. Karlin. University of Maribor Press, 2019.
  • Online-Ausgabe: Vida Jesenšek, Horst Ehrhardt (Hrsg.): Sprache und Stil im Werk von Alma M. Karlin. Online-Publikation, 2023. University of Maribor Press.
  • Junko Takamiya: „Die Neue Frau als Weltreisende. Alma Karlins Aufenthalt in Japan.“ In: Mechthild Duppel-Takayama, Rolf Parr, Thomas Schwarz (Hrsg.): Exotismen in der Kritik. Paderborn: Brill Fink, 2023, S. 187–220. Online zugänglich.
  • Davor Mlinarič: „Vzemi Almin žolč! Alma M. Karlin in njeni domovi v Celju skozi arhivsko gradivo.“ In: Zgodovina za vse, 32 (2025), Nr. 1, S. 5–31.
Kritische Editionen und autobiographische Schriften
  • Alma M. Karlin: Ein Mensch wird. Auf dem Weg zur Weltreisenden. Herausgegeben und kommentiert von Barbara Trnovec. Berlin: AvivA Verlag, 2018.
  • Alma M. Karlin: Einsame Weltreise. Herausgegeben von Barbara Trnovec. Berlin: AvivA Verlag, 2019.
Primärwerke Alma M. Karlin
  • Einsame Weltreise. Erstausgabe 1930.
  • Im Banne der Südsee. 1930.
  • Unter Südkreuz und Zaubermond. 1931.
  • Der Götze. 1932.
  • Isolanthis. 1936.
Ausstellungskataloge und Nachlasserschließung
  • Barbara Trnovec (Hrsg.): Ausstellungskataloge und Begleitpublikationen des Pokrajinski muzej Celje (Regionalmuseum Celje).
Literatur zu Thea Schreiber-Gammelin und zur gemeinsamen Lebensgeschichte
  • Matthias Burkhardt: Malerin – Partisanin – Mystikerin: Thea Schreiber Gammelin (1906–1988). Rostock, 2010.
  • Barbara Trnovec: „Thea Schreiber Gammelin: slikarka, pastorjeva hči, dušna sestra Alme M. Karlin.“ Kamra, 2019.
Journalistische und biografische Quellen
  • Špela Kuralt: „Dekle, ki je verjelo, da je sestrična angleške kraljice.“ In: Delo, 9. März 2017.
Literatur zum historischen und kulturellen Umfeld
  • Suzanne L. Marchand: German Orientalism in the Age of Empire. Religion, Race, and Scholarship. Cambridge University Press, 2009.
  • Douglas T. McGetchin, Peter K. J. Park, Damodar SarDesai (Hrsg.): Sanskrit and „Orientalism“. Indology and Comparative Linguistics in Germany, 1750–1958. New Delhi: Manohar, 2004.

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Alma M. Karlin
Familie, Lebenswelten, Wege und Werk
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