| Die Artikelreihe: Alma M. Karlin in europäischer Perspektive |
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Alma und ihr Vater — Cilli/Celje: eine Stadt zwischen Fluss und Hügeln — Ein Sprung rund 45 Jahre später — Alma unterwegs: Natur beobachten, zeichnen, sammeln — Weiterführende Links und Quellen
Alma und ihr Vater
Alma erinnert sich in ihrer Autobiografie „Ein Mensch wird“ an lange Spaziergänge mit ihrem Vater. Sie gehören zu ihren frühesten Kindheitserinnerungen. Sie berichtet von kleinen Erlebnissen, die ihr im Gedächtnis geblieben sind.
„Stärker, überwältigender war der Eindruck, den ich von der Größe der Erdkugel erhielt. Eines Tages wanderten Vater und ich über die Felder der Sanntaler Ebene, die zu jener Zeit noch nicht Hopfenanlagen, sondern Getreide aufwies und hinter der, fern und dunstig, die Sulzbacheralpen im ersten Abendschein flimmerten. Der Wind verwandelte die reifenden Ähren in ein strohgelbes Meer, aus dessen Gewoge da und dort hellroter Mohn oder leuchtende Kornblumen brachen. So weit das Auge schaute,
nichts als wogendes Korn und wieder wogendes Korn, in bläulicher Ferne von Bergen eingeschlossen.“ (Karlin 1931/2018: 21), Fabčič S. 95
geografisch-sprachliche Hinweise:
– das heutige ‚Untere Savinja-Tal‘ ist die historische „Sanntaler Ebene“.
– „Sulzbacheralpen“ sind die heutigen Kamnik-Savinja-Alpen (Steiner-Sanntaler Alpen).
„Wenn ich hinfiel und mir der Ellbogen blutig schlug, sagte er mir: „Halt‘ die Hand auf dem Rücken, damit Mama nichts merkt!“ (Karlin 1931/2018: 14f.), Jesenšek S. 117
Obwohl ihr Vater starb, als Alma acht Jahre alt war, lässt sich sein Einfluss auf ihr Leben immer wieder entdecken. Im Positiven gehören dazu die Freude an langen Spaziergängen und die Haltung, sich durch körperliche Einschränkungen nicht im Tun behindern zu lassen. Auch seine Einstellung, dass für einen österreichischen Soldaten der multinationalen Monarchie innernationale Auseinandersetzungen keine Rolle zu spielen hätten („Ein österreichischer Offizier hat keine Nationalität.“), hatte sicherlich auch Einfluss auf Almas allgemeine Haltung gegenüber Nationalismen. Im Negativen verstärkte er (vermutlich unbeabsichtigt) auch die Ablehnung des Frauenbildes und der bürgerlichen Frauenwerte ihrer Mutter.
nachträglich die Originalausgabe mit den Zitaten gefunden:
→ Karlin, Alma M. (1931), „Ein Mensch wird : Aus Kindheit und Jugend“ (pdf, deutsch, kostenlos)
Cilli/Celje: eine Stadt zwischen Fluss und Hügeln
Almas Erinnerung an die Spaziergänge lässt sich auch vor dem Hintergrund der Landschaft verstehen, in der sie aufwuchs. Ein Blick zeigt, welche unterschiedlichen Natur- und Landschaftsräume unmittelbar vor ihrer Haustür lagen.
Celje liegt im „Becken der Savinja“, des Flusses, der im Deutschen auch Sann genannt wird. Die Savinja durchquert das Celje-Becken und fließt durch die flache Landschaft des „Unteren Savinja-Tals“, der historischen „Sanntaler Ebene“. Bei Celje verlässt der Fluss das Becken und wendet sich nach Süden.
Genau diese Landschaft begegnet uns in Almas Erinnerung an einen Spaziergang mit ihrem Vater. Sie wanderten über die „Felder der Sanntaler Ebene“, die sie als weite Getreideflächen beschreibt.
Celje selbst ist von Hügeln und bewaldeten Hängen umgeben. Unmittelbar am Stadtrand erhebt sich der ‚Miklavžev hrib‘ („Nikolaushügel“). Seine bewaldeten Hänge waren von Cilli aus zu Fuß erreichbar. Auch der Stadtpark und die angrenzenden Hänge boten Möglichkeiten für längere Spaziergnge von Vater und Tochter.
Für ein Kind, das später Pflanzen sammelte, Natur beobachtete und zeichnete, muss diese Landschaft eine ungewöhnlich reichhaltige Anregung gewesen sein.
Ein Sprung rund 45 Jahre später
Ein Sprung rund 45 Jahre später führt in eine andere Landschaft. Und doch an einen Ort, der unmittelbar mit Alma verbunden ist.
Etwas weiter entfernt von Celjes Zentrum liegt der ‚Hom‘, ein größerer Berg der Umgebung. Ob er schon für Alma und ihren Vater ein Ziel war wird online nicht sichtbar. Klar aber ist, dass der Hom eine wichtige Rolle in Almas Erwachsenenleben gespielt hat.
Alma lebte die letzten Jahre ihres Lebens in Pečovnik 44, 3000 Celje*. Ihr kleines Haus lag auf dem Gelände eines ehemaligen Weinbergs oberhalb von Celje, in der Landschaft unterhalb des Hom. 1933 hatte Alma das Anwesen erworben. 1936 kaufte es ihr ihre Lebenspartnerin Thea Schreiber-Gammelin ab. Nach Almas Tod blieb Thea dort bis zu ihrem eigenen Tod 1988.
Heute ist es ein kleines Museum, das „Alma-Karlin-Gedenkhaus“.
* manche Quellen nennen irrtümlich: Pečovje in der Gemeinde Štore
Von diesem Haus aus erkundeten Alma und Thea die Umgebung zu Fuß. Alma war eine begeisterte Wanderin; gemeinsam legten die beiden, wie Kamra berichtet, häufig auch 40 Kilometer am Tag zurück. Die Wanderungen waren fester Bestandteil ihres gemeinsamen Alltags. Dabei beobachtete Alma die Pflanzen- und Tierwelt ihrer Umgebung und hielt diese in Zeichnungen fest.
In unmittelbarer Nähe des Hauses erinnert heute eine „Botanik-Tafel“ an Alma als Naturbeobachterin. Ihre Zeichnungen machen sichtbar, was in den Kindheitserinnerungen noch ein unmittelbares Naturerlebnis ist.
Auch der „Alma-Karlin-Weg“ greift diese Verbindung von Landschaft und Erinnerung auf. Der Weg macht aus dem Gehen selbst einen Teil der Erinnerungskultur: Man folgt nicht nur den Spuren einer Schriftstellerin, sondern wandert durch eine Landschaft, die für Alma und Thea weit mehr als Kulisse war: Sie gehörte zu ihrem Alltag, zu ihren Wanderungen und zu Almas Naturbeobachtung.
→ Wo Europas Landschaften zusammentreffen: Sloweniens geologische Vielfalt
→ Flora und Fauna Sloweniens
Alma unterwegs: Natur beobachten, zeichnen, sammeln
Das Zeichnen von Natur begann nicht erst in Pečovnik.
Schon 1919, während sie in Celje ihre Sprachenschule aufbaute und sich auf ihre Weltreise vorbereitete, beschäftigte sich Alma mit Geografie, Geschichte, Naturwissenschaften, Botanik und Zoologie und lernte zu malen.
Am 24. November 1919 begann ihre fast neunjährige Weltreise. Auch unterwegs beobachtete und dokumentierte sie die Natur. Da sie keinen Fotoapparat bei sich hatte, kaufte sie Ansichtskarten, wo es welche gab. Ansonsten zeichnete sie Landschaften und Orte selbst. Auch Pflanzen sammelte und dokumentierte Alma.
Im Regionalmuseum Celje wird heute ein bedeutender Teil von Almas Sammlung bewahrt. Fast die Hälfte der mehr als 800 Objekte besteht aus zoologischem und botanischem Material; darunter befindet sich auch ein von Alma Karlin angelegtes Herbarium.
Die virtuelle Alma-Karlin-Gedenkseite schreibt, dass ein Herbarium aus Australien und Neuseeland erhalten ist. Daneben überliefere ein umfangreiches Album Bilder und Illustrationen der Pflanzenwelt, teilweise auch der Tierwelt und exotischer Südseeinseln.
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→ Dieser Artikel ist Teil der Reihe Alma M. Karlin in europäischer Perspektive
→ Alma Maximiliane Karlin: Kurzbiografie der Reiseschriftstellerin, Weltreisende und Grenzgängerin; Sichtbarkeit im Stadtraum
Jeder Artikel geht einer Frage nach.
Gemeinsam erschließen sie Alma M. Karlin, ihre Lebenswelt und ihre Nachwirkung bis heute.
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Weiterführendes
🔍 Weiterführende Links und Quellen „Alma, die Naturforscherin“
Almas Naturbeobachtung, Zeichnungen und Sammlungen
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Alma Karlin – „Duhovna dediščina AMK“
Quelle für Angaben zu Almas Sammeln und Zeichnen während ihrer Weltreise. Genannt werden ein erhaltenes Herbarium aus Australien und Neuseeland sowie ein umfangreiches Album mit Bildern und Illustrationen der Pflanzenwelt, teilweise auch der Tierwelt, exotischer Südseeinseln.
http://www.almakarlin.si/index.php?lang=si&cat=7
Die Seite ist aktuell nicht erreichbar; der slowenische Originaltext liegt vor. -
Vzhodnoazijske zbirke v Sloveniji – Alma Karlin’s Collection (CRM)
Sammlung des Regionalmuseums Celje: über 800 Objekte, darunter umfangreiches botanisches und zoologisches Material sowie ein von Alma Karlin angelegtes Herbarium. Die Seite informiert außerdem über die Übergabe der Sammlung an das Museum.
Alma Karlin’s Collection (CRM)
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Regionalmuseum Celje – Alma Maksimiljana Karlin
Informationen zur Alma-Karlin-Ausstellung und zum musealen Kontext ihrer Sammlung.
https://www.pokmuz-ce.si/en/exhibitions/permanent-exhibitions/alma-maksimiljana-karlin
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Pečovnik, Wandern und Almas Lebensraum
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Culture.si – Alma Karlin Memorial House
Informationen zum ehemaligen Wohnhaus von Alma Karlin und Thea Schreiber-Gammelin in Pečovnik 44, 3000 Celje, heute Alma-Karlin-Gedenkhaus.
https://www.culture.si/en/Alma_Karlin_Memorial_House -
Davor Mlinarič – „Vzemi Almin žolč!“ – Alma M. Karlin in njeni domovi v Celju skozi arhivsko gradivo
Zur Geschichte von Almas Wohnhäusern und ihrer gemeinsamen Lebenswelt mit Thea.
Zum Beitrag -
Kamra – „Odločni nasprotnici Hitlerja“
Zur Lebensweise von Alma Karlin und Thea Schreiber-Gammelin, ihrem streng geregelten Tagesablauf und ihren gemeinsamen Wanderungen. Kamra berichtet, dass die beiden häufig auch bis zu 40 Kilometer am Tag zurücklegten.
Odločni nasprotnici Hitlerja
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Kamra – „Pečovnik ali Thea postane veleposestnica“
Zur Geschichte des Anwesens in Pečovnik und zu Theas Erwerb des Hauses.
Pečovnik ali Thea postane veleposestnica
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Alma unterwegs – Weltreise und Naturbeobachtung
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Alma Karlin – Weltreise, Zeichnungen und botanische Sammlungen
Die genannten Quellen dokumentieren, dass Alma während ihrer Weltreise Landschaften und Orte zeichnete, Pflanzen sammelte und ihre Beobachtungen in verschiedenen Formen festhielt. Besonders deutlich wird dies am erhaltenen Herbarium aus Australien und Neuseeland sowie am Album mit Illustrationen der Pflanzen- und teilweise Tierwelt der Südsee.
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Hinweis zur Ortsbezeichnung
Das ehemalige Wohnhaus von Alma Karlin und Thea Schreiber-Gammelin befindet sich in Pečovnik (heute Pečovnik 44, 3000 Celje). Pečovnik ist nicht mit Pečovje in der Gemeinde Štore zu verwechseln. In biografischen Darstellungen findet sich gelegentlich die Ortsangabe „Pečovje“; für das heutige Alma-Karlin-Gedenkhaus ist jedoch die Bezeichnung Pečovnik maßgeblich.

